Was für ein Pokémon bist du? #23: Mewtu

Es ist wieder Zeit für unsere Pokémon-Kolumne Was für ein Pokémon bist du? Diese Frage stellt unser Pokémon-Forscher @Wenlok Holmes an jedem zweiten Donnerstag und nimmt für euch eines der zahlreichen Taschenmonster unter die Lupe. Klickt auf Weiterlesen und entdeckt mit ihm gemeinsam Aktuelles und Vergangenes, Lehrreiches und Kurioses aus 20 Jahren Pokémon-Geschichte. Seinen Bericht gibt es für euch als Text und Video. Ihr habt außerdem die Möglichkeit, anschließend eure Ansichten, Meinungen und Kommentare im BisaBoard zu hinterlassen.




Liebe Bisafans,


bei uns im Bisatainment dreht sich dieser Tage alles um Team Rocket und seine Versuche, über die Erde zu regieren und einen eigenen Staat zu kreieren. Während die organisierte Kriminalität der Spielwelt ihre Rattfratz und Rettan von den Teams zehnjähriger Trainer vermöbeln lässt, sind Jessie und James aus dem Anime auf ihrer ewigen Jagd nach Ashs Pikachu heute noch genauso weit wie in Folge Zwei. Doch dass mit dieser Mafia der Pokéwelt nicht immer alles eitel Sonnenschein ist und das Team auch durchaus eine Schattenseite hat, bekam das Pokémon, von dem ich euch heute berichten möchte, am eigenen Leib zu spüren. Aus der ersten Generation präsentiere ich euch:



#150 Mewtu


Dieses legendäre Psycho-Pokémon hat seine ganz eigene Geschichte zu erzählen: Als eine Gruppe Forscher in den Tiefen des Dschungels auf das sagenumwobene Mew gestoßen war, wurde das Taschenmonster eingefangen und in ein Labor auf der Zinnoberinsel gebracht. Dort extrahierten die Wissenschaflter seine DNA und nutzten sie, um ein neues Pokémon zu kreieren. Mew brachte ein Kind, einen Klon zur Welt – Mew Two, das Genmutant-Pokémon, war geboren.
All dies entnimmt man Forschungsberichten, die der Spieler im verwüsteten Pokémon-Haus auf der Zinnoberinsel einsehen kann. Weiter heißt es darin, Mewtu sei immer stärker geworden und seine unkontrollierbaren Wutausbrüche seien nicht einzudämmen gewesen. Es ist naheliegend, dass es selbst den Ort in Schutt und Asche legte, ehe es ihn für immer verließ.
Anime und Manga erzählen die Geschichte etwas anders: Dort war es kein Geringerer als Team Rocket-Boss Giovanni persönlich, der den Mew-Klon finanzierte. Fasziniert von der Idee des stärksten aller Pokémon habhaft zu werden, beauftragte er die Wissenschaftler Dr. Fuji (ja, der Fuji vom Lavandia-Turm!) und Arenaleiter Pyro mit der Schöpfung Mewtus. Und auch er war es, der Mewtu unter seine Fittiche nahm, nachdem es das Labor dem Erdboden gleich gemacht hatte, in dem es wie ein Forschungsobjekt, eine Laborratte und nicht wie ein denkendes, empfindendes Wesen behandelt wurde.


Laborratten sind es auch, die Mewtus Design und Geschichte inspiriert haben. Sowohl Mewtu als auch Mew haben mit ihren relativ blassen Farben, den Gesichtern und langen Schwänzen durchaus Ähnlichkeit mit jenen Albinoratten, die gemeinhin gerne für wissenschaftliche Experimente genutzt werden. Passend zum Psycho-Typ gelten die Tierchen als besonders intelligent und ich muss bei der ganzen Sache immer ein bisschen an Douglas Adams‘ Buch Per Anhalter durch die Galaxis denken, wo sich herausstellt, dass die Erde eine von Ratten betriebene Simulation ist und die Menschen in Wirklichkeit die Versuchstiere darstellen. Ein Konzept, das sich so eigentlich auch in die Pokéwelt übertragen ließe. Denn man kann ja schon sehr berechtigt fragen: Warum lässt sich so ein Simsala mit seinem IQ von 5000 überhaupt von irgendwem fangen und befehligen?


Während Mewtu in den Spielen nach Abschluss der Pokémon-Liga in den Tiefen der Azuria-Höhle gefunden und gefangen werden kann, lehnt sich das Exemplar im ersten Pokémon-Film tatsächlich gegen die Unterjochung durch menschliche Trainer auf. Zwar hatte der Genmutant Team Rocket eine Zeit lang gedient und Giovanni, dem es gelungen war, die Kräfte des Psycho-Pokémon mithilfe eines Metallgeschirrs zu kontrollieren, geholfen starke Pokémon zu fangen und Kämpfe auszutragen, doch es merkte irgendwann, dass auch der Rocket-Boss wie schon seine forschenden Schöpfer zuvor in ihm nur ein Mittel zum Zweck sah. Überzeugt davon, dass Menschen eine verachtenswerte Rasse seien, die nur nach Reichtum und Macht giert, bricht es aus seiner Zelle im Keller der Vertania-Arena aus und flieht auf eine einsame Insel im Ozean. Es fordert Trainer aus ganz Kanto zum Kampf heraus und kreiert Klone ihrer Pokémon. Dann kommt es zum erbarmungslosen Kampf, in dem Mewtu mit seinem Team aus Klon-Pokémon brutal auf ihre Originale eindrischt – alles, um zu beweisen, dass die Klone genauso stark und wertvoll sind. Sogar Mew erscheint, um das grausame Mewtu zu stoppen, doch der Kampf endet erst als Ash sich selbstlos zwischen die Fronten wirft, um den Pokémon das Leid zu ersparen. Da erkennt Mewtu, dass es sich in den Menschen geirrt hat und es unter ihnen wohl auch einige gute Exemplare gibt.


Dass man Mewtus Attacken eigentlich lieber ausweichen sollte, weiß jeder Spieler, der mal dagegen antreten musste. Geschaffen als stärkstes aller Pokémon hatte es tatsächlich bis zur vierten Generation die höchste Basiswertsumme aller Taschenmonster – abgelöst wurde es dann natürlich vom einzig wahren Arceus. Mittlerweile jedoch ist Mewtu wieder ganz obenauf, da es mit der sechsten Generation zwei Mega-Entwicklungen erhalten hat: Mega-Mewtu X hat den Doppeltyp Psycho/Kampf und ist mit einer Angriffsbasis von 190 eher physisch ausgelegt, während Mega-Mewtu Y, das äußerlich etwas stärker an das ursprüngliche Mew erinnert, mit einer Spezial-Angriffsbasis von 194 dort seine Stärken hat.

Ausgerechnet aus der fünften Generation übrigens, die ja nun herzlich wenig mit ihren Vorgängern zu tun haben wollte, stammt Mewtus Spezialattacke Psychostoß. Das Besondere: Die Attacke nutzt zwar Mewtus immensen Spezialangriffswert zur Schadensberechnung aus, fügt aber physischen Schaden zu, bei dem die Verteidigung, nicht die Spezial-Verteidigung, des Gegners berücksichtigt wird. So kann Mewtu auch solche Pokémon effizient angreifen, die sonst vielleicht nicht so anfällig für seine Attacken wären.
Und wer seine Kämpfe gerne in Super Smash Bros. austrägt, konnte Mewtu dort übrigens bereits in Melee einsetzen. Seit geraumer Zeit ist es auf dem 3DS bzw. der Wii U zudem als DLC verfügbar. Zu seinem Repertoire gehört hier unter anderem der Spukball, eine Attacke, die es bereits im Film einsetzte.


Nach dem ersten Film tauchte Mewtu im Anime übrigens noch einige Male auf und auch ein gänzlich anderes Exemplar, ebenfalls erschaffen von einer Gruppe skrupelloser Wissenschaftler, erschien während der Best Wishes-Staffel – doch das sind Geschichten für ein andermal.





Und damit schließen wir für heute. Wie findet ihr Mewtu? Nehmt ihr seine Mega-Entwicklungen mit ins Team oder sind sie euch gar zu stark? Und fallen euch noch andere Pokémon mit tragischer Hintergrundgeschichte ein? Ich freue mich auf eure Kommentare!
Und wenn ihr eure Meinung zu Team Rocket loswerden wollt, seid ihr in unserem Aktions-Thread an der ganz richtigen Adresse! Diese Ganoven werden in den nächsten Tagen verstärkt im Fokus unserer Bisatainment-Aktionen stehen.
Im zwei Wochen sehen wir uns mit einem Beitrag zu unserem Hate-Vote wieder (wer noch nicht abgestimmt hat, kann das noch bis Dienstag tun).


Bis dahin macht’s gut,
euer Wenlok


PS: Wir begrüßen ganz herzlich unsere neue Cutterin @blechkitti im Team!




Was für ein Pokémon bist du? wird euch vom YouTube-Team im Rahmen der Bisatainment-Aktionen präsentiert.


Audio: Wenlok Holmes
Aufnahme / Material: Wenlok Holmes & @blechkitti
Schnitt: @blechkitti
Text: Wenlok Holmes

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