Was für ein Pokémon bist du? #19: Woingenau

Es ist wieder Zeit für unsere Pokémon-Kolumne Was für ein Pokémon bist du? Diese Frage stellt unser Pokémon-Forscher @Wenlok Holmes an jedem zweiten Donnerstag und nimmt für euch eines der zahlreichen Taschenmonster unter die Lupe. Klickt auf Weiterlesen und entdeckt mit ihm gemeinsam Aktuelles und Vergangenes, Lehrreiches und Kurioses aus 20 Jahren Pokémon-Geschichte. Seinen Bericht gibt es für euch als Text und Video. Ihr habt außerdem die Möglichkeit, anschließend eure Ansichten, Meinungen und Kommentare im BisaBoard zu hinterlassen.




Liebe Bisafans,


nachdem ich euch vor zwei Wochen nun das eine meiner Lieblings-Pokémon vorgestellt habe, ist es heute Zeit für das andere der beiden. Es handelt sich um ein Exemplar aus der zweiten Generation, das sich durch einen einzigartigen Kampfstil auszeichnet. Ich präsentiere euch



#202 Woingenau


Was tut dieses Psycho-Pokémon also so besonderes? Zunächst einmal müssen wir uns Woingenaus Attacken anschauen. Derer erlernt es nämlich überhaupt nur vier: Konter, Spiegelcape, Bodyguard und Abgangsbund – Und was machen die jetzt?
Konter und Spiegelcape sind Woingenaus einzige Möglichkeit, Schaden zu verursachen, und funktionieren beide nach demselben Prinzip: Nachdem Woingenau von einem gegnerischen Angriff getroffen wurde, schlägt es mit doppeltem Schaden zurück. Der Clou dabei ist, dass Konter nur bei physischen und Spiegelcape nur bei speziellen Angriffen funktionieren – als Trainer muss man da den nächsten Zug des Gegners vorhersagen können. Woingenau kämpft also, indem es sich vermöbeln lässt; da ist es klar, dass es auch viel einstecken können muss. Deshalb hat es mit einem Wert von 190 auch die höchste KP-Basis aller Psycho-Pokémon und die fünfthöchste überhaupt.
Probleme bekommt das Geduld-Pokémon aber, wenn der Gegner Statusangriffe verwendet, denn die kann man nicht kontern. Zumindest ein bisschen Abhilfe schafft hier Bodyguard: Die Attacke erzeugt für fünf Runden einen Schild, der alle Statusveränderungen abfängt. Attacken, die Statuswerte senken gehen aber trotzdem durch. Für Woingenau ist das aber meist kein Problem, es braucht zum Kämpfen ja ohnehin nur seine KP.
Sollten euch diese aber langsam ausgehen, wird es Zeit für Abgangsbund: Wird euer Pokémon direkt nach dem Einsatz der Attacke besiegt, so reißt es auch seinen Gegner mit ins Verderben und beide gehen k.o. – eine finale Retourkutsche, wenn man so will.
So kämpft Woingenau also ohne jemals selbst anzugreifen, indem es immer nur zurückzahlt. Ein Selbstläufer ist das natürlich nicht; man muss die Kampfsituation und den Gegner gut einschätzen, aber wenn es einem gelingt, kann man ordentlich Schaden austeilen. Außer es handelt sich dabei um Kryppuk oder Zobiris. Mit ihren Typkombinationen aus Geist und Unlicht sind diese beiden nämlich tatsächlich immun gegen Woingenaus Angriffe.


Mit der dritten Generation hat Woingenau Gesellschaft gekriegt: Damals kam nämlich das Baby-Pokémon Isso zur Welt, das man erhalten kann, wenn man seinem Woingenau während der Zucht das Item Laxrauch zum Tragen gibt. Und tatsächlich kann Woingenau von seinem Nachwuchs sogar noch etwas lernen: Denn während es selbst immer ein bisschen gequält dreinblickt, ist Isso allzeit gut gelaunt. So erkläre zumindest ich mir, warum es Zugabe erlernen kann: Es freut sich einfach so sehr über den Angriff des Gegners, dass es gleich mehr davon sehen möchte. Der tatsächliche Nutzen in dieser Attacke liegt aber natürlich darin, dass man anschließend für immerhin drei Runden genau weiß, womit der Gegner angreifen wird und dementsprechend reagieren kann. In der der vierten Generation konnten es übrigens sogar bis zu sieben Runden werden! – Das waren noch Zeiten … *seufz*


Woingenaus Ursprünge führen uns – wer hätte es gedacht – mal wieder in die japanische Kultur. Das Pokémon ist nämlich eine Hommage an den japanischen Kult-Comedian Sanpei Hayashiya. Dessen Markenzeichen war es, sich – ganz wie Woingenau – an die Stirn zu fassen und zu sagen „So ist es, meine Dame“. Aus diesem Satz leitet sich auch Woingenaus japanischer Name ソーナンス Sonansu ab. Übersetzt heißt er „So ist es“ – und wenn man das etwas freier fassen will, kann man ja auch „Genau!“ sagen oder auch einfach nach feiner Ruhrpottmanier: „Isso.“
Die zusammengekniffenen Augen beider Pokémon kommen übrigens von den traditionell japanischen Okiagari-koboshi. Das sind kleine Stehaufmännchen, also Figuren, die von selbst zurückkommen, wenn man sie umstößt – ganz ähnlich wie Woingenau, das jeden noch so leichten Stoß mit doppelter Kraft beantwortet.


Das wohl berühmteste Woingenau gehört Team Rocket-Rüpel Jessie im Anime und sorgt auch dort vor allem für comic relief. Nachdem sie es aus Versehen gegen ihr Schlurp getauscht hat, kommt das Psycho-Pokémon zu grundsätzlich ungünstigen Zeitpunkten aus seinem Pokéball und verursacht ihr Ärger – Enton 2.0 also. Allerdings gab es schon mehrere Momente, in denen sich das Rocket-Trio hinter Woingenau vor gefährlichen Pokémon-Attacken verstecken konnte – die wurden dann natürlich einfach zurückgeschleudert.


Ein großes Mysterium rankt sich übrigens um Woingenaus Schweif. Das Pokémon schützt ihn mit seinem Leben und lebt dazu sogar freiwillig in dunklen Höhlen. Eigentlich greift es von sich aus nie an, doch laut Pokédex ändert sich das abrupt, wenn man auch nur versucht, seinen Schwanz zu berühren. Was es damit eigentlich auf sich hat, ist nicht ganz klar, aber einige Fans vermuten, dass der Schwanz das eigentliche Pokémon ist und der große blaue Körper nur Ablenkung. Sie sagen, es könnte sich hier sogar um eine Entwicklung Icognitos handeln. Wieder andere behaupten, der Schweif sei das Portal in eine andere Dimension und jeder, der ihn berührt, würd dorthin verbannt werden. In jedem Fall ist es hochmysteriös – Aiman Abdallah ermittelt sicher schon.


Zum Schluss habe ich wieder etwas Persönliches für euch. Und zwar hat mich meine Schwester vor zwei Wochen mit einem Haufen handgemachter Woingenau-Geschenke überrascht, die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte.



Es gab einen Woingenau-Kuchen, eine Woingenau-Tasse und ein Woingenau-Kissen.


Vielen herzlichen Dank nochmal!




So und das war’s mal wieder! Wie findet ihr Woingenau? Nutzt ihr seine immense Rückschlagkraft in euren Teams? Und fallen euch noch mehr Pokémon ein, die Bezug zu realen Menschen haben? Ich bin gespannt auf eure Kommentare und mache mich jetzt so langsam daran, unsere Vote-Aktion auszuzählen. Wer gewonnen hat (vermutlich Gufa) erfahrt ihr dann in zwei Wochen.


Bis dahin macht’ gut,
Euer Wenlok




Was für ein Pokémon bist du? wird euch vom YouTube-Team im Rahmen der Bisatainment-Aktionen präsentiert.


Audio: Wenlok Holmes
Aufnahme / Material: Wenlok Holmes & @Nexy
Schnitt: @Nexy
Text: Wenlok Holmes
Vielen lieben dank an @mimikyu für die schönen Geschenke!

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