Französische Zwiebelsuppe

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„They’re eating the frogs, they’re eating the snails.”

-Donald J. Trump, ewiger Präsident der Vereinigten Staaten von Usbekistan



Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Geringverdienende und sehr geehrte Mitglieder der Gesellschaft, die auch etwas wert sind.


Heute entführe ich Sie (gewaltsam) in eine Welt, in die Sie ohnehin bereits Zugang gefunden haben – oder aufgrund Ihres schlichten Gemüts, Ihres chronischen Zeitmangels oder anderer Gründe, die mir auszusprechen zuwider sind, nie Zugang finden werden. Die Privatköchin meines Drittwohnsitzes kredenzte uns (das sind meine Partnerin aus gutem Hause zur Festigung der Geschäftsbeziehung unserer Familien und zum grundsätzlichen Machtverhalt, und ich) heute ein Festmahl des Wohlgeschmackes, wie es sich anderswo kein zweites Mal finden lässt. Die Rede ist hierbei von einem Klassiker der französischen Küche, der Französischen Zwiebelsuppe.


Jeder, der etwas auf sich hält, sollte sich mit der französischen Küche beschäftigen, um sich nicht die Blöße zu geben, für einen simplen Kretin gehalten zu werden, der einen Big Rösti den Gipfel der Kulinarik wähnt. Frankreich gilt auch seit jeher als Herkunft des Adels, der Reichen und der Schönen. Mehr Gründe sind wohl wirklich nicht vonnöten, um auch die Überlegenheit seiner Küche festzustellen. Doch dies wäre kein Foodblog, wenn ich nicht noch mehr Argumente liefern würde. Man bedenke die vielen Schneidetechniken, Brunoise, Julienne, um nur einige zu nennen, oder das Poelieren, das Arrosieren! Allesamt Techniken, um eine tagfüllende Beschäftigung für Privatköch:innen zu gewährleisten – und damit meine ich nicht diese Fotzen von Tiktok, die sich lediglich selbst bekochen und dafür Aufmerksamkeit wollen. Ekelhaft. Nein, wir reden von tatsächlich angestelltem Personal der gehobenen Gesellschaft, die sich dank der Kochkünste geschulten Humankapitals tagtäglich an einem neuen Augen- und Gaumenschmaus erfreuen darf.



Ich möchte dazu eine kleine Alltagsgeschichte erzählen: Wir waren für das Wochenende in der Bretagne, um ein wenig das unverfälschte Landleben zu genießen. Fernab des Pöbels, versteht sich, sofern unsere kleine Delegation bestehend aus vier Personen nicht auch dazu zählt. Nach einem schönen Ausritt über das Land kehrten wir in unser Anwesen zurück. Die frische Luft hatte uns hungrig gemacht, und da ich mittlerweile ja fast verheiratet bin, habe ich es auch nicht länger nötig, mich mit Wattebällchen und Orangensaft gertenschlank zu halten. Umso besser also, dass das Abendessen fast fertig war. Doch als es hieß, es gäbe heute Abend Suppe…nun, zu sagen, ich sei irritiert gewesen, wäre wohl untertrieben. Beef Wellington, Ortolan, das alles hätte ich noch verstanden, aber eine bloße Suppe? Als Hauptgang? Wer bin ich denn bitte schön? Ich drohte bereits, dass die Köchin nach diesem Skandal ihren Job verlieren und niemals wieder einen neuen finden würde, sollte das nicht die beste Suppe sein, die ich jemals genießen werde. Doch was dann passiert, stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten.



Mir wurde hier eine Schüssel flüssigen Goldes serviert. Dazu wurden geröstete Baguettescheiben, überbacken mit würzigem Gruyère, gereicht. Das Mundgefühl dieser kräftigen Brühe war überwältigend. Wie Seide schmiegte sie sich zärtlich um meine Geschmacksknospen und hüllte meinen Gaumen in Wohlgeschmack. Die sich in der Brühe befindlichen Zwiebeln waren zur Perfektion geschmort und erstrahlten in goldbrauner Farbe. Ich war so überwältigt, dass ich die Köchin gar nach den Gewürzen fragte, um zu verstehen, wie sich dieses einzigartige Geschmacksprofil zusammensetzt. Also damit Sie das auch richtig verstehen: Ich habe mit einer gewöhnlichen Person mit 5-stelligem Jahresgehalt geredet. Sie können sich also vorstellen, wie ernst mir diese Sache ist. Salz, Pfeffer, Lorbeer, Thymian und eine Prise Knoblauch. Unverfroren unspektakulär! Insgesamt habe es über fünf Stunden gedauert, diese Speise zuzubereiten, da der feine Rinderfond frisch zubereitet und die Zwiebeln über lange Zeit unter ständigem Rühren geschmort werden mussten. Selbstredend wurde auch das Baguette frisch gebacken.



Natürlich habe ich die Köchin trotzdem entlassen und meinem Agenten befohlen, ihren Ruf auf ewig zu zerstören, denn dass ich diese Drohung nicht wahr werden lasse, wäre ja die Höhe. Und selbst wenn es die beste Suppe war, die ich je gegessen habe. Ich habe Prinzipien.


Ein genaues Rezept werde ich Ihnen an dieser Stelle nicht mit auf den Weg geben, denn für so eine niedere Tätigkeit würde ich Geld verlangen. Außerdem hat niemand diese Suppe verdient, der sich keine Bediensteten leisten kann, welche diese Suppe zu kochen imstande sind. Prostituieren Sie sich notfalls, um diesen Schmaus probieren zu können. Denn seien Sie versichert: Sie werden nach diesem Genuss nie wieder eine andere Suppe essen wollen.



Hochachtungsvoll


Jacqueline de Cholet

Erbin eines Immobilienkonzerns


P.S.: Eine Einordnung will ich Ihnen natürlich trotzdem nicht ersparen. Ich vergebe hier stolze 9.6/10 Punkte auf der Gourmet-Skala - und das nur, um noch Luft nach oben für eventuelle zukünftige kulinarische Meisterleistungen zu lassen.