
Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, sehr geehrte Bekämpfende der binären Geschlechtsordnung,
vor 3 Tagen begingen wir den Weltfrauentag, in manchen Kreisen auch bekannt als (queer-)feministischer Kampftag. Diesen möchte ich als Anlass nehmen, mich heute einem der größten Feministen unserer Zeit hinzugeben. Geboren als Hans Peter Geerdes erblickte H.P. Baxxter in 5 Tagen vor 61 Jahren das Licht der Welt. Und er sah, dass es gut war. Anders als die patriarchalen Strukturen in unserer Gesellschaft, wie der selbsternannte Anarchokommunist bereits früh feststellen musste. In Hommage an die Frauenrechtlerin Helen Priscilla Rabagliati kürzte er seinen Künstlernamen zu H.P. und widmete sich fortan der guten Sache. Als Gesicht und Stimme der avantgardistischen Glam-Pop-Psytrance-Bewegung „Scooter“ (dt.: Roller) fanden seine Texte schnell in progressiven Denkkreisen Anklang. Man denke hierbei etwa an das frühe Werk „Maria, I like it loud“, in welchem er die Protagonistin, stellvertretend für eine ganze Generation junger Frauen, auffordert, ihre Stimme für den Kampf gegen Ungleichbehandlung und Dieter Bohlen zu erheben.
Das ganz und gar nicht problematische Fast-Food-Franchise McDonald’s veröffentlichte nunmehr als exklusives Item und nur für kurze Zeit das limitierte „I like it laut!“ Menü. Neben einem Softdrink nach Wahl, der idealerweise mit geisteskranker Lautstärke geschlürft wird, besteht das Set aus einem sogenannten McCrispy, der durch frittiertes Huhn bestechen will, knusprigen Kartoffelchips und dem Cris P. Dip, der wohl mit schwarzem Pfeffer und Himbeeraroma auch irgendwie Lärm erzeugen soll. Sinn der Sache sind das Erzeugen von Geräuschen der Zustimmung, ähnlich wie das Klatschen für Pflegekräfte zu Pandemiezeiten, und das Herbeiführen eines Hörsturzes.
Nach einem langen Arbeitstag steuere ich meinen spritsparenden Kleinwagen zu einer Filiale der Goldenen Möwe nahe einer Autobahnauffahrt, wie sich das eben gehört. Das blond überdachte Antlitz des Kunstschaffenden blickte mich dabei schon von Weitem mit heißem Blick an und lud mich ein, mir dieses Happy Meal für Erwachsene aus der Nähe anzusehen. 9,79 € mit Gutschein wurden mir dafür abverlangt, aber den Schmerz vergesse ich schnell, wo ich doch während der Wartezeit den lebensgroßen Pappaufsteller des Maestros höchstselbst bestaunen darf. Heute war wenig los, also heißt Fast Food wirklich Fast Food und läuft nach drei Minuten in Windeseile von allein zum Auto. Ich musste es danach K.O. schlagen, aber ich bin verheiratet und habe entsprechend Erfahrung mit sowas. #kennstekennste
In Ostdeutschland herrschen keine Geschwindigkeitsbegrenzungen, also war ich in 5 Minuten daheim und konnte mich stärken, noch bevor das Mahl erkaltet war. Was auch sinnvoll ist, denn wir haben hier knusprige Lebensmittel erstanden. Mit jeder Sekunde, die vergeht, schreitet die Verwesung voran, die uns dieses Fest der Dekadenz im schlimmsten Falle in ein Potpourri der Pampe verwandelt. Jedenfalls konnte ich dem Vorbeugen, also BEHOLD:
Gut, das ist jetzt erstmal noch unterwältigend. Wir haben einen mittelgroßen Burger und wir haben Kartoffelchips. Den Cris P. Dip hat man uns gar nicht in unsere Seniortüte gepackt, dafür aber Ohrstöpsel. Ich würd die ja direkt ausprobieren, aber ich muss ja überprüfen, ob der Crunch wirklich so enorm ist, wie die Werbung es suggeriert, also mach ich stattdessen einen Geschmackstest: Ja, ist Schaumstoff, 3/10.
Jetzt aber zum eigentlichen Essen. Ich beginne mit den Chips. Die sind etwas dicker als der gewöhnliche Standardchip, aber oho! Die knuspern wirklich ordentlich! Denk ich mir, bis ich einen zweiten probiere, der schon labbrig geworden ist. Das Ganze wiederhole ich ein paar Mal und muss mich mit einer ungefähren 50-50-Chance auf Knusprigkeit zufriedengeben. Geschmacklich lässt sich das Ganze mittig in einem Dreieck aus Pringles, McDonald’s’schem Frittenfett und Dachpappe verorten und kommt damit erstaunlich nahe an die Originalen Mecces-Pommes heran.
Der Cris P. Dip, für den Cris P. Baxxter auch auf dem Gürtel des Pappaufstellers Werbung macht, riecht ein wenig nach Nagellackentferner und schmeckt im Abgang auch so. Dafür gibt’s zum Glück aber auch eine geballte Breitseite schwarzen Pfeffers. Und da der Nagellackentferner auch der gute mit Himbeerduft ist, ist es insgesamt schon recht erträglich. Wieso man Chips allerdings dippen sollte, bleibt mir ein Rätsel.
Es folgt der McCrispy. 15 Monate ist es her, dass ich zuletzt das Licht im Land der Aufgehenden Sonne erblicken durfte, also nutze ich jede Gelegenheit, die sich mir bietet, um Curry in irgendeiner Form zu essen. Folglich habe ich heute auch den McCrispy Curry bestellt, weil die Alternativen „Basic“ und „Spicy“, was das neue Basic ist, waren. Beim Curry handelt es sich wenig überraschend um die altbekannte Currysauce, in der ich für gewöhnlich meine McNuggets versenke. An der Stelle: Wenn ihr die Curry- oder Süß-Sauer-Sauce mögt, dann kauft die entsprechenden Saucen von Develey im Supermarkt. Dankt mir später. Ansonsten haben wir White Cheddar, Bacon und Eisbergsalat im Brötchen. Und frittiertes Huhn, aber das sagte ich bereits. Optisch erinnert es ein wenig an die Experimente aus der eigenen Küche, als man versucht hat, Kentucky Fried Chicken at home zu machen. War nicht schön, aber gut. Das trifft auch auf diesen Burger zu. Das Hähnchen ist knusprig, während das Brötchen leider als Schalldämpfer dient. Der Käse ist da, der Bacon ist da. Die Mohn-Sesam-Mischung vom Brötchen sind spannenderweise aufdringlicher als die zuletzt genannten Zutaten, also stellt sich die Frage, wieso man sich die nicht gleich gespart hat. Das Crispy Chicken schmeckt anders als McNuggets oder der Chicken-Burger-Patty, aber auch nicht wie KFC. Der Geschmack wirkt fast schon heimelig. Überraschend gut.
Getränk war Cola Tzerro, weil ich nicht einfach nochmal Chips auswählen durfte. Die Getränke bringen’s einfach so gar nicht, wenn man daheim Zugriff auf geklaute Energydrinks hat.
So, liebe Freundys, kommen wir allmählich zum Fazit, denn es ist spät und ich muss vor dem Schlafengehen noch einen Gore Magala erjagen. H.P. Baxxter gelingt es mit diesem „Kunst“werk leider nicht, an die Erfolge früherer Projekte anzuknüpfen. Mit seiner Botschaft „Turn it up to eleven“ richtet sich der in die Jahre gekommene Künstler zwar sinnvollerweise an Sechstklässlerinnen, die Feministinnen von morgen, wirkt dabei jedoch wie der gruselige Mann, der um 11 Uhr morgens mit seinen Wichsgriffeln den Zaun zum Kindergarten umklammert hält. Bei so viel Fokus auf Lautstärke in der Kampagne kommt es nur wenig verwunderlich, dass diese im Ergebnis leider als „tone-deaf“ zu bewerten ist. Wirklich schade. Dabei zeugen die Produkte und die Geschichte, die sie erzählen wollen, von einst vorhandenem Handwerkszeug, doch scheint es, als ob jede Klinge einmal stumpf werde. Ich vergebe 5.9/10 Punkte auf der höchstkritischen Gourmet-Skala.
Btw schmeckt der Vanille-Milkshake von Mecces richtig scheiße. Also in dem Maß scheiße, dass der ganz bestimmt keinen eigenen Blog kriegt. Ta ta!
Kommentare 9
Hansolas
Review fand ich ziemlich wicked
TIRAMISU Autor
Dabei ging es gar nicht um Hexen, wild.
Frechdachs
Musste lachen, 8/10
Rusalka
Endlich H.P. in natura treffen.
Mahina
Wir haben keinen Hans Peter Aufsteller bei uns ):
TIRAMISU Autor
𝕺𝖘𝖙𝖉𝖊𝖚𝖙𝖘𝖈𝖍𝖑𝖆𝖓𝖉
Angel Dust
Süd. Bei uns auch nicht.
PERFEKTION
Dieser Pappaufsteller hat alle psychischen Krankheiten von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie habe, erweckt.
TIRAMISU Autor
My job here is done.