Flameheart Ass-Trainer

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  • Hab mal nachgedacht und nachgerechnet. Müsstest du nicht inzwischen fertig mit dem Abi sein und iwas studieren? Würde mich echt interessieren, wie es für dich in den letzten Jahren/Monaten gelaufen ist. Meld dich doch mal wieder, ich würde mich freuen!
    LG von Alina alias Jewel :)

    • Ahoi,


      Das nenn ich mal ne Überraschung o: Hi^^
      Ja, richtig gerechnet, Abi ist seit zwei Jahren zum Glück. Ein Teil von mir würde es gerne nochmal machen x) Hach, Schule... xd Momentan studier ich im dritten Semester und steck mitten in der Prüfungsphase, wie tausend andere Leute wohl gerade auch :D Immer dasselbe.
      Wie geht's dir? Schön, dass du mal wieder reinschaust :)


      LG

    • Wow, du studierst schon im dritten Semester?
      Wahnsinn... und ich hänge *immer noch* in der Oberstufe fest... 11. Klasse, lauter 16- und 17-jährige, unter denen ich mich mit meinen inzwischen 19 Jahren manchmal ziemlich alt fühle, lach. :D
      Was studierst du denn?
      Ich bin jedenfalls im Ästhetik-Profil und habe da so mehr oder weniger meinen Spaß xD
      Danach geht's in die Ausbildung mit mir, mach auch nur Fach-Abi. Solltest du jemals nach mir suchen, du findest mich nach 2019 bestimmt in irgendeiner großen Buchhandlung ^^

  • ccoool*-* LucaxLugia
    ... miharu gefällt das nicht (so) xd

  • Falls du das jemals sehen solltest: Alles Gute zum Geburtstag :)

    • Dankeschön! :D Nett, dass du dran gedacht hast, und das obwohl ich so lange abwesend war^^
      Wie geht's dir? Du hast ja schon wieder dein Profilbild geändert :D Mist, ich hab bestimmt ein paar verpasst zwischen diesem und dem letzten, das ich kannte...

    • Langsame Antwort ist langsam x.x verzeihung, meine Motivation hier im BB ist in letzter Zeit... spärlich to say the least.
      Aber sonst geht's mir ganz okay und dir? ^^ So viele Avatare waren das zwischendurch gar nicht, glaube ich... könnte eigentlich auch mal wieder wechseln, aber hab irgendwie keine Inspiration ^^;

    • Hi Wenlok,


      Ach, mach dir keinen Kopf deswegen, zumindest nicht meinetwegen. Ich bevorzuge einen lockeren Umgang, und dazu gehören halt auch mal längere Pausen. Letztendlich ist das BB ein Hobby, so sehe ich das zumindest, und man sollte sich nicht zwingen, dem nachzugehen. Ich hoffe nur, es gab keinen konkreten Anlass, der dich demotiviert hat? :/
      Danke, mir geht's auch gut :) Bin wieder am Lernen, weil ich zum nächsten Semester hin noch eine Prüfung nachschreiben muss, aber ansonsten genieße ich meine Ferien.
      Naja, einen neuen Avatar zu finden ist ja auch nicht so ganz einfach, finde ich zumindest. Die Begrenzungen für die Bildgröße sind ganz schön klein... gut, größere Bilder werden automatisch verkleinert, das ist ganz nett, aber meistens erkennt man dann nicht mehr so gut, was drauf ist oder es werden nur Ausschnitte genommen, die einfach nicht ausreichen. Oder ich hab einfach zu viele zu große Bilder, ich weiß es nicht xd


      Nun hab ich ja auch ein paar Tage zum Antworten gebraucht, spätestens daran solltest du also sehen, dass das kein Problem ist^.^ Ich freu mich jedenfalls immer, von dir zu hören - egal wann :)
      LG
      Flameheart

    • Ja das mit der Bildgröße kenne ich nur zu gut. Mal schauen, wie mir dieser Avatar jetzt gefällt... bzw. wie lange, gefallen tut er mir grundsätzlich ja xD ist irgendwie immer eine Frage der Identifikation damit (und den jetzt hab ich etwas aus verlegenheit genommen)
      hast du schon wieder ferien oder immer noch? :thinking: auf jeden Fall gutes Genießen! xD

    • Du bist aber früh wach gewesen o: Oder spät schlafen? :P  
      Wer ist denn dein Verlegenheits-Ava? Der Joker? Das ist die einzige Figur, die ich kenne, die ihm ein bisschen ähnlich sieht, aber wahrscheinlich lieg ich daneben.
      Noch, ich hab noch Ferien. Das wär ja ein echt kurzes Semester sonst Oo Den Lernstress, der damit verbunden wäre, will ich mir gar nicht vorstellen. Aber stimmt schon, die Semesterferien vor dem Sommersemester sind deutlich kürzer als die jetzt, vor dem neuen Wintersemester. Wieso verteilen die das eigentlich so? Wegen den Erstsemestern, die im selben Jahr ihr Abi gemacht haben?
      Danke jedenfalls :D Tu ich. Wie schauts bei dir aus? Auch Ferien? Wohl eher nicht, wenn du nicht sicher bist, ob jetzt gerade welche sind.
      LG

  • huhu, hast du heute zeit/ lust, über irgendwas zu reden?

    • Nein, heute kann ich nicht. Gibt es denn etwas, worüber du reden willst?

    • nein, gibt es nicht. ich wollte nur fragen.

    • Gute Nacht und Schlaf schön^^

    • Gute Nacht^^

    • " 'Yuki wach auf! Ich-Wir brauchen dich doch.' sprach Luca Ihm zu."
      Da ich dieses "Ich... wir brauchen dich doch" nur in dem einen Zusammenhang kenne, war diese Stelle in meiner Vorstellung lustiger, als sie sein sollte xD Allerdings stammt er aus einer Uraboku-ff, daher hätte ich sie so oder so nicht ernst genommen...
      (Allerdings - Hut ab. Der Cliffhänger wäre sogar spannend...wenn es nicht bloß um eine Platzwunde gehen würde)

  • „In Ordnung. Wenn Sie diese Objekte nach und nach im jetzigem Tempo weiterleiten, wäre das nicht verdächtig. Wir könnten die Schutz gewährleisten, indem wir unsere Agenten die Leute kurzzeitig aus dem Gebäude bringen lassen oder sie gegen Agenten eintauschen lassen, die typische Einbrecheropfer mimen, sich aber trotzdem gegen den Angriff wehren, beziehungsweise fliehen und die Polizei alarmieren. Den Part mit der Polizei allerdings nur, wenn wir sicherstellen können, dass eines der höheren Mitglieder dabei ist.“ Miharu nickte, als Zeichen, dass sie verstanden hatte. Die Idee war gut und würde ihr persönlich etwas mehr Spielraum geben, außerdem wäre es bestimmt irgendwann auch verdächtig, wenn alle Raubzüge des Team Rockets uneingeschränkt funktionieren und ohne Todesopfer von statten gingen. Hoffentlich würde sich am letzten Punkt auch nichts ändern...
    Das Gespräch verlief sich schließlich in weiteren, kleineren Maßnahmen, in den Treffen, die vielleicht hier in der Agentur mit allen stattfinden würden, vielleicht aber auch in der Firma oder an einem ganz anderen Ort, sodass es eben niemandem auffiel. Sie überlegten weitere Notfallpläne, regelten die Sache mit den Finanzen, bei denen Miharu Daichi versichert hatte, dass ihr Vermögen locker für die Durchführung eines solchen Planes ausreichen würde. Dabei drifteten Miharus Gedanken allerdings immer weiter aus dem Gespräch ab, eine ganz bestimmte Person tauchte darin immer wieder auf und ließ sich nicht mehr zurückdrängen, wie das Grün in ihren Augen. Sie erschrak fast ein wenig, verbarg dies allerdings schnell wieder, als Daichi sie bat, ihr in den Raum V3 zu folgen, in dem wohl die Besprechung mit dem restlichen Team stattfinden würde. Den Agenten, die sie bis vor kurzem noch ausspioniert hatten. Ob auch Luca da sein würde? Er war immerhin derjenige, der sie am besten kannte, sogar ihre Wohnung. Vor allem war er derjenige, mit dem sie am liebsten zusammenarbeiten würde. Am liebsten nur mit ihm. Kurz bekam sie keine Luft mehr, als die Gewissheit sie ergriff, dass Luca mit ihr wohl am wenigsten arbeiten würde wollen. Sie hatte dreckig gelogen, als sie Daichi gesagt hatte, sie hätte sich im Griff. Nur ein Blick in die Augen des schweigsamen Agenten verriet schon, wie unglaublich weh ihm das tat. Am liebsten hätte sie allen Schmerz aus seinem Körper herausgeküsst, hätte ihn wieder so berührt wie in der einen Nacht. Sie hatte noch nie solche Zärtlichkeiten gespürt, die so ernst gemeint, so tiefe Spuren auf ihrem Körper hinterlassen haben. Und doch hatte sie ihn einfach so schwer verletzt. Es fiel ihr schwerer, neben Takashiro durch die Gänge der Agentur zu laufen, wenn sie an ihn dachte. Eben war noch alles so leicht gewesen. Shiro und Johnson liefen hinter ihr her, zumindest versuchte sich Shiro hinter ihnen zu halten, immerhin hatte Daichi eben verlauten lassen, dass auch die junge Frau mit den hellbraunen Locken und den hellblauen Augen, Ann hieß sie, in dem Team war, mit dem sie nun alles weitere planen und ausführen würden. Wenigstens war einer von ihnen glücklich verliebt. Miharu stolperte über ihre eigenen Gedanken, hatte jedoch keine Zeit, weiter darüber nachzudenken, da sich vor ihr der Versammlungsraum auftat. Sie erkannte vier Personen, zwei davon kannte sie, keine von den Vieren war Luca. Neben ihr räusperte sich Daichi, sodass die Agenten, die bis eben noch an ihren Schreibtischen gesessen hatten, sich zu ihm bewegten. Miharu musste grinsen, wenn sie an Zyrus' Erzählungen dachte, ihm wären alle schon entgegen gekommen, wenn er nur die Tür aufgemacht hätte, doch sie verwandelte es jetzt lieber in ein freundliches Lächeln, das zumindest von Ann erwidert wurde.


    „Also Frau Yagami. Das sind die Agenten, die vorrangig mit Nachtara zusammenarbeiten werden“, begann Daichi die Vorstellungsrunde, auf sie zu kam ein Junger Mann, ungefähr 25, mit dunkelbraunem Haar und einem ähnlich festem Handschlag, wie sie es von Johnson gewohnt war, außerdem war sein Platz als einziger mit einem Standcomputer ausgerüstet, ein Zeichen dafür, dass sie nun den Computerspezialisten vor sich hatte.
    „Miharu, freut mich“, sprach die junge Unternehmensleiterin und erwiderte den Händedruck ebenso fest, ein kleines Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
    „Miki, nettes Sicherheitssystem haben Sie da auf Ihren Rechnern.“ Auch auf ihren Lippen lag nun ein Lächeln.
    „Danke, aber Sie scheinen auch sehr talentiert im Umgang mit Technik zu sein.“ Sein Lächelnd verwandelte sich vor Miharus Augen in einen überraschten Gesichtsausdruck.
    „Naja, wenn man nach einem Hackerangriff den Hacker nicht zurückverfolgen kann, dann muss derjenige ein gewisses Talent dafür haben“, erklärte Miharu ihre Aussage und konnte betrachten, wie ihr Gegenüber ihr freundlich zunickte, bevor er sich an Shiro wandte. Sie sagte Ann und Leon, dass sie sich auf die Zusammenarbeit freute und betrachtete erstaunt, wie Shiro beide Hände nahm und Anns in seine einschloss, bevor er die leichte Unsicherheit in Ihrem Blick sah und sich schnell wieder zurückzog. Abgelenkt wurde sie hingegen von einem Mann, der sich ihr als Jan vorstellte und dabei nur mürrisch mit dem Kopf nickte. Anscheinend waren nur drei von vier Leuten einer Kooperation zumindest neutral eingestellt, überlegte Miharu, als Daichi fragte, wo sich Luca befand. Drei von Fünf. Ihr Herz fühlte sich wieder an wie ein Eisklumpen, der plötzlich in ihrem Magen landete und ihr schlecht werden ließ. Würde er vielleicht sogar um Versetzung aus dem Fall bitten? Sie könnte es nachvollziehen. Sie hatte genau das getan, was andere jahrelang mit ihren Eltern gemacht hatten, hatte ihn einfach auf seine Rolle als Rocket Rüpel festgesetzt, selbst als ihr Gefühl ihr gesagt hatte, dass es gut war.
    Während Ann losgeschickt wurde, um Luca aus der Trainingshalle abzuholen und sich sämtliche Personen in etwas entspanntere Haltungen begaben, Johnson versuchte aus Miki heraus zu bekommen, wie er ihr System geknackt hatte, Shiro starrte durch die geschlossene Tür Ann nach, Jan sah Shiro noch böser an, als vorhin sie, lehnte sich Miharu gegen den einzigen schwarzen Schreibtisch, der ein wenig in der Ecke stand, abseits von denen der restlichen Teammitglieder. Er sah unbenutzt aus, eine Staubschicht lag auf dem Laptop und auf dem Rest, ließ ihm im dunklen Licht fast etwas schimmern. Sie lehnte sich dagegen und dachte weiter über Luca nach. Konnte es für das, was sie getan hatte, überhaupt eine Entschuldigung geben, die ernst klang? Die er annehmen würde? Um ihre verkrampften Hände zu verstecken, verschränkte sie sie vor ihrer Brust, ihr Blick war nach unten gerichtet, das Bild von Luca vor sich. Ein Bild, das sie wohl nie wieder sehen würde.

    • Gedankenversunken kniete Luca in der leeren Trainingshalle und strich seinem Wolf über die Kehle, spürte eine feine Vibration unter dem grauen Fell. Magnayen hatte die Augen geschlossen und ließ den Kopf schwer in seiner Hand liegen. Luca lächelte vage. Dass Magnayen so entspannt war, beruhigte auch ihn, lenkte ihn von dem Schmerz ab, der immer noch in seiner rechten Hand pochte, wenn auch schwächer als in der Nacht zuvor. Doch vor allem lenkte es ihn von den Gedanken an Miharu ab. Miharu...
      Er hatte es doch nicht lassen können, sie anzusehen, wenigstens einen Moment lang. Ihre wunderschönen, tiefgrünen Augen unter den feinen Wimpern, ihre dunklen, sanft gebogenen Brauen, ihre Stirn unter dem blauen Haar. Ihre hellen Wangen und ihre Lippen, ihre Küsse, mit denen sie ihn alles vergessen ließ. Miharu, die glaubte, dass sie für ihn nur eine Belohnung war.
      Er zuckte zusammen, als ihre Stimme wieder einmal durch seine Gedanken schnitt, seine Finger in Magnayens Fell erstarrten und verkrampften sich, dass der Wolf verärgert den Kopf zurückzog. Wie sehr sie es bereuen musste, sich auf ihn eingelassen zu haben, jetzt, da sie wusste, wo er herkam. Aber sie war keine Belohnung für ihn, niemals, sie... war ein einziges Wunder. War es jeden Moment gewesen, in dem er sie hatte berühren dürfen. Sie war viel zu gut für ihn, als dass er ihr jemals so nahe hätte kommen dürfen. Auch wenn er nie das getan hatte, was sie glaubte. Aber was machte das für einen Unterschied? Es war ihm einfach verboten gewesen. Vielleicht hatte er auch zu viel gehasst, um etwas wie Verlangen empfinden zu können. Aber wenn er ein normaler Rüpel gewesen wäre...hätte er dann dasselbe getan? Wo lag der Unterschied zwischen ihm und den anderen Mitgliedern des Team Rockets? Er hatte genauso gestohlen, gemordet, gefoltert, keine Achtung vor dem Leben gehabt und hatte es immer noch nicht. Er hatte es nur einfach nicht freiwillig gemacht. Er hatte Lance gehasst und ihm trotzdem gehorcht. Und im Grunde machte ihn das doch schlimmer als alle anderen, oder?
      Abwesend berührte seine Hand Magnayens Nacken, fuhr über seine Schultern und über seinen Rücken. Um die Narben herum war sein Fell nicht schwarz, sondern weiß nachgewachsen und bildete nun ein seltsames Muster um die kahlen Stellen. Eine Welle von Bitterkeit und Hass durchbrach für einen Moment die Gedanken an Miharu, als er an all das Blut und Magnayens Schmerz dachte, der eigentlich der seine hätte sein sollen. Nicht einmal seinen Wolf hatte er wirklich schützen können.
      Die plötzliche Bewegung, als Magnayen den Kopf hob und mit gespitzten Ohren zur Tür sah, holte ihn ein Stück weit zurück und er wandte sich um, als die Tür in seinem Rücken mit einem Klicken aufging. Einen merkwürdigen Augenblick lang dachte er, es wäre Miharu, die zu ihm kam und der Gedanke versetzte ihm einen Stich von Reue und Angst und - gegen jede Vernunft - auch einer Spur Hoffnung, doch es war nur Ann, die unsicher im Türrahmen stand. Er unterdrückte ein Knurren und erhob sich widerwillig. Es war nicht wirklich ihre Anwesenheit, die ihn nervte, eher das, was es bedeutete. Aber er war Daichi unterstellt und hatte ihn und seine Anweisungen zu respektieren.
      Ann spürte, dass sie rot wurde, als er sie ansah, obwohl er nur verschlossen und auch genervt wirkte. Manchmal sehnte sie sich danach, auf ihren Bruder zu hören und vergessen zu können, dass sie Luca völlig hoffnungslos liebte, aber jedes Mal, wenn sie sich entschlossen hatte es zu versuchen, traf sie ihn wieder und erwischte sich doch dabei, wie sie ihn ansah und hoffte, er würde zurückschauen und lächeln. Erwischte sich dabei, wie ihr Herz jedes Mal stehen blieb, wenn er sie ansprach und sich danach sehnte, ihren Namen mit seiner Stimme zu hören. Dabei wusste sie doch schon lange, dass es sinnlos war. Er sah sie nicht anders an als Leon oder Miki oder sonst jemanden in der Agentur. Wenigstens nicht so kalt wie er Jan ansah, aber mehr auch nicht. Ein ganzes Jahr lang hatte sie sich fast jeden Tag anders geschminkt, ihre Frisur verändert oder sich etwas besonders schönes angezogen, hatte sich einmal sogar die Haare gefärbt. Leon hatte sich gewundert, Miki hatte ihr freundschaftliche Komplimente gemacht, selbst Jan hatte etwas gesagt. Nur Luca nicht.
      Sie schluckte und versuchte angestrengt, diese alten Enttäuschungen beiseitezudrängen. Für wie schwach würde er sie halten, wenn sie jetzt anfing zu weinen? Sie war von allen aus dem Team doch eh schon die, die am wenigsten kämpfen konnte. Nur in Pokémonkämpfen war sie gut. Aber mit Luca konnte sie sich in nichts messen.
      "Ich...wie geht es deiner Hand, Luca?"
      Noch während sie sprach verfinsterte sich sein Gesicht und sie erstarrte unter der Kälte in seinen Augen. Ein paar Strähnen ihrer braunen Haare fielen ihr in die Augen, als sie den Blick senkte.
      "Entschuldige", murmelte sie rasch. Warum lernte sie es nie? Warum stellte sie ihm im Kopf trotzdem noch weiter Fragen, von denen sie doch genau wusste, dass er sie nie beantworten würde? Warum er ihr nicht vertraute. Warum er heute so anders wirkte als sonst, auch wenn es keinem außer ihr aufzufallen schien. Ob sie ihm helfen könnte. Und ob er wirklich nicht, nicht einmal ein klein bisschen, bemerkte, dass sie ihn mochte.
      "Was ist los?"
      Sie schämte sich, aber sie war unwillkürlich erleichtert, dass er sie ganz normal ansprach, wenigstens so gleichgültig wie immer. Irgendwie hatte sie Angst gehabt, dass sein verändertes Verhalten mit ihr zu tun hatte. Sie sah auf und strich sich verlegen die Haarsträhnen aus dem Gesicht.
      "Daichi und Frau Yagami haben ihre Besprechung beendet. Wir sollen uns im V3 einfinden."
      Als er nickte, öffnete sie die Tür ganz und stellte sich davor, um sie für ihn aufzuhalten und eigentlich, um ihn ansehen zu können, ohne dass er es merkte. Wenigstens das wollte sie tun dürfen.
      Es war ihr schon am Morgen aufgefallen, dass er keinen seiner langen Mäntel trug, sondern eine lange Jacke aus dünnem, hellgrauen Stoff, vielleicht, weil es ganz früh am Morgen geregnet hatte. Die Farbe passte zu seinen wunderschönen Augen. Und natürlich hatte sie einen hohen Kragen, über den die Spitzen seiner tiefschwarzen Haare fielen. Selbst in den fast fünf Jahren Jahren, in denen sie nun schon zusammen in einer Agentur arbeiteten, hatte sie sich nicht daran gewöhnen können, wie unglaublich anziehend er war, selbst wenn er so kalt wirkte wie jetzt. Wenn er doch nur einmal lächeln würde...wirklich lächeln. Und am liebsten für sie.
      Sie sah ihm nach, als er an ihr vorbei ging, betrachtete seinen Rücken, an den sie sich gerne gelehnt hätte, ohne zu bemerken, wie deutlich ihr Sehnsucht und Zärtlichkeit in den Augen standen. Er mochte wohl Kleidung, die einen Kragen hatte.


      Magnayen stand neben ihm, als er die Tür zum Versammlungsraum drei mit der linken Hand öffnete. Es war schon eine Weile her, seit sein Wolf das letzte Mal in diesem Raum gewesen war, aber er hatte auch schon lange nicht mehr so viel an seine Vergangenheit denken müssen wie jetzt.
      Daichi registrierte seine Anwesenheit mit einem Nicken. Er stand wie meistens in der Mitte des Raumes, sodass er jeden seiner Agenten im Blick hatte. Luca lehnte sich ein Stück weit entfernt von der Tür neben die Wand und verschränkte aus Gewohnheit die Arme locker vor der Brust. Seine rechte Hand pochte unangenehm, als er sie um seinen Oberarm legte. Jan, der falsch herum auf seinem Stuhl saß, die Arme auf der Lehne abgestützt, bedachte ihn mit einem finsteren Blick.
      "Na endlich. Hat der Herr mit der Extraeinladung also auch hergefunden."
      Er sprach gedämpft, aber Ann hatte es trotzdem gehört und sah ihn böse an.
      "Nun lass ihn doch in Ruhe", fauchte sie zurück, doch ehe der blonde Agent etwas erwidern konnte, trat Miki ihm unter dem Schreibtisch warnend gegen das Schienbein. Jan verzog trotzig das Gesicht, doch er verstummte und wandte sich mit einem abfälligen Schnauben ab. Daichi runzelte leicht die Stirn, entschied jedoch, darüber hinwegzusehen. Wenn es darauf ankam, konnten Jan und Luca trotz allem gut zusammen arbeiten, das war mehr, als er anfänglich erwartet hatte und auch wenn mit der Zeit vor allem Jans Bemerkungen immer häufiger und feindseliger geworden waren, bildeten sie doch, wenn es sein musste, eine funktionierende Einheit. Um den Zusammenhalt und eine zumindest halbwegs herrschende Harmonie kümmerten sich Miki, Leon und vor allem Ann und er war dankbar, dass die drei seine Hoffnung, Luca in ein Agententeam einfügen zu können, nicht enttäuscht hatten. Das war ein Grund, warum er dieses Team nicht mehr getrennt hatte, seit sie sich vor zwei Jahren zusammengefunden hatten.
      "Danke, Ann." Er nickte seiner jüngsten Agentin zu, die ihren Blick von Luca abwandte und ein wenig verlegen lächelte. "Ich habe Frau Yagami und ihre Mitarbeiter gerade dem Team vorgestellt, aber ihr beiden kennt sie ja schon, ihr habt also nichts verpasst."
      Er trat einen Schritt zur Seite und wies mit einer kurzen Handbewegung neben sich, wo Johnson und Shiro auf freien Stühlen zwischen Miki und Leon saßen.
      Luca sah ebenfalls auf, fing Johnsons Blick auf und erwiderte sein höfliches Nicken kurz - und erstarrte, als er Miharu entdeckte, die, halb von Daichi verdeckt, etwas abseits stand, gegen einen der Schreibtische gelehnt. Er hatte nicht gewusst, dass sie hier sein würde. Nein... natürlich hatte er es gewusst. Er hatte nur versucht, nicht daran zu denken und nicht zu ihr zu sehen. Aber es ging nicht. Er wollte sie ansehen, obwohl er vor nichts mehr Angst hatte, als noch einmal diese Ablehnung in ihrem Blick zu sehen. Ihr Misstrauen zu spüren, und ihren Hass, der auf seiner Haut brannte wie Lances Peitsche. Es war ausgerechnet sein Schreibtisch, den sie sich ausgesucht hatte, an dem sie lehnte, die Beine übereinander geschlagen und die Arme verschränkt, ganz ähnlich wie er selbst. Sie sah erschöpft aus, wenn auch nicht so sehr wie an dem Abend, als sie vor seinem Fenster gestanden hatte. Sie hatte in seinem Bett geschlafen, um sich zu erholen, nackt und friedlich in seinen Armen, den Rücken an seine Brust geschmiegt. Und er hatte die ganze Nacht wach gelegen und sie angesehen. Die Wärme ihres Körpers gespürt. Den Duft geatmet, der in ihrem Haar hing...
      Er zuckte unwillkürlich zusammen, als die Gewissheit, dass er nichts davon je wieder erleben würde, ihn wie Eis durchlief, krallte die Hände in den Stoff seiner grauen Jacke und biss einen Moment später still fluchend die Zähne zusammen, als ihm ein heftiges Stechen durch Handfläche und Finger seiner verletzten Hand fuhr. Arceus...hatte er wirklich gestern vor ihr gekniet? ...vor seiner Vorstellung von ihr.
      Mit einem Mal spürte er, dass jemand ihn ansah, prüfend und ernst. Daichi. Es streifte ihn nur kurz, aber es erinnerte ihn doch daran, wo er war. Dass er jetzt keine Schwäche zeigen durfte.
      Angestrengt wandte er seinen Blick von Miharu ab, schob den Schmerz beiseite und versuchte sich auf den Agenturchef zu konzentrieren, der in kurzen Sätzen die Ergebnisse ihrer Unterredung erläuterte. Es war nicht seine Art, sich so ablenken zu lassen. Schon gar nicht von seinen eigenen Gefühlen...oder von denen anderer.
      Und trotzdem, allein zu wissen, dass Miharu in seiner Nähe war, ließ ihn wieder all das hören und sehen, was er vor der Tür noch hatte verdrängen können. All ihre Blicke, ihre Worte, ihre Tränen... warum hatte sie in ihrem Büro so heftig geweint? Weil sie ihn doch nicht hatte erschießen können? Sie hatte nicht mehr zornig geklungen, nur noch so verzweifelt, als wäre etwas über ihr zusammengebrochen. Weil sie sich von jemandem wie ihm hatte berühren lassen. Weil sie mit ihm geschlafen hatte, obwohl er zu ihren Feinden gehörte. Natürlich hatte sie nicht gewollt, dass er sie noch einmal berührte, auch nicht, um sie zu trösten. Es war ihre Bestrafung für ihn. Er musste sich daran gewöhnen.
      "Wir werden also das Team aufspalten", schloss Daichi, der seinen Blick prüfend durch den Raum schweifen ließ, während er sprach. Doch selbst die feindseligen Blicke hatten sich gelegt, sein Team hörte ihm aufmerksam zu. "Ein Teil wird unter Frau Yagami in Nachtara arbeiten. Dort hätte ich gerne Ann und Miki. Ann, du kannst dich gut auf andere Menschen einlassen, versuch so viele Kontakte wie möglich innerhalb der Firma zu knüpfen, sodass wir jedes kleine Anzeichen von Gefahr mitbekommen sollten."
      Ann nickte ernst.
      "Gut. Miki, ich weiß, du bist eher selten im Außendienst, aber diesmal würde ich dich gerne nach draußen schicken. Direkt vor Ort könntest du mit Herrn Berger zusammen das Sicherheitssystem regelmäßig überprüfen, sobald es überarbeitet ist, und dich um die Überwachung der Objekte kümmern, die Frau Yagami an Team Rocket verkauft, ohne dass es auffällig wirkt."
      Miki nickte ebenfalls ernst und mit nachdenklich gerunzelter Stirn.
      "Wer wird denn meinen Posten zur Überwachung von hier aus übernehmen? Isabell?"
      Daichi lehnte sich zufrieden zurück, die Hände entspannt um die Kanten von Anns leerem Schreibtisch geschlossen. Er hatte nichts anderes von Mikis schneller Auffassungsgabe erwartet.
      "Ja. Was das Technische Know-how betrifft, ist sie dir absolut ebenbürtig und meinem letzten Kenntnisstand nach kommt ihr gut miteinander aus?"
      Miki antwortete mit einem Schmunzeln, während Jan neben ihm die Augen verdrehte.
      "Aber", wandte Leon ein, "Kostet es nicht unnötig Zeit, sie einzuarbeiten? Warum können nicht Jan oder ich mit Ann in der Firma sein?"
      Daichi schüttelte den Kopf.
      "Ich brauche euch beide hier. Leon, da ihr Geschwister seid, kannst du einen direkten Kontakt zu Ann als Angestellte von Nachtara halten, ohne dass es irgendjemandem auffällt und so könnt ihr euch gegenseitig auf dem neusten Stand halten. Außerdem brauche ich mindestens zwei Leute, die sich um die Eigentümer der jeweiligen Schätze kümmern, sie überzeugen und verstecken oder gegebenenfalls ersetzen. Und dafür seid ihr beide am besten geeignet. Wir werden ohnehin Unterstützung brauchen und ihr habt schon ein paar Mal mit ihr zusammen gearbeitet. Sie wird sich schnell einfinden."
      In dem erwartungsvollen Schweigen, das auf seine Erklärung folgte, lag die Zustimmung seiner Leute. Er wartete noch ein paar Sekunden, doch als wirklich niemand Einwände hatte, wandte er sich seinen drei Gästen zu, die bisher geschwiegen hatten.
      "Ich hoffe, Sie sind damit einverstanden, Frau Yagami?"
      "Miharu", entgegnete sie mit einem halben Lächeln. "Da Ihre Agentur uns dank ihrer Überprüfungsmaßnahmen schon kennen gelernt hat und es das Arbeiten erleichtern würde, wäre ich dafür, wenn wir das Formelle ein wenig runterschrauben."
      Im Hintergrund verkniff sich Miki ein belustigtes Grinsen. Nachtaras Unternehmensleiterin war ihm sympathisch, nicht nur, weil sie viel Ahnung von Technik hatte. Ann dagegen sah eher etwas verlegen aus.
      Daichi stutzte kurz, nickte dann aber. "Einverstanden."
      "Und nein, ich habe nichts dagegen", fügte sie nach einem kurzen Blickwechsel mit ihren beiden Kollegen hinzu.
      "Gut. Sie wird sich Ihnen auch gleich selbst vorstellen, ich habe sie bereits informiert. Sie müsste also im Laufe der nächsten paar Minuten hier eintreffen."
      Wie auf Kommando klopfte es im nächsten Moment an der Tür und Isabell trat ein, ohne lange zu warten, ob jemand sie hereinbat. Sie trug schlichte, dunkle Agenturkleidung und auf ihrer Schulter saß ihr Dartiri und zupfte an ihren langen, glatten Haaren.
      "Hi. Ihr braucht etwas Unterstützung, hab ich gehört?"
      "Sicher nicht von dir", knurrte Jan. Isabell quittierte seinen mürrischen Blick mit einem Grinsen.
      "Du wirst noch Falten kriegen von deiner schlechten Laune, Schätzchen. Aber wenn ich das richtig verstanden habe, werde ich sowieso hauptsächlich mit dir zu tun haben, Miki?"
      Sie sah erst Jans Partner, dann ihren Chef fragend an, der bestätigend nickte.
      "Ja. Miki wird dir gleich alles erklären. Außerdem wirst du auch gelegentlich mit unseren Kooperationspartnern von außerhalb zu tun haben, speziell mit Herrn Berger." Er wies mit der Hand zu dem Platz, auf dem Johnson saß. Der nickte und erwiderte ihr Lächeln höflich.
      "Hallo, sehr erfreut. Nenn mich Johnson. Das neben und hinter mir sind Shiro Maname und Miharu Yagami."
      "Alles klar", nickte Isabell gut gelaunt, aber aufmerksam und begrüßte alle drei mit einem kurzen Lächeln. "Hi, ich bin Isabell aus dem ersten Team. Freut mich ebenfalls. Hey." Ihr Blick war auf Shiro hängen geblieben und ihre dunklen Augen blitzten. "Du siehst gut aus, Zuckerschnäuzchen. Du machst ja sogar unserem Wolf Konkurrenz."
      Als sie seinen irritierten Blick bemerkte, deutete sie mit dem Kopf erklärend zu der Wand hin, an der Luca lehnte.
      "Jedenfalls", fuhr Daichi fort und Isabell verstummte, allerdings nicht ohne Shiro kurz zuzublinzeln, "Denke ich, dass es zu riskant wäre, Informationen zwischen der Agentur und Nachtara auf digitalem Weg auszutauschen, auch wenn Team Rocket selbst nicht für Hackerangriffe bekannt ist. Sie haben genug Macht und Geld, um sich die Experten dafür zu holen und sie haben nicht nur direkten Kontakt mit Nachtara, sondern es auch auf uns abgesehen, auch wenn sie inzwischen nicht mehr wissen, wo wir sind." Er verstummte für einen kurzen Moment. Inzwischen waren sie besser ausgestattet, vorsichtiger und geschickter, aber dass es dem Team Rocket einmal gelungen war, sie völlig zu überraschen, bereitete ihm heute noch manchmal Kopfschmerzen. Die Zusammenarbeit in der gesamten Agentur in dieser Nacht hatte vorbildlich funktioniert, trotzdem war es ein Wunder, dass damals keiner seiner Leute gestorben war.
      "Also ein Bote?", fragte Leon, der mit den Fingern abwesend auf der Lehne seines Stuhls trommelte. "Soll ich das übernehmen?"
      Daichi schüttelte den Kopf.
      "Nein. Ich möchte auch für den direkten Kontakt mehrere Leute haben. Leon, du wirst schon genug mit Nachtaras Kunden zu tun haben und dich mit Ann und Miki austauschen, sodass wir auf jede mögliche Veränderung reagieren können, wenn möglich. Ich brauche aber auch jemanden, der im Kontakt mit Miharu steht." Er sah zu der Wand, an der sein Spion bei Nachtara lehnte, wie gewohnt mit verschränkten Armen, und seinen Blick schweigend erwiderte. "Da wir ohnehin niemanden in ihr Büro setzen können, während einer der Team Rocket Vorstände da ist, wäre das deine Aufgabe, Luca. Ich weiß, du kennst dich am besten in der Firma aus, aber ich würde dich gerne aus deiner bisherigen Aufgabe zurückziehen. Zum einen brauchen wir natürlich keinen Spion mehr, zum anderen ist mir das Risiko für dich auf Dauer zu hoch. Ich brauche aber jemanden, der möglichst ungesehen und unauffällig bei Miharu auftaucht, wenn das Team Rocket nicht mehr da ist. Einverstanden?"
      Während er abwartend seinen Agenten ansah, fiel ihm auf, dass Luca seine rechte Hand verbunden hatte und er runzelte die Stirn. Gerade am Anfang war Luca häufig mit auch unbehandelten Trainingsverletzungen zur Arbeit erschienen, aber eigentlich hatte er seine Trainingsweise schon vor Jahren umgestellt und seitdem war soetwas nicht mehr vorgekommen.
      Luca bemerkte Daichis Blick nicht. Bei der Erläuterung des Agenturchefs hatte er unwillkürlich zu Miharu gesehen, die angestrengt zu Boden starrte. Ihre bis dahin noch entspannten Hände hatten sich bei Daichis Worten verkrampft. Luca sah rasch weg und senkte den Kopf, dass ihm das schwarze Haar halb über die Augen fiel. Etwas stach in seiner Brust.
      Der Agenturchef nahm sein Schweigen als Zustimmung und nickte abschließend mit einem letzten, kurzen Blick auf Lucas rechte Hand.
      "Gut. Dann macht euch noch etwas miteinander bekannt und stimmt eure Informationen und Aufgaben aufeinander ab. Luca, ich will dich gleich in meinem Büro sehen."
      Der schwarzhaarige Agent reagierte nicht, aber Daichi war sich sicher, dass er ihn gehört und verstanden hatte. "Miharu, wenn Sie noch Fragen haben, kommen Sie einfach zu mir. Ansonsten wird Luca Ihnen in den nächsten Tagen den verbesserten Sicherheitsplan vorbeibringen."
      Die junge Unternehmensleiterin nickte und er wandte sich zum Gehen. Das alles hatte besser geklappt, als er gehofft hatte. Vielleicht hatten sie jetzt eine echte Chance, das Team Rocket endgültig zu Fall zu bringen.

    • Es waren kaum fünf Minuten vergangen, als es an der Tür zu seinem Büro klopfte und Luca eintrat, mürrisch und widerspenstig, wie Daichi es von ihm gewohnt war. Sein Wolf war nicht bei ihm.
      Anstatt den Stuhl zu nutzen, in dem zuvor Miharu gesessen hatte, blieb Luca vor seinem Schreibtisch stehen. Daichi meinte ein kaum merkliches Zucken in seinem Gesicht zu sehen, als er die Hände unter dem Saum seiner hellgrauen Jacke in den Taschen seiner schwarzen Hose vergrub. Er deutete mit einem Nicken auf seine rechte Hand.
      "Was ist da passiert?"
      Noch während er sprach, verhärteten sich Lucas Züge.
      "Geschnitten", antwortete er widerstrebend und der Agenturchef hörte einen abwehrenden Ton in seiner Stimme, der ihn aus früheren Jahren vertraut war. Er runzelte die Stirn. Der fast schon feindselige Ausdruck in Lucas Augen ließ ihn ahnen, dass er damit nicht bloß einen Unfall in der Küche und einen leichten Schnitt meinte.
      "Warst du damit beim Arzt?"
      Er kannte die Antwort und wusste, was Lucas Schweigen bedeutete.
      "Dann sage ich dem Agenturarzt Bescheid, dass du kommst. Das ist ein Befehl, Luca!", fügte er etwas schärfer hinzu, als er die Reaktion in seinem Gesicht bemerkte. Er war wirklich fast wie in seiner Anfangszeit. Irgendetwas musste ihn stark beeinflusst haben, wenn er wieder in dieses Verhalten zurückfiel. Und das beunruhigte ihn. Zwar vertraute er darauf, dass Luca es ihm sagen würde, hätte er in irgendeiner Form Kontakt mit dem Team Rocket gehabt, aber gerade die ersten zwei Jahre, die Luca als Agent gearbeitet hatte, waren anstrengend genug gewesen. Mit der Zeit hatte sich sein bisher widerspenstigster Mitarbeiter recht gut entwickelt, und Daichi wollte rechtzeitig dafür sorgen, dass das auch so blieb.
      "Ich brauche dich gerade jetzt bei vollen Kräften und mit zwei gesunden Händen, die du auch benutzen kannst, klar? Also sieh zu, dass du keine dauerhaften Schäden davonträgst."
      Luca antwortete mit einem kurzen, abfälligen Zischen und einen Moment lang starrten sie sich über seinen Schreibtisch hinweg an, dann ruckte Luca unwillig mit dem Kopf, was Daichi als Zeichen von Resignation verstand.
      "Gut." Die strenge Falte zwischen seinen Augen verschwand, als er sich etwas zurücklehnte. Lucas Züge hingegen blieben angespannt und finster. Als würden sie im falschen Raum sitzen. Vielleicht sollte er sich bei den anderen erkundigen, ob es Streitereien innerhalb des Teams gegeben hatte. Allerdings hatte er bisher immer den Eindruck gehabt, dass Jans Worte Luca eigentlich kaum berührten.
      "Das war die eine Sache, wegen der ich dich sprechen wollte. Zum anderen wollte ich dich loben. Du hast bei Nachtara wirklich gute Arbeit geleistet. Nachdem ich sie nun etwas näher kenne, bin ich überzeugt, dass es sehr hilfreich sein wird, Miharu auf unserer Seite zu haben. Es ist gut, dass du sie überzeugen konntest. Ich hoffe es gab dabei keine Schwierigkeiten?"
      In der Erwartung einer kurzen Verneinung sah er Luca über seine verschränkten Hände hinweg an, der ungewöhnlich lange schwieg. Als er schließlich antwortete, schien er ihn nicht mehr direkt anzusehen.
      "Nein." Etwas raues lag in seiner Stimme. Daichi wartete noch einen Augenblick, dann nickte er.
      "In Ordnung. Dann lass den Arzt deine Hand untersuchen und wenn es etwas ernstes ist, werde ich dich vorerst aus dem Dienst nehmen. Ansonsten hast du erstmal frei. Miki und Isabell werden ein bis zwei Tage brauchen, um den Sicherheitsplan von Nachtara durchzusehen und daraus einen neuen Entwurf zu erstellen. Ich sehe dich also in zwei Tagen wieder."
      Mit einem weiteren Nicken erklärte er Luca für entlassen, der sich ohne ein weiteres Wort oder eine Verabschiedung umdrehte. Über seine Unterlagen hinweg sah der Agenturchef ihm nachdenklich hinterher - und als das ehemalige Team Rocket Mitglied die Tür hinter sich schloss, war er fast überrascht, dass er sie nicht heftiger zuzog.

    • Als sie mit Shiro, Johnson und den anderen Eingeweihten noch einmal den neuen Plan besprach, war Miharu eigentlich nur bei einer Sache. Bei einer Person. Luca. Nachtara, das sie auf dem Weg hierher schon aus dem Pokéball gelassen hatte, strich nervös um ihre Beine, versuchte das zu beruhigen, was in ihrem Inneren tobte. Warum war es ihr nicht gleich aufgefallen, dass Luca einen Verletzung an der Hand hatte? Was war passiert? Waren ihre Worte am Ende der Grund dafür, dass er sich verletzt hatte? Lautlos schnappte Miharu nach Luft, während sich in ihrem Magen alles verknotete und sie nicht wusste, wie sie es schaffte, die Tränen zurückzuhalten.
      Johnson hatte sie dabei die ganze Zeit unauffällig beobachtet, hatte mitbekommen, dass seine Chefin nicht unbedingt auf ganzer Höhe war, obwohl sie es vor Daichi perfekt hatte verstecken können und machte sich Sorgen um die junge Frau. Als sie alleine waren, fragte er sie, ob ihr heute nicht gut war oder ob etwas passiert war in den Stunden vor dem Treffen, an dem sie nicht zusammen waren.
      „Nein, keine Sorge. Mir geht’s gut. Ich habe nur einen ziemlich großen Fehler begangen“, erklärte die junge Frau und sah wie in der Agentur mit ernstem Blick zu Boden. Der Abteilungsleiter zog die Augenbrauen nach oben, bevor er anfing zu reden.
      „Aber es ist doch alles gut gelaufen. Daichi glaubt uns und unterstützt uns genau da, wo wir noch Hilfe benötigt hätten“, versuchte er sie aufzumuntern.
      „Zyrus wäre bestimmt auch glücklich, wenn er sich nicht mehr so viele Sorgen um sein Patenkind machen müsste.“
      „Darum geht’s nicht. Es geht darum, dass seine Patentochter jemandem etwas angetan hat, was sich nicht so einfach wieder gut machen lässt und das dazu geführt hat, dass er sich vermutlich selbst verletzt hat“, erklärte Miharu ungeduldig und nahm ihre Tasche ruckartig vom Tisch, auf den sie stand, hing sie sich um die Schultern und verließ,ohne weitere Erklärung den Raum, ließ ihr besorgtes Pokémon und Johnson zurück, nun nicht minder besorgt. Auch wenn es nicht mehr das jüngste war, sprang Nachtara elegant wie eh und je auf den Tisch und stupste gegen die Handinnenfläche des Angestellten.
      „Ist schon okay, sie hat es nicht so gemeint und ich bin mir sicher, sie hat Gründe. Lauf ihr lieber nach und pass auf sie auf.“
      „Tara“, maunzte das Pokémon und befolgte dann den Rat von Johnson, musste sich aber beeilen, weil Miharu in ihrem Zorn auf sich selbst schon aus der Tür raus und wieder ohne Jacke durch den Schnee zu ihrer Wohnung stapfte. Ihr einstiger Mensch hätte so etwas niemals zugelassen, er war immer besorgt um sein Junges. Sie war ein wenig traurig darüber, dass sie Miharu jetzt nicht trösten konnte, aber auch ein bisschen sauer darüber, dass sie ihr nicht getraut hatte. Menschen waren manchmal wirklich einfältig. Dieser Luca hatte zwar eine düstere Aura, aber dennoch war es in seinem Körper warm gewesen. Zumindest wenn Miharu in der Nähe war. Sie passten gut zueinander, aber nachdem ihr Mensch mit diesem merkwürdigen Ding auf sie gezeigt hatte, tat es Miharu leid und Luca mied sie auf ihre Drohgebärde hin. Erstaunt hielt Nachtara inne, als Miharu nicht in die Wohnung ging, sondern direkt nach draußen, auf dem Kampfplatz, den sie extra für sich hatte anlegen lassen. Verwirrt legte das Nachtwesen den Kopf schief , als sie dann auch noch ihre anderen Pokémon hervorholte, die sie genau so in ihren Pokébällen an ihrem Gürtel trug, wie ihre Waffe. Sollte sie sich nicht lieber hinlegen? Oder... Nachtara blickte traurig nach oben. Würde ihr Schützling etwa wieder so trainieren, wie nachdem ihr Herr getötet worden war? Eines Nachts war sie sogar zusammen gebrochen und Zyrus hatte sie wieder in ihre Unterkunft tragen müssen. Danach hatte sie nur noch so viel trainiert, dass sie sich nicht selbst wehtat. Aber nun?
      Miharu sah die Sorge in den Augen des Katzenwesens, strich ihm jedoch nur kurz über das Fell, bevor sie begann, gegen ihre Pokémon zu kämpfen. Jedes Mal, wenn sie schneller, kräftiger und wütender wurde, war es ihr eigenes Bild, das sie verfolgte, um sich selbst das zu geben, was sie verdient hatte. Jedes Mal, wenn sie langsamer wurde, plötzlich innehielt, war da auch einmal Luca vor ihren Augen, Tränen stiegen in ihre Seelenspiegel und kurz erstarrte sie in der Kälte, die sich von innen ausbreitete und die alles unangenehm schwer machte. Ihren Pokémon fiel es sichtlich schwer, auf diese Stimmungsschwankungen zu reagieren und die Angriffe rechtzeitig abzubrechen, wenn Miharu vor ihnen plötzlich in die Knie sank. Meist musste Nachtara ihr Schutzschild auftauchen lassen, einmal steckte es die Attacke direkt ein und irgendwann kniete Ihre Trainerin nur noch auf dem Boden und weinte. Was, wenn er sich selbst umgebracht hätte? Was, wenn er es immer noch vorhatte? Und sie konnte nichts dagegen tun, außer zu hoffen, dass sie sich noch entschuldigen konnte. Wie wollte sie sich überhaupt dafür entschuldigen? Sie hatte ihm gesagt, dass er nicht besser war als Lance oder Atlas, eigentlich sogar noch schlimmer. Sie hatte einfach denjenigen völlig rücksichtslos verletzt, den sie...liebte? Ihr Körper fing an zu zittern, völlig ungeachtet davon, dass er schon einmal Weile aus Erschöpfung und Kälte zitterte. Ihre Pokémon um sie herum konnten nichts tun, hörten Miharu immer wieder nur diesen einen Namen murmeln, während ihre heißen Tränen den Schnee unter sich schmolzen. Ja, sie liebte ihn. Wie konnte sie nicht, wenn er sie angesehen hatte, mit seinen silberfarbenen Augen, die sie sofort gefesselt hatten, ohne dass sie es merkte. Sie hatten nicht nur einfach miteinander geschlafen, wie sie es die ganze Zeit über getan hatte. Sie hatten Liebe gemacht.
      Sie war so idiotisch gewesen, das nicht eher zu verstehen. Sie hatte es nicht nur einfach so probieren wollen, mit ihm eine Beziehung zu haben, sie hatte es wirklich aus tiefstem Herzen gehofft. Gehofft, dass er sie auch mochte, liebte. Und dann hatte sie ihn mit ihrer Waffe bedroht und ihn stärker beleidigt, als je einen Menschen zuvor. Nur weil sie meinte, etwas herausgefunden zu haben, dass sich am Ende als Lüge herausgestellt hatte. Warum hatte sie ihn nicht einfach fragen können, was da passiert war? Es musste eine ganz andere Erklärung geben, sonst stünde er jetzt nicht auf ihrer Seite...Auf der Seite der Agentur. Sie wischte sich die Tränen aus den Augen und versuchte aufzustehen, ihre Pokémon rief sie zurück. Es dauerte nicht lange, bis sie weinend in ihrem Bett lag und schließlich vor Erschöpfung einschlief.
      Die weiteren Tage liefen nicht sehr anders ab. Auf der Arbeit war Miharu damit beschäftigt, die Dinge einzurichten, die sie brauchten, um Ann und Miki 'einzustellen', zuhause trainierte sie und versuchte sich Gedanken darüber zu machen, wie man um etwas um Verzeihung bat, wenn es nicht zu verzeihen war. Sie kam nicht voran, da sie immer wieder nur Lucas Bild vor sich sah und selbst wenn sie konzentriert arbeiten wollte, war er bei ihr. Sie wollte nicht, dass er aus ihrem Kopf verschwand, andererseits wollte sie es doch, weil er immer auf ihr Herz einzustechen schien, obwohl er es nicht persönlich tat.
      Johnson und auch Shiro, der ebenfalls abgelenkt wirkte, fragten sie oft, ob wirklich alles in Ordnung war, ob es ihr wirklich gut ging mit dieser Zusammenarbeit. Immer wieder musste Miharu erklären, dass es nicht an der Agentur an sich lag, sondern dass sie selbst einen Fehler gemacht hatte. Schließlich mied sie sie beiden und ihre Fragerei und tauchte nur noch zum Feierabend aus ihrem Büro auf, um das Gebäude zu verlassen. Die beiden konnten ihr doch eh nicht helfen.
      Als es schließlich an ihrer Tür klopfte, brachte Miharu nur ein stummes Flüstern heraus, erstickt unter Tränen, verborgen hinter ihrem langen, blauen Haar, das sie der Einfachheit halber offen gelassen hatte. Sie hatte auch diesmal kein Kostüm an, sondern einen Pullover, der ihr viel zu groß war, schwarz und mit einem V- Ausschnitt, dazu eine schwarze Jeans. Nachtara saß auf ihrem Schoß, seitdem sie die Nachricht der Information bekommen hatte, dass Luca auf dem Weg hier her war. Nichts an ihr wirkte wie eine Unternehmensleiterin, sie wirkte eher wie das kleine Kind, dass sie an diesem Tag gewesen war. Das kleine Kind hatte eine Menge wieder gut zu machen. Vielleicht ging das auch gar nicht. Als er erklärte, dass er das überarbeitete Sicherheitssystem abgeben wollte, nickte sie nur, den Kopf immer noch nach unten gebeugt. Ohne etwas in seiner Stimme verändern zu müssen, wie er es getan hatte, als sie sich geliebt hatten, jagte er ihr einen heißen Schauer über den Rücken, der danach gefror. Warum war es auf einmal so kalt? War das... Luca? Miharu merkte weder, wie sich ihre Arme immer mehr um Nachtara verkrampften, noch wie es diesem Druck entwich und sich auf den Schreibtisch setzte.
      Als Luca die Akte auf den Tisch legte, stupste die Nachtkatze mit der feuchten Nase gegen seine unverbundenen Fingerspitzen, als er diese Senken wollte, um zu gehen. Sie zuckte zusammen, als Miharu sich plötzlich ruckartig erhob und versuchte, Luca über den Schreibtisch festzuhalten, dann jedoch ihre Hand zurückzog.
      „Bitte, ich muss dir noch etwas sagen. Keine Sorge. Ich will dich nicht verletzen, das wollte ich nie. Bitte, bleib noch kurz“, flüsterte Miharu immer mehr, ihre Hand lag kraftlos auf dem Schreibtisch, als sich ihr Blick vorsichtig hob, um die Antwort in seinen Augen zu sehen. Bis jetzt war er stumm gewesen, bis auf das, was er sagen musste. Seine Augen sprachen Bände. Noch mehr Tränen quollen aus ihren Seelenspiegeln und tropften auf Nachtaras Fell, durch den Schmerz konnte sie nicht atmen. Ihr fehlte die Luft um laut zu werden, ihn noch mehr zu bitten. Ihn so zu bitten, so laut, wie ihr Herz jetzt schrie und dabei immer mehr Eissplitter erzeugte, die sie innerlich erstachen.
      „Natürlich. So lange du willst.“ Noch mehr Splitter durchbohrten sie und selbst die Wärme Seines Pullovers fühlte sich unverdient an. Ihre Atmung ging schnappend, konnte nicht den Seelenregen durchbrechen, der weiter fiel, als sie versuchte, mit Luca zu reden.
      „Ich war noch schlimmer zu dir, als das Team Rocket, ich weiß. Aber ich war so dumm in dieser Situation! Ich... ich habe einfach nur diese Meldung gesehen und alles war rot, ich konnte nicht mehr logisch denken und habe dabei etwas getan, weshalb ich Andere immer gehasst habe. Ich habe dich einfach verurteilt, ohne überhaupt irgendetwas über dich zu wissen. Nur dieser Zeitungsartikel und ich bin komplett durchgedreht. Wenn es etwas gibt, das ich in meinem Leben bereue, dann ist es das. Luca, ich wollte dich nicht verletzen, ich wollte dich wirklich nicht verurteilen. Ich will das nicht. Nicht nach dem, was zwischen uns passiert ist. Das war nicht nur einfach so und ich war viel zu verblendet und viel zu blöd, um das zu merken! Eigentlich solltest du mir nicht verzeihen für das, was ich über dich gewagt habe zu denken, aber ich bitte dich... Bitte, wirf mich nicht aus deinem Leben.“ Dass sie ihn in ihrem Leben brauchte, verschwieg sie. Ihr Ton hatte immer zwischen leise und laut geschwankt, inzwischen lag sie halb auf dem Schreibtisch, sämtliche Kräfte hatten sie verlassen, waren davon abhängig, was Luca sagen würde, was er dachte. Das einzige, was die erstickende Stille zwischen ihnen unterbrach, waren die schluchzenden Atemzüge von Miharu, deren Wangen rot glühten. Noch nie hatte sie das Gefühl gehabt, jemanden zu zu brauchen und nie wieder wollte sie das Gefühl spüren, nicht zu wissen, ob der andere gehen würde. Was würde mit ihr passieren, wenn Luca sie ablehnen würde? Würde sie in dieser Hölle bleiben, oder sich selbst ihr gerechtes Urteil sprechen?

    • "Miharu..."
      Reglos sah Luca zu, wie ihre Tränen zwischen ihrem blauen Haar auf die Tischplatte tropften. Ihre Schultern bebten. Er konnte ihr Gesicht nicht sehen, sie hielt den Kopf gesenkt und die Strähnen ihrer langen Haare fielen ihr wie kleine Wasserfälle zu beiden Seiten über die Wangen, die Spitzen kräuselten sich auf dem dunklen Holz. Ihr Schluchzen drang durch die Stille in ihm und schien sich in seiner Brust auszudehnen, besänftigte den inzwischen vertrauten Schmerz, der jeden Gedanken an sie begleitete, und löste doch ein heftiges Ziehen aus. Seine rechte Hand zuckte unbewusst und begann wieder unangenehm zu stechen, doch er beachtete sie nicht. Er hatte das Gefühl, sie berühren zu wollen. Ihre Hand zu nehmen, durch ihr Haar zu fahren, über ihre nassen Wangen zu streichen, irgendetwas, damit sie ihn ansah Weil er nicht verstand, warum sie weinte. Dass es seinetwegen sein könnte. Weil sie bereute, was sie gesagt hatte.
      Aber er wagte nicht, ihr nahe zu kommen, etwas hielt ihn zurück. Er hatte nicht erwartet, dass sie weinen würde. Um ihn weinen würde. Dass sie sich schuldig führen würde, nicht um ihretwegen, sondern wegen ihm. Weil sie ihn verletzt hatte. Aber wenn sie ihn gar nicht verletzen wollte... wenn sie ihn nicht hasste, nicht bloß Verachtung empfand bei dem Gedanken an ihn - dann war das so viel mehr, als er jemals wieder von ihr zu bekommen geglaubt hatte. Viel mehr als das, was er zu hoffen gewagt hatte. Und er hatte unglaubliche Angst davor, das wieder zu verlieren. Die Vorstellung, sie könnte ihn wieder bei sich haben wollen, ihn wirklich in ihrem Leben haben wollen, war so dünn, so unfassbar, dass er Angst hatte, sie könnte zerbrechen, wenn er sie jetzt berührte. Denn sie hatte doch keinen Grund, ihre Meinung über ihn zu ändern, oder? Es war nur Zufall, dass er jetzt Agent war. Er hatte nicht gekämpft, so wie sie es tat, er hatte nur gehorcht. Wenn sie das ganze Team Rocket hasste, dann auch ihn.
      Noch einmal glitt ihr Name über seine Lippen, kaum mehr als ein hilfloses Flüstern und diesmal schien sie ihn zu hören, denn sie hob zögernd den Kopf. Das weiße um ihre leuchtend grünen Augen und auch ihre Wangen waren so rot, dass sie sich schon wund anfühlen mussten, doch immer noch liefen ihr Tränen über das Gesicht, auch wenn sie es zu unterdrücken versuchte, als sie ihn ansah. Seit er ihr Büro betreten hatte, hatte er versucht, nicht darauf zu achten, dass es sein Pullover war, den sie trug. Weil es ihn daran erinnerte, wie sie damit auf seinem Bett gesessen hatte und es wehtat, daran zu denken. Aber wenn sie ihn nicht hasste, wenn sie nicht bereute, was sie getan hatten...durfte er dann die Wärme zulassen, die ihn berührte, wenn er sie so sah? Aber warum hasste sie ihn nicht mehr? Sie hatte doch keinen Grund dazu.
      "Ich werde nicht gehen, Miharu", antwortete er endlich leise, ließ sich von ihren grünen Augen anziehen, die ihn so flehentlich ansahen, als wäre sie von seiner Entscheidung abhängig. Weinte sie deswegen? Hatte er ihr schon wieder etwas verschwiegen und sie hatte deswegen die ganze Zeit gelitten? Es war sein Fehler. Er hätte es ihr besser erklären sollen. "Ich bleibe solange wie du mich brauchst. Es ist dein Recht, mich zu verletzen, ganz egal womit. Ich habe dir nicht die Wahrheit über mich gesagt, obwohl du mir vertraut hast. Das ist nichts, was du bereuen musst. Es..."
      Er stockte, unwillkürlich, er konnte nicht anders. Auch wenn es nur für diesen Moment war, auch wenn er vielleicht gleich wiederkommen würde - jetzt waren Hass und Verachtung aus ihrem Blick verschwunden. Und er wollte das nicht zerstören. Aber er musste.
      Wenn sie keinen Hass auf ihn mehr empfinden wollte, dann, weil sie wohl glaubte, er wäre wie ihre Eltern, die sie so sehr liebte. Dass er genauso gekämpft hätte. Aber er hatte nie gekämpft, nicht gegen seinen Herrn und auch nicht gegen sein Schicksal. Das war die Wahrheit, die er ihr sagen musste. Auch wenn er damit die wundervolle Vorstellung zerstörte, die ihre Worte in ihm geweckt hatten. Dass er trotz allem bei ihr sein dürfte.
      "Es war nicht dumm, Miharu. Es stimmt. Ich bin nicht der, für den du mich vielleicht hältst, ich bin nicht gut." Wie von selbst schloss sich seine rechte Hand wieder um seinen linken Oberarm, dicht unter der Schulter. Dass die Schnitte in seiner Handfläche unter der Spannung wieder zu stechen begannen, bemerkte er kaum. Er hatte den Blick abgewandt, sah mit grauen Augen auf einen Punkt irgendwo vor ihrem Schreibtisch. So lange wie möglich wollte er die Illusion ihrer grünen Augen behalten, die ihn um etwas baten und ihn nicht verachteten. Er wollte nicht sehen, wie der Ausdruck wieder zurückkehrte, den er zuletzt in diesem Büro gesehen hatte. "Ich habe nie dafür gekämpft, dem Team Rocket zu entkommen, nicht so wie du es getan hättest oder wie es deine Eltern getan haben. Dass ich jetzt für Shield arbeite, ist Zufall. Ich hatte versagt und wäre wohl gestorben, wenn ich zurückgekehrt wäre." Ihr Schweigen schnitt ihm tief ins Herz, aber er sah nicht auf. Die Vorstellung davon, was er dann sehen würde, genügte, um seiner Stimme einen heiseren Klang zu geben. "Ich habe meinen Herrn gehasst, aber ich habe trotzdem alles getan, was er wollte, ohne irgendetwas zu hinterfragen. Es war mir egal, wen ich töten sollte oder warum, ich habe einfach nur gehorcht. Selbst heute noch..." Er krallte seine blassen Finger fester in den Ärmel seiner schwarzen Jacke, bis er den Druck seiner Fingernägel auf der Haut spüren konnte. "Dass ich seit sieben Jahren niemanden mehr getötet habe, liegt einfach daran, dass es mir niemand mehr befohlen hat. Darum... dein Urteil war richtig, Miharu. Jedes Wort davon."

    • Seine Worte prasselten auf Miharu herab wie kalter Regen im Winter. Sie waren wie ein Echo ihrer eigenen Worte, die sie in ihrer Wut gesagt hatte. Ihr wurde wieder einmal klar, was sie da gesagt hatte, was es bedeutete und ihr Herz wurde immer wieder von dieser Gewissheit zerstochen. Auch wenn die andere Stimme in ihr genau das hören wollte, genau das wissen wollte, um ihn wieder aus ihrem Leben zu verbannen. Er hatte gemordet und war nicht freiwillig aus dem Team Rocket geflohen. Es hatte sich halt so ergeben, dass er jetzt hier war. Es hatte sich so ergeben, dass er getötet hatte. Weil es sein Befehl war und er ihm folgte, weil es für ihn das sinnvollste war. Das Bild ihres Vaters erschien vor ihren Auge, wie er da lag, mit dem gequälten Gesichtsausdruck auf dem Boden seiner zerstörten Wohnung. Ihres zweiten Zuhauses. Wie konnte er einfach einen Menschen töten? Mit einer Geschichte, mit einer Familie? Ein Teil von ihr war wütend, wie konnte er es einfach sagen, dass er es ohne Reue getan hatte? Dass er heute noch töten würde, würde Daichi ihm das befehlen. Sie wollte das nicht und gleichzeitig wusste sie, dass sie nichts dagegen tun konnte, weil alles in der Vergangenheit lag. Vor sieben Jahren hatte er das letzte Mal gemordet... Vor sieben Jahren und immer noch dachte er so. Dachte Luca so, oder hatte er ihre Worte in sich aufgenommen, wie er es wohl im Team Rocket gewohnt gewesen war? Waren ihre Worte in ihn eingedrungen und kamen jetzt nicht nur als Echo aus ihm heraus, sondern hatten sich auch in ihm eingepflanzt, sodass er ihnen jetzt etwas glauben schenkte, nur weil sie so idiotisch gewesen war und gleich heraus gebrüllt hatte, was sie gedacht hatte? Der Schmerz zerstach das Feuer und ihr Herz, als Miharu erkannte, was sie damit ihn ihm angerichtet hatte. Was sie alles zerstört haben konnte. Das wollte sie nicht! Sie wollte Luca nicht zerstören und sie wollte auch nicht, dass ihr Urteil richtig war. Aber das war es teilweise, oder? Sie konnte nichts dagegen tun, dass er getötet hatte und somit den Zorn in ihrem Herz weiter wachsen ließ. Sie konnte ihm nicht sagen, dass alles in Ordnung war, dass ihr Urteil nicht stimmte, und dass sie ihn bei sich haben wollte.
      Erschöpft von den Kämpfen in ihrem Körper sah Miharu auf, erkannte in seinen Seelenspiegeln das, wovor sie... Angst hatte? Dass genau das, was sie zu ihm gesagt hatte, in ihm wohnte und dort das vertrieb, weshalb sie vor ein paar Tagen gezögert hatte, ihn gleich als Verbrecher hinzustellen, nur weil sie ihn nicht kannte. Sie hatte den Luca zerstört, der einfach ihr Angestellter war, in den sie sich verliebt hatte. Mit dem sie geschlafen hatte. Nicht aus Lust sondern... aus einem anderen Grund, daraus, dass sie ihm nahe sein wollte. Aber sie hatte mit ihrer Zerstörung auch ei8nen Teil aufgedeckt, den sie nicht ignorieren konnte, weil sie dann den Tod ihrer Eltern relativiert hätte. Ja, er hatte zwar getötet, nur durch einen Befehl, aber trotzdem war er jetzt derjenige, den sie liebte und dem sie es verziehen musste. Sie konnte nicht, weil sie nicht wusste, ob ihr Echo nicht doch einen Teil seines selbst ausmachte. Aber sie wollte ihn auch nicht einfach so gehen lassen, wie sie ihn verletzt hatte! Sie liebte ihn, aber sie wusste nichts über ihn, nur dass er aus dem Team Rocket war und das, was sie damit in Verbindung gebracht hatte. Sie konnte ihn doch noch gar nicht verurteilen und sie wünschte sich aus tiefster Seele, es nicht tun zu müssen, aber da war dennoch diese Wut auf ihn, die Angst, dass er wirklich getötet hatte, ohne eine Empfindung. Ohne Empfindungen war Luca zu einfach abzustempeln, mit seinen Gefühlen war es zu schwer, irgendwas über ihn zu sagen. Es war echt, was sie in der Nacht mit ihm getan hatte, aber genau so echt war seine Vergangenheit als Mörder. Sie musste wissen, wer Luca war.
      Ihre Schritte waren taumelig, als sie sich um den Schreibtisch herum auf ihn zu bewegte, seinen Augen nicht entkommen könnend. Sie hasste den Schmerz da drinnen. Sie wollte ihn wegnehmen, aber sie konnte nicht, weil sie ihn nicht kannte. Kaum ein Blatt Papier passte zwischen sie, als Miharu Luca endlich erreichte, sie berührte nur mit den Fingerspitzen seine Verbundene Hand, von der sie nicht hoffte, dass dort ihr Echo in Scherben verwandelt worden war und nun Wunden hinterlassen würde, die für die Ewigkeit waren. Oder noch schlimmer. Wieder füllten Tränen ihre Seelenspiegel. Wenn Luca sich tötete wegen der Anschuldigungen, die sie ihm in sein Herz geworfen hatte, dann wäre sie genau so wie das Team Rocket und wenn er nicht mehr da war, wollte sie dann noch selbst kämpfen? Sie hatte nur mit den Fingerspitzen seine Hand an ihre Gebunden, er folgte ihr nach unten wie ein Magnet, obwohl es nur diese winzigen Berühungspunkte gab. Irgendwie beruhigte es ihren zitternden Körper, den beiden Händen nachzusehen. Ihr Kopf lehnte sie ganz langsam gegen seine Brust, immer lauter hörte sie Lucas Herz schlagen und immer mehr wünschte sie sich, es würde eine weitere, vertraute Nacht anfangen.
      „Luca, ich...“, begann sie zögerlich und sah nicht auf, als sie weitersprach.
      „Ich weiß nicht, ob ich mit dir leben kann. Ein Teil von mir will dich unbedingt bei mir haben. Unsere gemeinsame Nacht wiederholen und jeden morgen neben dir aufwachen und die andere weiß nicht, ob sie dir vergeben kann, dass du Menschen getötet hast, die genau so gut meine Eltern oder ich gewesen sein könnten. Ich weiß nicht, ob ich dich meine Wort hab glauben lassen, oder ob es wirklich nur das in dir gibt, was du mir erzählt hast. Ich kenne dich leider nicht, ich kannte dich vor einigen Tagen auch nicht und das hat dazu geführt, dass ich dich verurteilt habe. Ich hätte das noch gar nicht tun dürfen. Ich hätte dich kennen müssen. Und das will ich jetzt, aber nicht nur deswegen. Auch, weil der Teil von mir, der dich bei mir haben will, dich kennenlernen will.“ Immer mehr war ihre Stimme in ein Flüstern abgeflaut, er hatte den Kopf leicht zu ihr neigen müssen, um zu hören, was sie halb an seine Brust murmelte. Ihr Kröper wurde wieder von einem Zittern ergriffen, als sie zu seiner Hand hinunter sah. Dieser Verband... Sie durfte nicht dafür sorgen, dass er ihre Worte missverstand, egal, wie klar sie auch gesprochen haben mochte.
      „Aber egal, was du auch machst, bitte tu dir nicht weh, oder schlimmeres.“ Sie schluchzte laut, als sie daran dachte und sah auf, um zu sehen, ob er verstanden hatte. Da war nur Verwirrung in seinem Blick, vor der sie Angst hatte.
      „Wenn du dich wegen meiner Worte töten würdest, dann wäre ich genau so schlimm wie Atlas oder sonst einer aus dem Team Rocket. Ich könnte es auch verstehen, wenn du mich jetzt nie wieder sehen willst und nicht möchtest, dass ich auch nur irgendetwas von dir erfahre, nur bitte. Stirb nicht.“

  • kleinzyrus:... wo ist meine welt hin verschwunden? ich muss eine neuer erschaffen.. mit xenia und ryu und dem rest