Was für ein Pokémon bist du? #29: Kikugi

Wir möchten euch darauf hinweisen, dass wir unsere Datenschutzbestimmungen aktualisiert haben. Lest euch unsere neuen Bestimmungen hier durch.

Unser Pokémon-Blog „Was für ein Pokémon bist du?“ ist für eine zweite Staffel zurückgekehrt! Von nun an stellt sich unser Pokémon-Forscher Wenlok Holmes diese Frage an jedem vierten Sonntag und nimmt für euch eines der zahlreichen Taschenmonster unter die Lupe. Klickt auf „Weiterlesen“ und entdeckt mit ihm gemeinsam Aktuelles und Vergangenes, Lehrreiches und Kurioses aus 20 Jahren Pokémon-Geschichte. Seinen Bericht gibt es für euch als Text und Video. Ihr habt außerdem die Möglichkeit, anschließend eure Ansichten, Meinungen und Kommentare im BisaBoard zu hinterlassen.




Liebe Bisafans,


der Einfluss japanischer Kultur ist aus den Pokémon-Spielen kaum wegzudenken. Wie oft habe ich euch schon von einem japanischen Brauch oder einem Fabelwesen berichtet? Bei WaPo gehört das ja schon fast zur Tradition. Deshalb möchte ich heute ein japanisches Volksfest, das sogenannte Hanami, welches aktuell gefeiert wird, zum Aufhänger machen. Was genau das ist und worum es da geht, das erfahrt ihr sogleich. Doch zuerst heißt es: Es ist Obst im Haus – aus der vierten Generation präsentiere ich euch:



#420 Kikugi

Diese zwei kleinen Kirschkugeln vom Typ Pflanze waren früher oft in Bäumen anzutreffen. Einige von euch erinnern sich vielleicht, dass es da in Gen.4 so eine Spielmechanik gab: Gewächse, aus denen man die Pokémon entweder mit einer gezielten Kopfnuss herausschütteln konnte, oder die sich alternativ mit Honig einkleistern ließen, um wilde Taschenmonster anzulocken. So ließen sich unter anderem Wadribie, Tannza oder mit etwas Glück eben auch das rosarote Kikugi fangen.


Neben sammelwütigen Trainern lauern der kleinen Kirsche aber auch noch weitere Gefahren der Wildnis auf: So zum Beispiel Staralili, das es auf das kleinere der beiden Bällchen Kikugis abgesehen hat (ihr wisst schon, das, was so ein bisschen zugedröhnt dreinblickt). Dieses ist nämlich randvoll mit Nährstoffen und steht daher bevorzugt auf der Nahrungsliste des kleinen, graubraunen Vogels, der dann oft und gerne nach seiner Beute pickt.


Wenn Kikugi sich entwickelt, ist das brutal, grausam und biologisch nicht sinnvoll


Und selbst wenn das kleine Kügelchen nun also die Angriffe der Trainer und Pokémon überlebt – spätestens auf Level 25 ist es dran. Da wendet sich nämlich die größere Kirsche gegen ihren kleinen Begleiter und saugt aus ihm sämtliche Nährstoffe und Lebensenergie, um die Entwicklung zu Kinoso zu vollführen (ihr wisst schon, dieses Kirschblüten-Pokémon, das seine wahre Form nur bei Sonnenschein zeigt). Anschließend steht das große Bällchen in voller Blüte, das kleine jedoch verwelkt und wird nie wieder gesehen.


Wird Kikugi also nicht von anderen Pokémon gefressen, kannibalisiert es sich irgendwann einfach selbst. Das klingt ziemlich grausam, könnte aber durchaus aus der realen Natur inspiriert worden sein: Vielleicht habt ihr schon einmal vom sogenannten Vanishing Twin Syndrome gehört. Es handelt sich dabei um das Phänomen, dass einer von zwei Zwillingen im Mutterleib stirbt und anschließend vom anderen absorbiert wird. Der Vergleich mag makaber anmuten, doch im Endeffekt passiert bei Kikugis Entwicklung nichts anderes.


Überhaupt ist diese ganze Entwicklung, wenn man mal darüber nachdenkt, kurios, brutal und vor allem biologisch eigentlich gar nicht sinnvoll. Und alle, die da noch nicht drüber nachgedacht haben, bekommen von mir mal eben schnell Bienchen und Blümchen erklärt: An so einem Kirschbaum wächst normalerweise ja eigentlich erst die Kirschblüte. Dann kommt irgendwann das Bienchen vorbei und bestäubt sie, woraufhin die Blüte (bzw. genauer der sogenannte Fruchtknoten) anschwillt und beginnt zu reifen. Und wenn er fertig ist, ist aus der Blume eine Kirsche geworden – also genau andersherum als in der Pokéwelt.


Kikugi und die japanische Kultur – die Bedeutung der Kirschblüte


Die Erklärung, warum Kikugis Entwicklung „falschherum“ passiert, bringt uns zum heutigen Exkurs in das Kulturgut Japans: Dort hat die Kirschblüte nämlich eine besondere Bedeutung und gilt sogar als Nationalblume. Die Sakura (桜), wie man sie in der Landessprache nennt, wird sogar mit einem eigenen Fest, dem Hanami (花見), gefeiert. Die Tradition lässt sich bis in das Jahr 710 zurückdatieren und galt damals den Göttern des Reisanbaus.


Mit der Zeit aber hat sich die Bedeutung der Sakura verändert. Das auffällige an der Blüte ist nämlich nicht nur ihre charakteristische rosa Färbung, sondern auch ihre Kurzlebigkeit: Nach nur etwa zwei Wochen sind die Kirschbäume verblüht und die Blüten fallen herab. Die japanischen Poeten sahen darin ein Sinnbild für das menschliche Leben selbst: wunderschön, jedoch vergänglich und kurz. So wurde das Motiv der Kirschblüte über Jahrhunderte hinweg in die japanische Kultur eingeflochten und unter anderem von den stolzen Samurai aufgegriffen, die im fallenden Blütenblatt den ehrenvoll fallenden Krieger sahen.


Auch heute sind die Sakura und das Hanami noch fester Bestandteil des japanischen Lebens. Je nach Region begehen die Japaner das Kirschblütenfest von etwa März bis April. Man versammelt sich unter den zahlreichen Kirschbäumen und feiert in Gemeinschaft das Leben mit Bento (Lunchboxen) und Mochi (Reiskuchen). Es gilt, innezuhalten und sich die Schönheit unseres vergänglichen Lebens vor Augen zu führen.


Man merkt: Wo Kirschen sind, ist der Tod für Japaner also gar nicht mehr wegzudenken. Und so erklärt sich dann vielleicht auch, warum sich das kleinere der beiden Kikugi-Bällchen bei der Entwicklung so tapfer in den Tod stürzen muss.


Nicht ohne mein Kikugi! – Arenaleiterin Silvana ist großer Fan


Zurück in der Welt der Pokémon gibt es übrigens eine Trainerin, die ohne Kikugi quasi gar nicht aus dem Haus geht: Silvana, die Pflanzen-Arenaleiterin aus Sinnoh. Ihr eigentliches Signatur-Pokémon ist zwar Roserade, doch in jedem ihrer Teams befindet sich auch ein Kikugi oder Kinoso. Im Anime setzt sie es in der Episode Verrückt nach Pflanzen-Pokémon! auch beim inoffiziellen Arenakampf gegen Ash ein – Kikugis erster Auftritt dort. Zwei Staffeln später in der Folge Ein süßes Drama! begegnen Ash und seine Begleiter einem weiteren, besonders niedlichen Exemplar. Es gehört einer Trainerin namens Marilyn, die sich vor allem auf putzige Pokémon spezialisiert hat. Diese rufen allerdings auch Team Rocket auf den Plan, die das Kikugi für ihren Boss Giovanni stehlen wollen. Laut Mauzis Logik wäre der Chef von Team Rocket seinen Untergebenen nämlich unendlich dankbar, wenn er ein derart süßes Pokémon Tag für Tag an seiner Seite hätte. Da bleibt mir eigentlich nur noch zu fragen, wie ihr das so seht.




Denn das war es mal wieder! Wie findet ihr Kikugi? Hat jemand Kinoso mit im Team? Und wenn ja, wie geht ihr mit seiner besonderen Fähigkeit um? Und was sind eure Gedanken zum Thema Kirschblüten? Hat irgendwer aus dem FF-Bereich Lust auf Spontan-Haikus? Ich freue mich wie immer auf eure Kommentare!


… übrigens: Nachdem ich euch so viel über Kirschblüten aus dem fernen Japan erzählt habe, möchte ich noch kurz die Gelegenheit nutzen, euch Kirschblüten vor meiner eigenen Haustür zu zeigen. Im schönen Bochum gibt es nämlich diese hier zu bestaunen und ich habe mir sagen lassen, dass Fototouristen von überall herkommen, um den Anblick der Grummer Straße festzuhalten. Vielleicht wäre das ja auch für euch mal einen Ausflug wert!


Euer Wenlok!



Podcast


Diese Episode ist auch als Podcast verfügbar. Hier geht es zum Download!




Was für ein Pokémon bist du? wird euch vom YouTube-Team im Rahmen der Bisatainment-Aktionen präsentiert.


Audio: Wenlok Holmes
Aufnahme / Material: Wenlok Holmes & @blechkitti
Schnitt: @blechkitti
Text: Wenlok Holmes

Weiterführende Links