
„Es ist mir egal, wer die Suppe kocht, solang sie braun ist.“
-Friedrich Merz
Bonjour, bonsoir und bonsai, geschätzte Lesende und Lasernde!
Wer dieser Tage einen Blick ins Radio wirft, der verdirbt sich nur zu schnell den Magen. Wir wollen jedoch aufbrechen in die weite Welt der Kulinarik, in das Reich bombastischer Geschmacksexplosionen, ins Tal der Trüffel, auf den Gipfel des Genusses. Ich erspare euch weitere Alliterationen und nehme euch stattdessen mit auf ein eskapistisches Abenteuer in ein fernes Universum. Schließt eure Augen…
Kalte Winterluft umgibt dich. Unter deinen Füßen knirscht das bereifte Gras der Tundra, das sanft im Nordwind ächzt.
Sein frostiger Griff trägt auch den Geruch eines Holzfeuers in sich. Und da ist noch etwas:
Ein kräftiges Aroma von Gewürzen, gegrillten Zwiebeln, ja, scharf angebratenem Speck weht dir zu.
Öffne deine Augen.
Vor dir erschließt sich die Stadt Weißlauf im Herzen der Provinz Himmelsrand.
Viele Treppenstufen liegen vor dir, doch von ganz oben lockt der herzhafte Duft, dem du nicht widerstehen kannst.
Höher, immer höher erklimmst du den Hügel, auf dem die Drachenfeste thront, Sitz des Jarls – und feiner Speisen.
Durch schwere Eichenpforten trittst du ins das Innere und erkennst die Quelle des berauschenden Odeurs:
Da köchelt ein Eintopf langsam vor sich hin!
Was könnte das nur sein?
Ah, gut, dass ihr fragt! Gestatten, Jacqueline Camoran mein Name. Ihr kennt mich vielleicht nicht, aber ich habe lange Zeit als Chef de Cuisine am Hofe von Camlorn gedient, bevor ich erkannt habe, dass das Leben als Assassinin der Dunklen Bruderschaft deutlich lukrativer und vor allem abwechslungsreicher ist. Statt als Poissonnière arbeite ich nun als Poisoner und das erfordert mindestens genauso viel Verständnis vom Zusammenspiel verschiedenster Zutaten.
Nun denn, genug von mir. Heute soll es um diesen herrlich duftenden Eintopf gehen, der da so verführerisch brodelt, so herrlich dampf und nur darauf wartet, von Adelsleuten und Abenteurer:innen gleichermaßen verspeist zu werden. Die Rede ist von nichts Geringerem als der Potage le Magnifique, dem Signature Dish des „Feinschmeckers“, möge Arkay seiner Seele gnädig sein und sein Körper in der Gosse verrotten. Wisst ihr, es ist etwa zehn Jahre her, da kam so ein ungewaschener Trottel in meine Küche und wollte lernen, wie man kocht. Das grüngesichtige Scheusal hab‘ ich natürlich sofort wieder nach Orsinium jagen lassen, aber scheinbar ist es dort nie angekommen. Nein, ausgerechnet nach Dolchsturz ist es gegangen, wo die Leute mehr Wert auf pompöse Garnierung als auf das raffinierte Zusammenspiel der Zutaten und den daraus erwachsenden Wohlgeschmack geben. In typisch Dolchsturz’scher Manier konnte dieser Kretin also seine grenzenlose Arroganz nicht bloß an seinem Umfeld auslassen, nein, er musste zu allem Überdruss ein Kochbuch publizieren, in welchem er seine Rohheit öffentlich kundtut. Nicht, dass der gemeine Pöbel das verstehen würde, aber ihr, werte Lesende, ihr seid Leute von Format. Ihr versteht gewiss, was ich meine, wenn ich euch das Grundrezept dieses selbsternannten „Feinschmeckers“ präsentiere:
„4 Tassen Hühnerbrühe
4 Tassen Rinderbrühe
80 Gramm Butter
ein hölzerner Krug Mehl
eine Tasse gewürfelte Karotten
eine halbe Tasse gewürfelte Zwiebeln“
Okay, mal für Anfänger: WAS FÜR KRUG MEHL?! Ein Krug ist keine sinnvolle Referenzeinheit und regional komplett unterschiedlich. Ich habe irgendwo gelesen, dass ein Krug alles von anderthalb Tassen bis zu zwei Maß umfassen kann. Egal, was man davon letztlich verwendet: Es. Ist. Zu. Viel. In einem anderen seiner Rezepte empfiehlt er im Übrigen die Verwendung von 60 g Muskatnuss für ein Soufflé. Ich als professionelle Giftmischerin kann euch versichern, dass diese Dosis tödlich ist. Das ist nebenbei das einzige Gewürz, das er verwendet, denn dein Einsatz von Salz hält er wohl für überflüssig. Amateur.
Dann das nächste Problem: Karotten. Zwiebeln. Der „Feinschmecker“ impliziert hier eine Mirepoix. Traditionell sollte man hier – allein schon wegen der Farbvielfalt – auch Staudensellerie inkludieren, aber das sei dem Autor dieses Machwerks noch einmal verziehen. Nein, das Problem ist der Umgang mit den Zutaten. Und das gilt nicht nur der Mirepoix:
„Die Flammen Eures offenen Feuers schüren und sie auf eine mittlere Hitze bringen.
Alle Zutaten in einen großen Suppentopf werf-“
HALT STOPP. Dieser Oger brüstet sich damit, in Hochfels seine Ausbildung genossen zu haben, hält es dann aber für irrelevant, das Gemüse anzuschwitzen. Gut, dann nicht. Und wie wäre es mit einer Mehlschwitze? Nein? Simpler Kretin, bah. Vermutlich sind die Mehlklumpen das Geheimnis seiner Suppe, die sich unweigerlich bilden werden, wenn man unkoordiniert ein Pfund Mehl oder mehr in den aufgeheizten Kessel wirft. Einfach abscheulich.
Zu allem Überdruss formuliert der Ork gar feixend am Ende, das Geheimnis, um dieser Suppe zu wahrer Größe zu verhelfen, seien wir. WIR. Schlichtweg windet er sich aus der Verantwortung und bezichtigt uns des Unvermögens, sollte sein stümperhaftes Rezept nicht munden. Was es gewiss auch nicht wird, wenn es nicht angepasst wird! Geneigte Leser:innen, mit Verlaub: Diese simple Potage würde jede:r von uns nach Bauchgefühl besser kreieren können als dieser einfältige Tropf. Und das werden wir nun unter Beweis stellen. Ich, Jacqueline Camoran, präsentiere unverblümt die wahre Potage le Magnifique:
200 g gewürfeltes Horkerfleisch (es eignen sich aber auch Pancetta, Speck etc.)
2 Karotten (z.B. gewürfelt)
1 Gemüsezwiebel (gewürfelt)
3 Kartoffeln (mundgerecht oder feiner)
50 g Mehl
750 ml Hühnerbrühe
750 ml Rinderbrühe
1 Spritzer Met
1 Septim (alternativ 1 Lorbeerblatt)
1 Stück Jarrin-Wurzel (optional)
Erhitzt die Brühe in einem großen Topf. Das muss nicht allzu flott erfolgen, denn wir kümmern uns nebenher um das Fleisch, was mindestens zehn Minuten in Anspruch nehmen wird. Vergesst den Septim nicht!
Das Horkerfleisch – alternativ Pancetta oder Speck – wird in feine Streifen oder Würfel geschnitten und anschließend in einer Pfanne bei mittlerer bis hoher Hitze gebraten. Wichtig ist dabei, dass der Speck sein fett verliert und selbst knurspig, äh, knusprig wird. Sobald dies geschehen ist, fügt man die Zwiebeln der Pfanne hinzu und lässt sie leicht – nur leicht! – karamellisieren. Anschließend können Speck und Zwiebeln aus der Pfanne genommen und zur Suppe transferiert werden. Achtet dabei darauf, nichts vom Fett zu vergeuden! Das brauchen wir noch.
Nun ist es auch an der Zeit, Karotten und Zwiebeln zur Suppe hinzuzufügen.
In die heiße, fettige Pfanne fügt ihr nun das Mehl hinzu und kocht es unter Rühren auf, bis sich eine schöne blonde Mehlschwitze bildet. Löscht dies mit einem Schuss Met ab und macht euch bereit zu rühren: Die lockere Mehlschwitze transferiert ihr unverzüglich in den Suppentopf und rührt kräftig um, sodass sich keine Mehlklümpchen bilden können und ihr einen Eintopf von hervorragender Viskosität erhaltet.
Nun, meine Freundys, ist es an der Zeit, die Potage le Magnifique anzurichten. Entfernt den Septim währenddessen, falls ihr keine Zahnzusatzversicherung habt. Anrichten könnt ihr die Suppe mit frischem Brot und einem Käsetaler, wie man den Bildern entnehmen kann. Geheimtipp: Verfeinert euer Mahl mit frisch gemahlenem Pfeffer! Dankt mir später dafür.
So mag ich nun selbst einmal probieren. Mhhh. Auch ohne die Zugabe von Sahne erhalten wir hier eine Suppe, die ausgesprochen cremig und vollmundig ist. Die Aromen der Brühe kommen wunderbar zur Geltung und werden durch das Gemüse verfeinert. Wie kleine Bündel des Geschmacks entfacht jedes Stückchen Horkerfleisch in Feuer des Genusses in meinem Mund, sobald ich darauf beiße. Der schwarze Pfeffer wirkt gar himmlisch in diesem Gericht, und Brot in diese Speise zu tunken, macht aus dem Gericht ein Gedicht. Vom knusprigen Käse, den ich mir zwischen den einzelnen Löffeln genehmige, fang ich gar nicht erst an.
Ich gebe der Potage le Magnifique 2.6/10 Punkte auf der Gourmet-Skala, wenn man sich an das Rezept des „Feinschmeckers“ hält, und 7.1/10 Punkte nach meiner eigenen Version. Tja, Balagog, erstick an deinen Zähnen – oh warte, du bist ja bereits tot, HA! Selten hat sich ein Auftrag so gut angefühlt, äh, ich meine-
Viel Spaß beim Nachkochen!
Zu guter Letzt: Wenn ihr zur Abwechslung ein gutes Tamriel’sches Kochbuch lesen möchtet, so empfehle ich euch „Chauruspastete: Das Rezept“ des bodenständiges Windhelmer Kochs Nils, bekannt aus Haus Kerzenschein. Wenngleich seine literarischen Ergüsse unbeholfen sind, so beschreibt er in seiner Quintessenz ein schmackhaftes Rezept und geht dabei auf alle Schritte der Zubereitung und vor allem die Würze des Gerichts ein, was der selbsternannte „Feinschmecker“ versäumt hat. Dass der Autor mich als Bretonin mehrmals in seinem Text beleidigt, trägt zur Authentizität des Werks bei, in welchem er mit Nationalchauvinismus den Himmelsrander Zeitgeist perfekt einfängt.
Kommentare 1
Ulti
"erstick an deinen zähnen" wird mich hoffentlich noch lange begleiten 🔥