Was für ein Pokémon bist du? #24: Die unbeliebtesten Pokémon des BisaBoards

Es ist wieder Zeit für unsere Pokémon-Kolumne Was für ein Pokémon bist du? Diese Frage stellt unser Pokémon-Forscher @Wenlok Holmes an jedem zweiten Donnerstag und nimmt für euch eines der zahlreichen Taschenmonster unter die Lupe. Klickt auf Weiterlesen und entdeckt mit ihm gemeinsam Aktuelles und Vergangenes, Lehrreiches und Kurioses aus 20 Jahren Pokémon-Geschichte. Seinen Bericht gibt es für euch als Text und Video. Ihr habt außerdem die Möglichkeit, anschließend eure Ansichten, Meinungen und Kommentare im BisaBoard zu hinterlassen.




Hallo und herzlich willkommen zu einer ganz besonderen Ausgabe von Was für ein Pokémon bist du? Besonders deshalb, weil ich euch heute die Ergebnisse unserer letzten Vote-Aktion vorstellen möchte. Ich hatte die User des BisaBoards gefragt: Welche Pokémon könnt ihr am wenigsten leiden? Welches sind die unbeliebtesten? Jeder konnte bis zu fünf Stimmen abgeben, so dass es mir am Ende auch sinnvoll erscheint, euch nun die Top 5 zu präsentieren. Dabei möchte ich nicht nur beleuchten, was diese Pokémon aus Sicht unserer Community so hassenswert macht, sondern auch versuchen, den betroffenen Taschenmonster hier und da womöglich ein bisschen was Positives abzugewinnen. Und vielleicht kann ich euch ja doch noch mit dem ein oder anderen Pokémon versöhnen. Los geht’s!



Platz 5 – Grebbit


Eigentlich ist das kleine Scoppel ja ein ganz putziges Häschen. Eigentlich. Aber dann passiert ihm etwas, unter dem viele Pokémon leiden: Nach der Entwicklung ist es mit der Niedlichkeit dahin. Doch das ist nicht alles. Denn Grebbit ist in den Augen vieler einfach nur hässlich, schmutzig und ungepflegt. Es hat überall braunen Dreck, der im Gesicht auch noch an unrasierte Bartstoppeln erinnert, einen ungünstig platzierten gelben Fleck vorne im Fell und sein selbstgefälliger Blick hilft ihm mit Sicherheit auch nicht weiter. @Dragica sieht in ihm einen „ekelhaften, fetten Hasen, der mit vollgeschmierten Unterhemd vor dem Fernseher sitzt und darauf wartet, dass sein sexy Schlapor nach Hause kommt und ihm endlich etwas zu Essen macht“, während @Adurna sich an einen Bauarbeiter erinnert fühlt, der „minderjährigen Mädchen auf der Straße hinterherpfeift und dessen dreckiges Grinsen [sie] niemals bei Nacht in einer dunklen Gasse treffen möchte“ – selbst dann nicht, wenn er ihr „einen echten Hasen“ zeigen wollen würde. Ziemlich besorgniserregend.
Doch auch wenn Grebbit äußerlich nun wirklich wenig hergibt, kann es im Kampf mit seiner Versteckten Fähigkeit Kraftkoloss seinen Angriffswert verdoppeln und zudem auf einen breiten Movepool zurückgreifen. Dadurch wird es schon zu einem beachtlichen Kämpfer. Und wer das gerne mal in seinem Team ausprobieren möchte, aber Grebbits ungepflegtes Aussehen scheut, dem sei das Shiny empfohlen. Gehalten in einem gedeckten Silbergrau sieht es wesentlich reinlicher und damit automatisch annehmbarer aus.


Platz 4 – Deponitox


Dieses Pokémon ist schlicht und ergreifend ein Haufen Müll – das kann selbst ich nicht schönreden, das ist einfach so. Das Problem ist aber vor allem, welche Assoziationen dieses Design weckt. Denn unter seinem aufgeplatzten Müllbeutel besteht Deponitox aus dieser braunen, nicht näher definierten Masse, von der zum Beispiel @Bailong nicht wusste, „dass man Kot so hoch stapeln kann.“
Dass das Müllhalden-Pokémon jedoch „auf einer moralischen Ebene sehr gelungen“ ist, hat @Kukkisa erkannt. Denn das Taschenmonster lebt dort, wo es Unmengen an Müll zu verschlingen gibt und passt somit perfekt in die amerikainspirierte Einall-Region, wo man es in der Nähe der riesigen Shoppingmall auf Route 9 antreffen kann. Wo Konsum großgeschrieben wird, entsteht schließlich auch eine Menge Abfall. Ob man dieses Häufchen Elend deshalb nun in seinem Team braucht und ob Pokémon-Spiele wirklich der richtige Ort für derartige Sozialkritik sind, das sei mal dahingestellt.


Platz 3 – Alola-Digdri


Haarpflege bis in die Spitzen – was Claudia Schiffer sich wert ist, ist es sich Alola-Digdri sowieso und schwört auf L’Oréal Paras, das Erfolgsshampoo aus Kalos. Trotzdem halten die meisten von euch es eher für ein Topf-Model; die Beach Boy-Mähne kommt irgendwie einfach nicht gut an.
Dabei hat das ganze einen durchaus interessanten Ursprung, der uns geradewegs nach Hawaii führt: Dort produzieren die Insel-Vulkane nämlich das sogenannte Pele-Haar, dünne Glasfäden, die bei Ausbrüchen aus der Lava entstehen und in der Landschaft zurückbleiben. Benannt ist es nach der hawaiianischen Vulkangöttin Pele, deren anmutige Verkörperung Alola-Digdri auch darstellen soll.
Was mich persönlich an dieser Neuauflage Digdris übrigens am meisten nervt ist die neue Fähigkeit Lockenkopf. Bei jeder Berührung mit dem Gegner senkt sie dessen Initiative. Nicht nur, dass Digdri ohnehin schneller ist als die meisten anderen Pokémon, die dabei eingeblendete Bildschirmnachricht macht das Kämpfen auch noch unglaublich zähflüssig. Da bleibe ich lieber bei He-Man-Memes!


Platz 2 – Die Ultrabestien


Diese Gruppe neuartiger Gestalten musste ich für unsere Abstimmung zusammenfassen, denn bereits während der Nominierungsphase wurde deutlich, dass die Ultrabestien hochgradig unbeliebt sind. Die Kritik lautet dabei immer gleich: Die ein oder andere Bestie sei ja noch ganz in Ordnung, aber eigentlich sähen die alle gar nicht aus wie Pokémon und was GameFreak sich dabei denn bitte gedacht habe. Overdesigned ist dabei so ein Schlagwort, dass sie nicht mehr aussähen wie Pokémon. Ob sie das überhaupt sollen, ist dabei so eine Frage, schließlich handelt es sich ja eigentlich um Wesen aus einer anderen Dimension. Und so kontert @Slim: „Stell dir vor, Aliens würden in unsere Welt kommen und sähen so aus deine Nachbarn und Verwandten. Ich jedenfalls käme nicht darauf klar.“ – Da ist was dran.

Dabei greifen die Ultrabestien designtechnisch auch auf nichts anderes zurück als die anderen Pokémon auch: hier ein paar Tiere, dort ein bisschen japanische Mythologie, dann noch was Technologisches. Die wohl ausgefallenste Idee steckt dabei hinter Kaguron: Das Design basiert auf dem japanischen Märchen der Mondprinzessin Kaguya, die auf der Erde gelandet war und dort von einem Bambussammler großgezogen wurde – von hier hat Kaguron diese bambusartigen Stäbe. Allerdings war Kaguya auch eine Raumsonde, die 2007 ins All geschossen wurde, um den Mond zu umkreisen – und deshalb sieht Kaguron auch ein bisschen aus wie ein Raumschiff. Natur und Technik vereint, das war hier wohl die Idee. Die eigentliche Mondprinzessin soll übrigens wunderschön gewesen sein – von der Ultrabestie kann man das jetzt nicht unbedingt behaupten …


Platz 1 – Alola-Snobilikat


Großmutter, warum hast du so einen großen Kopf? Wäre der böse Wolf ein Alola-Snobilikat, hätte er wohl geantwortet: „Weil die Menschen in Alola gerne runde Dinge mögen und ich ihnen gefallen wollte.“ – Schön und gut, aber zu welchem Preis denn bitte?
Ich kann euch auch nicht sagen, was mit diesem Pokémon schiefgelaufen ist, das als Alola-Mauzi noch so unglaublich lässig aussah. Hatte es einen unglücklichen Unfall mit einer Fahrradpumpe? Wurde es von einer atomar verstrahlten Biene gestochen? Fragen über Fragen. Was ich euch aber sagen kann: Das Ganze ist eigentlich eine Anspielung auf die in Japan beliebte Katzenrasse British Shorthair (auch British Blue genannt). Und die zeichnet sich nun mal durch einen vergleichsweise großen Kopf aus. Schön ist das deshalb noch lange nicht.
Ich persönlich hätte beim Spielen übrigens über den großen Kopf noch hinwegsehen können, doch mich störten dann die etwas mageren Statuswerte des Pokémon. Mit seiner Fähigkeit Techniker ist es zwar zu Beginn des Spiels noch einigermaßen gut einsetzbar, irgendwann überlebt sich das Ganze jedoch leider und es wird einfach Zeit für die Box. So hat Alola-Snobilikat leider weder optisch noch kampftechnisch wirklich viel anzubieten. Vorne wie hinten ein Reinfall.


Fazit


Was durchaus auffällt ist, wie die Neuerungen aus Pokémon Sonne und Mond diesen Hass-Vote dominiert haben. Die Enttäuschung ob der neuen Spielelemente und der oftmals skurril-komischen Alola-Formen ist offenbar sehr groß und hat sich hier zum Ausdruck gebracht.
Wir sehen, wie wichtig in allererster Linie das Aussehen für ein Pokémon ist. Ob es schwach ist wie Sonnkern oder rumnervt wie Zubat, all das macht es offenbar lange nicht so viel aus wie wenn man sich am ganzen Körper mit Exkrementen einreibt.
Mit der siebten Generation hat GameFreak sich an Neuem versucht und wollte alte Verkrustungen aufbrechen. Doch unsere Community scheint kollektiv der Ansicht zu sein, dass man es damit auch zu weit treiben kann. Während man sich in Japan über die fast schon parodistischen Neudesigns einiger Gen.1-Pokémon sicher köstlich amüsiert hat und die Ultrabestien offenbar zum Anlass für Ultraeditionen reichten, kommt das alles hier einfach irgendwie nicht besonders gut an. Innovation also mit Vorsicht, denn es heißt ja auch: Never change a running system.




So und das war’s. Wie steht ihr zum Ergebnis unseres Votes? Gibt er eure Meinung wieder? Oder mögt ihr gar einige dieser Pokémon? Ich bin gespannt auf eure Ansichten!


Euer Wenlok




Was für ein Pokémon bist du? wird euch vom YouTube-Team im Rahmen der Bisatainment-Aktionen präsentiert.


Audio: Wenlok Holmes
Aufnahme / Material: Wenlok Holmes & @blechkitti
Schnitt: @blechkitti
Text: Wenlok Holmes

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