Wenn man nichts zu sagen hat

Manchmal beschleicht mich in einer Stunde der Stille ein ganz spezielles Gefühl. Es ist gar weniger ein tatsächliches Gefühl, sondern viel eher das Aufkeimen eines ebensolchen. Die Anbahnung einer Gemütslage, deren Auslöser bekannt und gleichermaßen unterbewusst scheint. Was daraus resultiert? Nun, die Möglichkeiten hier sind gar mannigfaltig: ein Lächeln, das einen beschleicht, wo doch nichts Amüsantes geschehen ist, feuchte Augen, wo Sorge und Trauer keinen Gedanken belasten.


Dieses Ungefühl steht jedoch selbst bloß für den Anfang etwas Größeren und das macht nachdenklich. Doch worüber? Schwer zu sagen, versuche ich doch mit ebendiesen Zeilen, um eine Antwort oder keine zu finden, den mir nur zu vertrauten Umstand zu beschreiben. Er wirkt sich seltsam bedeutungsschwanger. So sehr, dass ich diesen seit nunmehr drei Jahren ungenutzten Blog mit neuem Inhalt fülle, denn offenbar ist mir dieses seltsame Aufkommen in meinem Inneren zu schade, um bloß wieder so zu verblassen, wie es nun als sanfter Nebel meiner Nerven erschienen war.


Eigentlich wollte ich gar nicht beschreiben, was in mir vorgeht, nein, es ging viel eher darum, überhaupt etwas zu schreiben, um das Mitteilungsbedürfnis zu stillen, welches einzig und allein von dieser seltsamen Eingebung befeuert wird, dass ebendiese Eingebung auch der Biodiesel im Verbrenner meiner literarischen Ader stellt. Es ist das Verlangen, etwas zu schaffen in einer Welt, die vom Konsum geprägt ist. Dieser nicht als pseudotiefsinnige Plattitüde konzipierte Satz soll dabei nicht einmal kritisieren, sondern schlichtweg feststellen, zu welch drögem Zustand einen diese einseitige Beziehung zur Schöpfung hinführt, wenn man sie denn einseitig bleiben lässt. In just diesem Augenblick möchte ich schaffen. Nichts Besonderes, nichts von beständigem Interesse, nicht mehr als eine flüchtige Anekdote, ein Grundschulessay im Laufe der gesamten Bildungslaufbahn, doch sehr wohl real und unvergessen, auch wenn sich bald schon niemand mehr an diese Zeilen erinnern wird. Doch dafür ist das Medium Internet da: gleichermaßen als Verleger und Konservator.


Ich könnte diesen Schwall der Schaffenswut freilich besser nutzen, wobei „besser“ schon wieder zu Gedanken führt, die hier gar nicht hingehören. Bevor ich nun abschweife, beende ich dieses kurze Kapitel meiner nächtlichen Gedanken. Mögen sich jedwede künftige Konsumenten a.G. hieran erfreuen oder davon absehen.



Hochachtungsvoll


Ihre Jacqueline