Ist der Speck vegan?

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"V-A-G-I-N-A. Vegan."

-Maria Clara Groppler (jetzt aber wirklich)



Freundys der fleischfreien Völlerei, seid mir gegrüßt. Als unbelehrbare Rebellin habe ich wider Anraten meiner Waifu auf der Suche nach dem Räuchertofu unweigerlich einen Blick auf die Auswahl veganer Ersatzprodukte im örtlichen REWE geworfen. An diesem Tag gelang es mir nicht, das Kribbeln im rechten Arm zu unterdrücken – und niemand kennt sich mit diesem Gefühl so gut aus wie die Bewohner Ostdeutschlands. Meine Finger verzehrten sich danach, hartes Plastik zu umklammern und das grüne Etikett zu umschmeicheln, auf dem „something something bacon vegan“ stand. Mein Blick wurde glasig, ich presste meine Schenkel zusammen…äh, im nächsten Augenblick fand ich mich an der Supermarktkasse wieder, wie ich den Nicht-Speck gerade bezahlen wollte. Dann fiel mir wieder ein, dass ich Antikapitalistin bin, ergo bin ich perfide kichernd kostenfrei durch die automatische Tür hinaus und habe auf dem Weg noch das Regal mit dem Grillanzünder umgestoßen. Das war mir das Hausverbot wert.


Außer Sichtweite der Exekutivbeamten reiße ich dann die Plastikverpackung der Beute auf und schnuppere. Ah! Schwarzbrot. Kennt man, liebt man. Effektiv ist es doch eh jedes Mal so, dass man irgendein Ersatzprodukt auf Weizenproteinbasis kauft und mit der Pumpernickelkeule verprügelt wird, die in etwa so subtil wie die Faschistisierung des Abendlandes ist. Naja, ich bin ja auch selbst schuld, dass ich mich jedes Mal aufs Neue auf dieses Abenteuer einlasse. Roh braucht man das Ding, das in etwa die Konsistenz von sauren Drachenzungen hat, gar nicht erst probieren, aber Feliciá zufolge geht es beim Speck ohnehin nicht um den Geschmack (dieser sei gar scheußlich), sondern um den Knusperfaktor, den man nur durch eine adäquate Röstung erhielte. Ja, gut, dann geh ich mal heim, bevor die Polizei bemerkt, dass ich mich mit einer Packung Veggie-Speck hinter einem Müllcontainer verstecke.


Wie durch ein Wunder schaffe ich es dann also auch noch zu Waifu nach Hause, die bereits Lunte riecht, wütend mit verschränkten Armen und wippendem Fuß in der Tür steht und mir anschließend mit dem Nudelholz eins überzieht. Die Pfannen hat sie trotzdem schon vorgeheizt. Ja, ihr lest richtig: Plural. Denn Waifu will mir ein für alle Male ausreden, diese Ersatzprodukte zu kaufen, indem sie mir the real deal gegenüberstellt: guten, alten Bacon, immerhin in Bio-Qualität. Die würzig-aromatische Note von gebratenem Speck erfüllt bereits den Hausflur, also hechte ich in die Küche, um schnell den veganen Ersatz in die freie Pfanne mit ein bisschen Rapsöl zu legen, damit beide in etwa zeitgleich fertig werden und ich frische, knusprige Streifen miteinander vergleichen kann.



Der Speck wirft ganz normal seine Blasen, und Fett dringt aus. Dem Veggie-Bacon sieht man erst an, dass er am brutzeln ist, als er plötzlich eine beunruhigende schwarze Färbung annimmt. Ich bin jetzt zuversichtlich, dass das keine Verbrennungen dritten Grades sind, aber es reicht zumindest für einen kurzen Jumpscare (ich lasse diese Steilvorlage bewusst ungenutzt, weil ich euch lieb hab). Während das so am braten ist, kommt mir die Idee: Ich nehm einfach die Hälfte vom Veggie-Bacon und schmeiße ihn ins heiße Speckfett zum Braten. Effektiv steckt in dem Fett ja der maximale Geschmack, also viiiiielleicht schaffen wir es ja, das Maximum aus dem herkömmlichen Speck rauszuholen, indem wir ihn mit der fleischfreien Alternative strecken, statt das Fett hinterher unter fließend Wasser 5 Minuten lang in der erkalteten Pfanne zu verteilen, bis ich einsehe, dass man vielleicht auch Spülmittel verwenden könnte.


Alle drei Varianten sind fertig, also folgt der Blindtest. Optisch sind zumindest Fleischspeck und Weizenspeck klar unterscheidbar, sowohl was Form, Farbe und Dicke angeht (Veggie ist hier deutlich dicker geschnitten). Äh, aber ich hab ja Blindtest gesagt, also hab ich mir die Augen ausstechen lassen, als wäre ich ein kleiner Singvogel, den man in Schnaps ertränkt und Fett ausbackt. Jedenfalls legt Waifu mir nun zarte Scheiben auf die Zunge und…naja, es war jetzt echt nicht schwer zu erraten, was denn nun was ist.


Der Weizenspeck ist unfassbar knusprig, teils fast schon zu hart, als habe man hauchdünnen Schiffszwieback vor sich. Geschmacklich entspricht es ziemlich exakt geröstetem Schwarzbrot, also wer selber Kwas machen will, kann hier bedenkenlos zugreifen. Sehr gehaltvoll, leicht herb im Abgang. Der in Speckfett gebratene Weizenspeck ist ein wenig schmierig an der Außenseite und bringt eine leichte Nuance des Speckgeschmacks mit in sein Portfolio, aber letztlich verflüchtigt sich das auch schon, bevor man auch nur zu kauen angefangen hat. Danach hat man wieder Schwarzbrot. Und der Speck – nun, ich muss euch jetzt wohl hoffentlich nicht erklären, wie Speck schmeckt. Man hat ein intensives, aber nicht überwältigendes Raucharoma, das hervorragend mit den Aminosäuren zusammenspielt und so zu einer wahren Umami-Bombe wird, um dieses Buzzword nun auch untergebracht zu haben.



So, jetzt haben wir hier nach der Blindverkostung immer noch 7 Streifen veganen Speck, der jetzt so für sich echt nicht gut schmeckt. Also nehm ich einfach Barbecue-Sauce – die ist ja auch meistens vegan – und dippe. Also so wird ein Schuh draus. Knusper vom Brot, äh, Speck, Geschmack von der Sauce. The real deal gedippt in die Sauce zieht einem aber die Schuhe aus, will effektiv heißen: Wenn es wirklich nur auf die Knusprigkeit des Specks ankäme, dann kann man ruhig zur veganen Alternative greifen. Mir fallen jedoch wenige Use Cases ein, in denen das der Fall ist. Carbonara? Giorgia Meloni erteilt euch Einreiseverbot, wenn ihr auch nur daran denkt. Burger? Klar, warum nicht. Speck im Burger ist ohnehin gottlos overrated und effektiv auch nur ein Überbleibsel dieser amerikanischen Speckliebe, die in den frühen 2010ern zu uns rübergeschwappt ist. Da einfach mit Weizenstreifen in einer kräftigen BBQ-Sauce ankommen, dann schmeckt das Ding. Ich würde aber trotzdem eher Karotten in Streifen schneiden, mit BBQ-Sauce oder Sojasauce, Ahornsirup und Sesamöl bestreichen und bei maximaler Hitze kurz im Ofen anrösten. Vermutlich würde unserem Weizenkumpel so eine Marinade auch guttun.


Ja, das war jetzt insgesamt eine recht mittelmäßige Erfahrung und daher schmeiße ich dem Ganzen nun die ebenso mittelmäßige Gourmet-Meinung von 5/10 an den Kopf. Der Fairness halber zwei Sachen: Standard-Bacon hat einfach fucking 700+ kcal auf 100 g, während der Veggie-Bacon something something 200+ kcal hat. Es wäre peinlich, wenn der vegane jetzt gleichwertig oder sogar besser schmecken würde. Außerdem war das jetzt nur der dumme Billie-Green-Speck. Wir wissen alle, dass man 139 Ersatzprodukte probieren muss, bis man endlich eins hat, mit dem man zufrieden ist. Ich glaube jedoch, dass ich dieses Experiment vorerst auf Eis legen und weiterhin den Genozid an Paarhufern supporten werde, oje. Vielleicht fang ich da aber erstmal mit den Bullenschweinen an, die gerade meine Tür eintreten. Ich drück schnell noch auf Absenden und bin dann-

Kommentare 2

  • "Kribbeln im rechten Arm zu unterdrücken – und niemand kennt sich mit diesem Gefühl so gut aus wie die Bewohner Ostdeutschlands." - haha, wieder mal treffend beschrieben. Ich mag deine Art, der bildlichen Beschreibung :)

    Danke 2
  • Danke für die unterhaltsame Reise durch dein kulinarisches Experiment :). Ich selbst fand den Billie-Green-Bacon furchtbar, was mich nicht davon abbringen konnte, die Schinkenwürfel zu probieren. Zu denen sei gesagt: Als Topping sind die super (am Ende in eine Carbonara oder auf einen Flammkuchen geben), aber sobald sie zu viel Wärme abbekommen, wird die Konsistenz merkbar schlechter. :D

    Danke 1