
Es ist jetzt fast zwei Jahre her, da habe ich meine Bachelorarbeit angemeldet. Und plötzlich wurde es ernst. Die Ideenfindung und Literaturrecherche, selbst die Datenerhebung war so weit abgeschlossen, dass ich alles nur noch sortieren und zu einer vernünftigen Arbeit zusammenschreiben musste. Und das habe ich. Es war noch nicht einmal ein großes Problem. Ja, es war etwas länger, aber ich hatte ja auch schon vorher Hausarbeiten geschrieben. Also alles kein Problem, oder?
Ich wünschte, es wäre so einfach. Aber mein Körper hat das nicht so gesehen. Und einen festen Punkt für das Ende meiner Studienzeit zu haben, hat mich wohl mehr gestresst, als ich erwartet, fast möchte ich sagen, mehr als ich mitbekommen habe. Aber es gibt etwas, dass mir diesen Stress mehr als deutlich gemacht hat. Etwas, was mich diesen Stress bis heute nicht hat vergessen lassen. Ein Piepen in meinem linken Ohr. Seit fast zwei Jahren nun ist es immer da. Mal lauter und mal leiser, aber ich habe gelernt, damit zu leben. Natürlich wünschte ich, es würde genau so still und heimlich verschwinden, wie es aufgetaucht ist, aber solange ich noch studiere, gehe ich nicht davon aus, dass es passieren wird. Denn als ich im Master an meiner ersten Hausarbeit seit meiner Bachelorarbeit saß, wurde es wieder lauter. Es wurde wieder aufdringlicher und ablenkender, obwohl es vorher so lange kaum wirklich störend für mich war. Aber da war es wieder. Wie ein nerviger Ohrwurm, nur eintönig, beständig und tatsächlich messbar. Und im Semester hat es sich wieder gelegt. Mein Stress rührt von Hausarbeiten - auch wenn ich keine wirkliche Ahnung habe, warum.
Vielleicht gibt es jetzt jemanden, der sich fragt, was zur Hölle hat das Ganze mit rosa Elefanten zu tun? Beziehe ich mich wie bei Dumbo auf von Alkohol hervorgerufene Halluzinationen? Sind rosa Elefanten das Gegenmittel?
Nein. Schön wär's. Damals schon hat der HNO mir gesagt, bei Ohrgeräuschen wüsste man noch so ziemlich gar nichts. Das Beste als, was ich tun kann, ist, sie zu ignorieren. Leichter gesagt als getan. Wobei, das Piepen, das seit zwei Jahren da ist, kann ich ganz gut ignorieren. Es ist jetzt einfach da. Selbst wenn es mal wieder lauter sein möchte, weil ich unterbewussten Stress habe, auch wenn ich super im Zeitplan liege. (Oder weil ich super im Zeitplan liege?) Das kenne ich. Das ist weniger gefährlich. "Gefährlich" wird es dann, wenn ein anderes Piepen hinzukommt. Wenn mein Tinnitus nicht der einzige Ton ist, den ich höre, obwohl es um mich still ist. Egal auf welchem Ohr. Denn das stresst mich mehr. Die Angst, dass das Piepen nicht alleine bleibt. Jetzt, da ich wirklich weiß, wie es ist, so einen chronischen Tinnitus zu haben.
Das ist vor etwas weniger als einer Woche passiert. Also gut, das war nicht das erste Mal, das so etwas passiert ist, aber da gerade (offensichtlich) eine schlimmere Zeit für meine Ohrgeräusche ist, ist auch der Stress durch zusätzliches Piepen schlimmer. Und gut möglich, dass das einen Teufelskreis erzeugt. Zuletzt war es ein tiefes Klingen in meinem rechten Ohr. Eines, das sich leicht übertönen lässt. Und das trotzdem dafür sorgen kann, dass ich nicht einschlafe.
Also: Versuche, nicht an rosa Elefanten zu denken.
Woran denkst du?
Ich weiß, dass ich es ignorieren sollte. Dass es nichts gibt, was ich dagegen tun kann. Vielleicht könnte ich versuchen, Stress zu reduzieren, aber der ist halt nicht einmal aktiv da. Der brodelt irgendwo unter der Oberfläche und ich muss halt weiter an diesen Arbeiten arbeiten. Was soll ich also tun, außer zu versuchen, es zu ignorieren. Wie gesagt, leichter gesagt, als getan. Denn man denkt nun einmal an rosa Elefanten, wenn man davon hört. Auch wenn man versucht, es nicht zu tun. Solange also meine Gedanken um das Piepen in meinen Ohren kreisen, werde ich daran denken. Ob ich es will oder nicht. Und der Stress bleibt oder wird schlimmer oder was weiß ich. Dabei versuche ich, mich zumindest etwas zu entspannen. Irgendwie dagegen zu wirken. Ich weiß nur nicht, was genau ich machen soll. Denn immer wieder erwische ich mich dabei, darauf zu horchen, ob die zusätzlichen Geräusche noch da sind. Das ist der "Vorteil" an meinem Tinnitus. Der ist definitiv da. Und aktuell auch so laut, dass ich es nicht vergesse. Aber alles andere. Warum sollte ich versuchen, darauf zu achten, ob es wirklich weg ist? Warum nehme ich es nicht dankend an, dass ich es gerade nicht höre; unabhängig davon, ob es wiederkommt?
Ich denke an "rosa Elefanten". Und hindere mich selbst am Einschlafen.
Ich denke an "rosa Elefanten" und stresse mich zusätzlich.
Ein Teufelskreis an Ohrgeräuschen.
Ich dachte, vielleicht wäre es gut für mich, mir das alles von der Seele zu schreiben. Vielleicht würde es mir helfen, meine Gedanken daran loszulassen. Nicht so sehr darauf zu achten. Aber jetzt gerade hat es eher gegenteilige Ergebnisse. Denn natürlich denke ich darüber nach. Natürlich versuche ich auf zusätzliche Geräusche zu hören. Natürlich bin ich nicht entspannt.
Ich ärgere mich trotzdem nicht, dass ich es versucht habe. Vielleicht zeigt sich die positive Wirkung ja erst später. Vielleicht liest es irgendjemand und fühlt sich verstanden und ich habe vielleicht nicht mir, aber irgendjemandem sonst geholfen. Ich weiß es nicht. Und Unwissenheit ist schlimm für Stress. Zumindest für meinen Stress. Ich wüsste gerne, wie diese Geschichte ausgeht. Oder zumindest wie das nächste Kapitel endet. Aber so funktioniert das Leben nicht. Und anders als meine eigenen Geschichten, muss ich diese definitiv erst schreiben, um ihren Verlauf zu kennen. Und manchmal ist das einfach beängstigend. Und Stress induzierend. Aber ich hoffe, dass ich bald einen Punkt erreiche, in dem ich eine Idee von der Handlung bekomme und den nächsten Seiten freudig entgegenblicken kann. Auch wenn ich dafür noch etwas arbeiten und mich durch diese Zeit schlagen muss.
Ich habe es vor zwei Jahren geschafft, meinen Bachelor zu machen. Das hier schaffe ich auch.

Kommentare 2
Ulti
Ich hatte mal akuten Tinnitus - damit leben zu müssen, stelle ich mir jenseits von beängstigend vor. Viel Kraft und Ausdauer damit, hoffentlich wird es besser ✊
Schabenfreude
Weiß nicht, ob du überhaupt einen Kommentar dazu haben möchtest - zumal das folgende auch eigentliche etwas recht "offensichtliches" ist(wenn man denn auch dran denkt, wenns dann mal nützlich sein könnte, ist ja auch so ne Sache..):
Einen starken Tinnitus habe ich nicht, daher kann ich kaum 1 zu 1 nachempfinden, wie das wohl ist, aber zumindest gegen "intrusive/s" Gedanken/Grübeln(innere Stimme ist das dann halt bei mir im Kopf) hilft mir manchmal(leider auch nicht immer) Lo-Fi Musik über meine Bluetooth Box anzumachen oder aber irgendetwas, wo gesprochen wird(je seichter desto angenehmer für mich, je nach Phase) - sprich egal ob Horbüch, ne Doku, ne Serie/Anime, n Film, Vorlesung... Irgendwas halt.
Mit manchen mobilen Browsern lässt sich auch ohne Premium Abo zb die Tastensperre einschalten und Videos auf Youtube(per mobiler website dann, nicht über die youtube-app) oder sonst wo laufen dann akustisch trotzdem weiter, was ganz praktisch ist, wenn man die Augen auch zuhaben möchte ohne vlt vom Displaylicht gestört zu werden bzw sich um evtl längeres "brennen" des Displays sorgen zu müssen.
Serien usw die ich bereits gesehen habe benötigen dann auch nicht so viel Konzentration, da Inhalt bekannt ist.
Teilweise kann man ja auch Websites mit Text To Speech vorlesen lassen, heißt da wäre ebenfalls noch etwas, aus dem sich Beschallung erzeugen lassen könnte(klingt nur je nach website aufbau halt evtl etwas unerwartet wenn auf einmal ein technisches Element auf der website vorgelesen wird vor oder zwischen den eigentlichen Textpassagen).
Jenachdem, wie penetrant die Lautstärke vom Grübeln her ist, klappts leider auch nicht in 100% der Fälle.
Im worst case stolpert vielleicht in ZukunftTM jemand anderes über den Input und probiert es mal aus, das ist jetzt grad so mit ein Grund, weswegen ich dachte, ich schreibs einfach mal nieder, man weiß ja nie.
Wünsche dir in jedem Fall viel Erfolg im Meistern mit dem Umgang der Sache.
Grüße.