Negroni

Sláinte, meine Dullis.


Wir haben uns hier zusammengefunden, um zu zelebrieren, dass einmal mehr Feierabend ist. Hoffe ich jedenfalls für euch. Ich jedenfalls kipp mir jetzt einen hinter die Binde und lasse euch literarisch daran teilhaben, toll, oder?


War vorhin einkaufen und hatte noch so -25-%-Rabatt-Sticker, also erstmal irgendne Alkflasche genommen, die eh hart überteuert ist, damit die -25 % auch lohnen. Daheim angekommen lasse ich den Blick über meine Bar schweifen und überlege, was man aus Alt und Neu denn so zusammenschustern könnte. Ich entscheide mich für einen Klassiker, den ich noch nie probiert habe: den Negroni.

AN DER STELLE NOCHMAL FETTE WARNUNG, DASS U18-MENSCHEN DAS HIER NICHT NACHMACHEN SOLLEN.

ALSO. Was gehört denn rein in so 'nen Negroni?

-1 oz. Campari (komischer Bitterlikör mit diversen Frucht-, Kräuter- und sonstigen Aromen)

-1 oz. Gin (klarer Schnaps, der mit Wacholder und weiteren Kräutern aromatisiert wird)

-1 oz. roter Wermut (süßer Likörwein, der mit Kräutern und anderem Tand aromatisiert wurde)


1 oz. (eine Unze) misst ungefähr 30 ml.

Ich schmeiß die 3 Zutaten in ein Mischglas, werfe Eis dazu und rühre mit einem Barlöffel solange rum, bis ich denke, dass genug Eis geschmolzen ist, um den Drink gleichermaßen zu kühlen wie auch ein wenig zu verwässern. Immerhin verwenden wir hier grad nur alkoholhaltige Komponenten und würden bei einem Alkoholgehalt von etwa 26 % rauskommen. Das soll hier eigentlich eher was zum Genießen und nix zum Sich-Abschießen werden, also Eis -> umrühren -> gekühltes, mit Wasser versetztes Getränk in frisches Glas mit Eis gießen. Das Ganze sieht dann wie auf dem Bild aus.


Also gut, wie schmeckt das Zeug denn nun? Wenn man sich die Zutaten ansieht, kann man schon mal spekulieren, dass es auf jeden Fall sehr kräuterlastig wird und auch einiges an bittersüßen Aromen vom Campari durchkommen sollte. Vorsichtig probier ich ein Maul voll und stelle fest...interessanter Geschmack. Also ich mach 'nen Schluck und krieg die Fruchtaromen vom Campari und die Klarheit des Gins komplett ab, aber nach einigen Augenblicken wird es sehr bitter im Mund, was mir gekoppelt mit dem sich bemerkbar machenden Alkohols 'ne ordentliche Schelle verpasst. Ein paar Sekunden später verfliegt das alles allmählich und hinterlässt einen süßen, hustensaftartigen Geschmack, der wohl vom Wermut ausgeht. Ich kann jetzt echt nicht sagen, dass ich das sonderlich geil finde, weil ich lieber einfach irgendne süße Plörre trinke, aber mal Realtalk: Auf "interessant" kann man sich hier unironisch einigen. Der Cocktail hat 'ne Komplexität, die man ohne groß Ahnung von Alkohol gut erkennen kann und erfaltet diese ziemlich straight-forward.


Also ich glaub, dass ich den jetzt so schnell nicht wieder brauch, weil mir langsam schlecht wird und ihm deswegen auf der Gourmetmeinung so 'ne 3.7/10 gebe, aber für Feeling, Swag und Konzept gibt's stabile 8/10. Liebe geht raus.