Lost in Frankfurt

Soo, hallo erstmal.


Viele werden sich wahrscheinlich jetzt erstmal fragen, "Wer bist du?" oder "Wieso schreibst du in diesem Blog?", vielleicht auch "Wo ist Thrawn? Ist ihm was passiert? Hast du ihm seinen Blog abgezogen oder IST ER VIELLEICHT AN DEN FOLGEN EINES DARMRISSES GESTORBEN, WEIL ER WEGEN MANGELDEM TOILETTENPAPIERS NICHT MEHR AUF DIE TOILETTE KONNTE?????" Zumindest die Antwort auf diese Frage kenne ich: es geht ihm vorerst noch gut. Noch.


Jedenfalls erzählen euch die nachfolgenden Zeilen von einer doch verspäteten Weihnachtgeschichte über einen Menschen, der eigentlich nur Zug fahren und andere Menschen aus einem Tierkampf-Forum in Wien treffen wollte. und falls irgendeiner meint, dass dieser Blogeintrag nur eine billige Kopie von Thrawns Einträgen ist: dann hat dieser irgendjemand natürlich recht, aber jede Beschwerde geht hier bitte an Thrawn.



Es war der 20.12.2019, ungefähr 08:30 Uhr Ortszeit als ich im Bahnhofsgebäude ankam. Ein leicht bewölkter, kühler Freitagmorgen; also perfekt um 10 Stunden Zug zu fahren und nichts zu machen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch gute Laune, denn das Treffen in "Wien" hatte unter anderem auch noch einen anderen Grund: Ich wollte mehr Gehalt für die BisaBoard- und Bisafansmitarbeiter raushandeln und mich mit den ranghöchsten Moderatoren darüber austauschen; man muss ja schließlich von etwas leben, wenn man hier schon sein ganzes Leben arbeiten muss.

Doch die erste Hürde folgte schon: meine Ursprungsverbindung, die unter anderem 4x Umsteigen enthielt, wurde abgesagt. Grund dafür war, dass hier das Personal einen Streik in einem anderen Bundesland einlegte. Mit dem Gedanken spielend, in dieses Bundesland zu fahren, mich den Leuten anzuschließen und mir deren Unterstützung zu sichern, ging ich in das Fahrtauskunft-Büro, entschied mich dann aber doch, am Schalter angekommen, für eine andere Route nach Wien. Diese enthielt nur 2x Umsteigen. Nur.


Die erste Zugfahrt verlief ohne Komplikationen. Ich sammelte auf einen Schmierzettel bereits Argumente, die unsere Gehaltsvorstellungen rechtfertigte und sichern sollte. Doch dann erschien die zweite Hürde. Ich saß in einem Zweisitzer und ihn dem Viersitzer vor mir setzte sich eine Gruppe von älteren Damen, vom Laien genannt "Sektomis" oder wie ich sie nenne "Geheimagenten der deutschen Bahn". Ich bin dieser Verschwörung bereits auf der Spur; so werden diese Geheimagenten von der deutschen Bahn entsendet, um den Otto-Normalverbraucher zu einem Kauf der 1. Klasse-Tickets zu zwingen. Durch das erworbene Upgrade soll man dann Ruhe vor dem Gerede dieser Leute finden. Sollte ich irgendwann also von der Oberfläche verschwunden sein, musste ich entweder untertauchen oder wurde abgestochen und auf dem Grund des Atlantiks verscharrt.


Ich kam am ersten Zielbahnhof an, auch bekannt als "Koblenz". Nachdem ich meine linke Niere und rechten Lungenflügel für zwei Cappuccinos und ein Stück Pizza eintauschte, ging ich wohlgestärkt zu meinem Abfahrtsgleis. (Anmerkung an der Stelle: es war erst 10 Uhr morgens.)

Nach einer kleinen Wartezeit stieg ich in den nächsten Zug Richtung "Frankfurt". Ich hatte ja erwähnt, dass es nur leicht bewölkt war, oder? In diesen knapp eineinhalb Stunden hatte sich der kleine Bruder von Sabine zusammengebraut und ließ das den Bahnverkehr ordentlich spüren. Die dritte Hürde bahnte sich mir so plötzlich und fatal wie ein Pistolenschuss an: Etwas blockierte die Gleise und nach zwanzig Minuten warten, kehrten wir zurück nach "Koblenz". Aber kein Problem, ich war ja früh genug aufgestanden und müsste auf jeden fall den Anschlusszug in "Frankfurt" erreichen. Müsste. War die Uhrzeit vorerst kein Problem, dafür aber der Fakt, dass ich meinen Koffer im Zug liegen ließ.


Streng genommen wollte ich nur meine Agilität und Schnelligkeit in Stresssituationen unter Beweis stellen, verpasste den Zug nur um wenige Minuten. Doch auch Glück sollte mir widerfahren, denn scheinbar ist der Zug jetzt nur noch ein Kurzstreckenzug und pendelte zwischen "Koblenz" und einem "Koblenzer" Stadtteil hin und her. Nachdem ich alle möglichen Mitarbeiter belästigt hatte, erhielt ich nach einer kleinen Wartezeit von zwanzig Minuten meinen Koffer zurück. Während dieser Wartezeit bewies' ich natürlich, dass ich so ruhig wie ein Shaolin-Mönch bin und rief nur 30x in der Zentrale des Zugunternehmens an.

Nachdem sich der Koffer wieder in sorgsamen Händen befand, stellte ich fest, dass ich über vierzig Minuten auf den nächsten Zug warten durfte. Sorgsam.


Da ich sowieso nur noch drei Viertel meiner Organe hatte, tauschte ich einfach noch ein weiteres Viertel ein. Überfressen und voller Koffein im Blutkreislauf hätte ich auch nach "Wien" rennen können; da sich aber dieser kleine Sturm langsam in einen Orkan verwandelte, entschied ich doch die Dienstleistung in Anspruch zu nehmen, für die ich meinen Körper verkauft hatte.


Im Anschlusszug nach "Frankfurt" angekommen, hatte ich erstmal eine Lounge für mich alleine. Naja, fast. Ich teilte sie mit einem etwas älterem Mann; mit ihm habe ich mich dann noch darüber unterhalten, dass es voll seltsam und unerwartet kommen würde, wenn man Leute auf richtiges Händewaschen und auf ein nicht-horten von Toilettenpapier aufmerksam machen müsste. Darüber lachten wir beide erst mal und fügten Teile hinzu, "[…] und jetzt stell dir mal vor, ein Mann versucht 50 Kg Mehl zu kaufen um[…]."

So nett auch unser Tratsch war, erhaschte ich einen kurzen Blick auf mein mobiles Endgerät und stellte fest, dass wir bereits eine Verspätung von 10 Minuten hatten. Aber das ist kein Problem, ich hätte noch neun Minuten zum Umsteigen gehabt. Auch hier hatte mir das Schicksal die nächste Hürde vors Gesicht geschmissen. Ich suchte panisch nach dem Lokomotivführer um ihn darum zu bitten, den Lokomotivführer vom Anschlusszug anzufunken, damit dieser noch fünf Minuten wartete.

In den Zielbahnhof von "Frankfurt" einfahrend, ertönte die Durchsage, dass wir den Anschlusszug nach "Wien" um zwei Minuten verpassten. Zwei Minuten.


Man hörte nur noch ein dumpfes Klopfen im "Frankfurter" Bahnhofsgebäude. Das war mein Kopf, den ich mit Wut, Schmerz & Trauer gegen die Ziegelwand des Bahnhofes hämmerte. Als mich zwei uniformierte Beamte daraufhin hinwiesen, das zu unterlassen, erzählte ich ihnen meine Geschichte und sie fuhren dann nach "Wien" um den Lokomotivführer des Zuges zu verhaften. Als ich mich von dem Nervenzusammenbruch erholte, wollte ich eigentlich nach "Wien" vom "Frankfurter" Flughafen fliegen. Auch dieser Gedanke verflüchtigte sich wieder recht schnell und ich suchte in der Umgebung eine preiswerte Unterkunft.


Am Hotel angekommen, mittlerweile nur noch ein Viertel der Organe mächtig, das andere Viertel hatte ich dem Taxifahrer gegeben, stand ich an der Hotelpforte und schritt hinein. Im Hotel angekommen, gab ich mir erstmal die Kugel bzw. die Kugeln. Selber schuld, wenn auf der Rezeptionstheke eine ganze Packung Raffaello lag. Lag.

Mit schokoladenverklebten Mund erzählte ich ihm erstmal meine komplette Lebensgeschichte und natürlich auch mein Zugdebakel. Er unterbrach mich dann irgendwann, schmiss mir den Schlüssel an den Kopf und meinte, ich solle mich verpissen. Mensch, also ganz wie Zuhause.

Nach dem Schlüsselerhalt und der Niederlegung meiner Reisesachen, bestellte ich mir erstmal wieder etwas zu Essen und Bier. Nach vier Scheiben fettiger Pizza, drei Cappuccinos und zwei Croissants konnte man ja auch noch nicht satt sein.

Das Essen kam an. Ein Gemisch aus Fett, Zucker, Eiweiß und Alkohol. Nach dem dinieren, war ich erstmal darüber erstaunt, dass ich an keinem Herzinfarkt gestorben war, auch wenn ein Märtyrertod was gehabt hätte, trank ich das ekelhafteste Bier aller Zeiten. Es ist gut, dass ich den Namen der Brauerei wieder vergessen habe, ansonsten hätte ich Rufmord ohne Ende betrieben.

Als es dann auch schon Zeit fürs Bettchen wurde, fingen meine Nachbarn an, auf einer mir unbekannten Sprache, eine hitzige Diskussion zu führen. Erst war ich mir sicher, dass ich die Türe von denen eintreten würde, aber da kam mir wieder in den Sinn, dass mein Wecker um 07:00 Uhr klingelte und der Weckton ausnahmsweise "I'm Broken" von "Pantera" war. Außerdem wusste ich auch, dass das Hotel sehr hellhörig war und sie so meine Duschsession mit anhören mussten. Mit dem Gedanken an meine Rache schlief ich mit einem Lächeln ein.

Der nächste Morgen brach an und ich war schon lange wieder auf meinem Heimweg gewesen, da ich mittlerweile ärmer als 'ne Kirchenmaus war und so die Weiterfahrt nicht finanzieren konnte.1


Diesmal gab es keine Hürden mehr, doch während der Heimfahrt brach ich fast in Tränen aus. Es lag nicht daran, dass der mittlere Teil von "Friedhof der Kuscheltiere" so traurig war, oder mein Nervenkostüm vergewaltigt und angespuckt wurde; nein, man hatte meine Initiativbewerbung als technischer Administrator abgelehnt, obwohl ich Erfahrungen und Referenzen mit der HTML-Codierung (Note: ausreichend) vorlegen konnte. Des Weiteren waren die Leute des "Bisaboard" dagegen das Treffen von "Wien" nach "Frankfurt" zu verlegen.

Mit diesen schmerzhaften Erfahrungen gelang mir die Heimreise ohne weitere Probleme und Komplikationen.


Zuhause angekommen schmiss ich mich mit allen Klamotten noch an in mein Bett. Doch der Frieden währte nicht lange, meine Bankbearbeiterin schickte mir alsbald

eine E-Mail, mit der Bitte einen Termin mit ihr zu vereinbaren, damit wir uns über meine Ausgaben austauschen konnten. Und so kam die nächste Hürde auf mich zu.


Und das war die Weihnachtsgeschichte; ich hoffe, ihr lest sie noch euren Kindern vor und habt viel von der Geschichte gelernt. Was, fragt ihr euch bestimmt? Keine Zugverbindung mit 4x Umsteigen zu buchen und einfach in eine noch größere Stadt zu fahren, um eine Direktverbindung zu nehmen.



Auch wenn ich dachte, dass die Bahnfahrt das schlimmste Erlebnis des Jahres war, so hat Corona die Chance, das Ganze nochmal zu toppen. Aber keine Sorge, ich ziehe mir mittlerweile jeden Morgen ein Kilo Vitamin C-Präparate durch die Nase und bade in antibakteriellen Desinfektionsmittel, man möchte ja an dem Wiederaufbau der Menschheit beteiligt sein. Nicht den Mut verlieren, gemeinsam schaffen wir das schon. Gemeinsam.


Dieser Blogartikel wurde zwischen Nudel- und Toilettenpapierpackungen aus den Tiefen eines Bunkers fernab von jeglicher Zivilisation geschrieben.



1Ich habe mittlerweile die ganze Fahrt erstattet bekommen + Übernachtung.

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