Was für ein Pokémon bist du? #22: Flunkifer

Es ist wieder Zeit für unsere Pokémon-Kolumne Was für ein Pokémon bist du? Diese Frage stellt unser Pokémon-Forscher @Wenlok Holmes an jedem zweiten Donnerstag und nimmt für euch eines der zahlreichen Taschenmonster unter die Lupe. Klickt auf Weiterlesen und entdeckt mit ihm gemeinsam Aktuelles und Vergangenes, Lehrreiches und Kurioses aus 20 Jahren Pokémon-Geschichte. Seinen Bericht gibt es für euch als Text und Video. Ihr habt außerdem die Möglichkeit, anschließend eure Ansichten, Meinungen und Kommentare im BisaBoard zu hinterlassen.




Hallo und herzlich willkommen zur 22. Ausgabe von Was für ein Pokémon bist du? Mit Sonnkern haben wir beim letzten Mal ein Pokémon behandelt, dessen schlechte Statuswerte es – mindestens bei mir – ziemlich unpopulär gemacht haben. Heute drehen wir das Ganze um und betrachten ein Taschenmonster, das es trotz schlechter Statuswerte zu hoher Beliebtheit gebracht hat. Aus der dritten Generation präsentiere ich euch:



#303 Flunkifer


Bei diesem Stahl/Fee-Pokémon kann man sich schonmal fragen, wo eigentlich vorne und wo hinten ist; schließlich scheint es ja Gesichter auf beiden Seiten zu haben – oder mindestens Münder: den kleinen, putzigen auf der einen und den großen, schwarzen mit den spitzen Zähnen auf der anderen. „Vorne“ ist dabei eigentlich da, wo auch die Augen sind, doch wer Flunkifer mal im Kampf gesehen hat, wird nun wissen, dass es stets mit dem Rücken zum Gegner steht. Gekämpft wird nämlich mit dem großen venusfliegenfallenartigen Schnapper am Hinterkopf. Während Flunkifer „vornerum“ mit seinem niedlichen Gesicht Unterwürfigkeit vortäuscht und den Gegner in Sicherheit wiegt, packt das hintere Maul mit seinem Greifer zu, der so stark ist, dass er sogar Eisen zermalmen kann. Erst wird also geflunkert und dann kommt der Kiefer zum Einsatz – daher der Name. Da ist es ganz passend, dass das Schwindler-Pokémon mit der sechsten Generation den Feen-Typ hinzubekommen hat, dessen Vertreter ihre Niedlichkeit ja ganz gerne dazu ausnutzen, mit anderen Schabernack zu treiben.


Seine Inspiration bezieht dieses Design, wie so oft, aus der japanischen Mythologie: Die Futakuchi-onna, die sogenannte „Zweimund-Frau“, ist eine verfluchte Dame, an deren Hinterkopf ein verborgener, dämonischer Zweitmund haust. Immerzu laut schreiend verlangt der nach Essen, so dass sie aus ihren Haaren Schlangen formt, die dann Mahlzeiten vom Teller an den Dämon heranreichen. Bei Flunkifers Schnappmaul handelt es sich nun nicht um Schlangen, sondern eigentlich um zwei umgewandelte Stahlhörner, doch der Bezug zur japanischen Kultur zeigt sich neben der allgemeinen Designidee auch in seinem Fell, das an den Beinen dem traditionell japanischen Hosenrock, dem Hakama ähnelt.


Natürlich nutzt Flunkifer sein riesiges Mundwerk auch für seine Attacken: Nicht nur erlernt es Angriffe wie Klammer oder Knirscher, das Pokémon war in der dritten Generation auch schon eines der ersten, die diese Attacken-Kombo um Horter herum erlernen konnten. So ein großes Maul will eben auch gestopft werden.
Das gilt im Übrigen auch im Sammelkartenspiel, wo Flunkifer unter anderem Attacken wie „Abbeißen“ beherrscht oder auch den „Mächtigen Mampfer“, mit dem es sich sogar heilen kann.


Über lange Zeit jedoch hatte Flunkifer das Problem, dass es aus seinen Attacken einfach nicht viel machen konnte. Mit einer Basiswertsumme von nur 380 fehlte dem Pokémon nämlich schlichtweg leider – Achtung, Flachwitz! – der Biss *badum-tss*. Sein niedliches Design hatte Flunkifer zwar eine Menge Fans beschert, die das Taschenmonster gerne einsetzen wollten, das aber nicht so recht konnten. Und so fingen sie an, auf DeviantArt und Konsorten seitenweise Galerien mit Wunschvorstellungen für eine Flunkifer-Entwicklung zu füllen. Darauf konnten die Fans lange warten, aber immerhin nicht vergebens: Mit der sechsten Generation kamen endlich die Mega-Entwicklungen, mit denen nicht nur extrem beliebte Pokémon verstärkt wurden, sondern die gleichzeitig auch zur Reparatur solcher dienten, die bis dahin leider wenig brauchbar waren. Darunter eben auch Flunkifer, das mit Mega-Flunkifer endlich Statuswerte erhielt, für die es sich nicht zu verstecken brauchte.
Eine erfreuliche Entwicklung, die ich aber als Anlass nutzen möchte, noch einmal auf eine größere Problematik im Design der Spiele hinzuweisen: Nachdem ich mich in unserer letzten Ausgabe ausgiebig über Sonnkerns Schwäche und Nutzlosigkeit ausgelassen habe, fragte mich nämlich jemand „Ja und? Was ist denn das Problem, wenn manche Pokémon halt schwach sind?“ – und das will ich euch gerne sagen: Es gibt 800 Pokémon, aber benutzt werden davon am Ende gefühlt nur so 30, weil der Rest einfach nicht gut genug ist. Da kann man sich schon fragen: Wozu gibt es die 770 anderen dann überhaupt? Es kostet Game Freak schließlich jedes Mal Zeit und Ressourcen, diese Viecher mit jeder weiteren Spielgeneration aufs Neue zu konzipieren – das könnte man sich dann ja auch einfach schenken. Doch natürlich ist klar, dass jetzt keine Pokémon nachträglich aus dem Dex gestrichen werden sollten (auch wenn ich bei Baldorfish immer noch ziemlich sicher bin, dass das den Leuten erst drei Monate nach Release auffallen würde …). Stattdessen wäre es doch eigentlich mal schön, noch viel mehr davon zu reparieren als bisher – bei Flunkifer hat das doch auch geklappt!


Zum Schluss gibt es heute mal wieder etwas aus dem Anime: Und zwar hatte Flunkifer seinen ersten Auftritt während Ashs Hoenn-Reise in der Episode Was sich liebt, das neckt sich! Dort verliebt sich ein Exemplar in Rockos Lombrero, welches die Gefühle jedoch – ganz zum Unverständnis seines liebestollen Trainers – nicht erwidert. Erst mit der Entwicklung zum lebensfrohen Kappalores entwickelt sich auch dessen Zuneigung für das kleine gelbe Pokémon. Doch wie gewonnen, so zerronnen, denn Kappalores ist – ganz zu meinem Unverständnis – einfach nicht mehr Flunkifers Typ. Sieht so aus als hätten Rockos Pokémon in der Liebe wohl einfach genau so wenig Glück wie er selbst.




So und das war’s mal wieder? Wie findet ihr Flunkifer? Haben einige von euch Mega-Funkifer vielleicht im Team? Und fallen euch mehr Pokémon ein, die ihr wirklich gerne mal „repariert“ sehen würdet? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!


Denk außerdem daran, dass heute noch die letzte Gelegenheit besteht, Pokémon für den Vote zum unbeliebtesten Pokémon des BisaBoards zu nominieren. Weitere infos findet ihr im BisaBoard.


Information in eigener Sache: Ich erinnere außerdem noch einmal daran, dass wir einen neuen Video-Mitarbeiter als langfristigen Ersatz für Nexy suchen. Alle Informationen dazu findet ihr hier. Interessenten können sich sehr gerne per PN bei mir melden.


Macht’s gut und bis bald,
euer Wenlok




Was für ein Pokémon bist du? wird euch vom YouTube-Team im Rahmen der Bisatainment-Aktionen präsentiert.


Audio: Wenlok Holmes
Aufnahme / Material: Wenlok Holmes & @Nexy
Schnitt: @Nexy
Text: Wenlok Holmes

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