DirTea


Pokémon Karmesin und Purpur sind erschienen!


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„Viele Leute scheißen in den Fluss.“

-Mahatma Gandhi vor der Schlacht um Helms Klamm



Nunmehr ein halbes Jahr lebe ich in der Bundesrepublik. Ich bin gefangen zwischen teuren Handyverträgen, verspäteten Zügen und der NPD im Kreistag. Alles halb so wild, kann ich doch jeden Abend zu Lidl gehen, um mir 800 g feinstes Haltungsform-1-Hack für 2,19 € zu genehmigen, um die Fahrtkosten dank des fehlenden Jobtickets auszugleichen. Na na, bevor mir jetzt jemand auf die Barrikaden stürmt: Ich hab das nur ein(1)mal gemacht! Ansonsten gibt’s mittlerweile doch tatsächlich recht viel Bio-Zeug auf meinem Speiseplan, einfach weil ich’s mir zum ersten Mal in meinem Leben leisten kann. Und als Besserverdienende gehe ich dafür dann natürlich auch zu Rewe. Und hier eine Sache, die ich an dem Laden richtig super finde: Jeder Lelek kann einen Distributionsdeal mit dem Kackverein ausmachen und seine selfbranded Scheißprodukte auf den Massenmarkt droppen. Wir erinnern uns aus der Vergangenheit an die optional-vegetarische Concrafter Pizza, abgelöst von der „Gangstarella“ Pizza von Capital Bra, der außerdem noch den BraTea-Eistee verbrochen hat. Aber er ist nicht der einzige, der meinte, einen selfbranded Eistee auf den Markt zu werfen. Jedes Mal wenn ich einkaufen gehe, seh ich irgendwelche Mittzwanziger, die sich wahlweise seinen Eistee gönnen, oder aber jenen der Konkurrenz: den DirTea von Shirin David. Wir sind ja alle Feministen und kaufen demnach eher das Produkt, mit dem wir finanziell eine Frau unterstützen, die nach Nicki Minaj für Arme aussieht, wobei Nicki Minaj schon Nicki Minaj für Arme ist.


Den Spaß gab’s in zwei Geschmacksrichtungen: Candy Shop und Busty Blueberry. Weil ich mich noch gut an Webu Johnsons Abenteuer mit dem Zuckerwatte-Energydrink erinnere und wie er ob dessen lamentierte und malträtiert den Boden knuddelte, nehm ich stattdessen den Tittenwitz auf meine Kappe und hol mir das Heidelbeerzeug.


Sehen wir uns das Produkt erstmal an: Hergestellt von der Drinks & More GmbH, deren Haftung so beschränkt ist, damit eine potenziell produzierte Biowaffe sie nicht in die Privatinsolvenz treibt. Auf der Verpackung wird man direkt dazu aufgefordert, @dirtea auf Instagram und Tiktok zu folgen. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie ein Eistee-Tiktok-Channel aussehen will, also leiste ich dieser Forderung einfach mal keine Folge. Aber vielleicht schmeckt das Produkt hier ja so gut, dass ich das noch nachholen werde. Was haben wir noch auf der Verpackung? Oben über dem Ausguss ist so ‘ne Alublende, die man z.B. von Sanpellegrino-Dosen kennt, natürlich mit dem Wap-Face von Shirin herself darauf. Die entferne ich an der Stelle mal unverzüglich. Die Farbe der Dose würde ich als Flieder beschreiben, also hat der Blaubeersaft hoffentlich die gleiche Farbe.


Ansonsten stehen natürlich noch Nährwerte und Inhaltsstoffe oben drauf: Wir haben 32 kcal/100 ml, was deutlich weniger als beim All-time-Top-Referenzprodukt Coca Cola mit afaik 42 kcal/100 ml war. Eistee kommt nur nicht so frontloaded mit Säuerungsmitteln daher, erst recht nicht, wenn es kein Zitroneneistee ist, was dann natürlich den Süßungsbedarf deutlich reduziert. Selbst gewöhnlicher Zitroneneistee von Pfanner oder Lipton fährt ungefähr 28 kcal/100 ml auf. Also entweder ist die Heidelbeere im Getränk richtig sauer oder das Zeug wird süß ohne Ende. Gucken wir mal auf die Inhaltsstoffe:


Wasser, Zucker, Heidelbeersaft aus Heidelbeersaftkonzentrat (1 %), Holunderbeersaft aus Holunderbeersaftkonzentrat, Zitronensäure, natürliches Aroma, Schwarztee-Extrakt (0,12 %), Trinatriumcitrat.


Ja cool. Ich les eine Zeile drüber auch gleich „Erfrischungsgetränk mit Schwarztee-Extrakt“. Zum Vergleich mal die Definitionen von herkömmlichem Eistee, den man tatsächlich saufen kann:


Schwarztee-Getränk mit [hier Geschmacksrichtung einfügen]-Geschmack, direkt aufgebrüht aus schwarzem Tee.

Eisteegetränk mit erfrischendem [Geschmacksrichtung]-Geschmack

Eistee [Geschmacksrichtung] aus Schwarztee


Sogar fucking Club Mate als „Erfrischungsgetränk auf Mate-Basis“, das ja mal so gar nicht nach Tee schmeckt, kommt mit 0,4 % Mate-Extrakt daher. Ich erwarte also schlimme Dinge.


Tl;dr so far: Wir haben Influencer-Gesöff mit zu viel Zucker und zu wenig Tee.


Dann beginne ich mal mein Martyrium und gieße das Getränk in ein Shotglas, weil ich nicht erwarte, mehr davon zu schaffen. Erster Minuspunkt: die Optik. Das Getränk weist einen komplett anderen Farbton auf als die Dose. Außerhalb der Konzentrate also kein Farbstoff, aber an der Stelle wünsche ich mir, es wäre welcher drin. Beim Nosing vernehme ich feine Noten von Minze und Fruchtiger. Ja, das wär’s dann eigentlich auch schon. All das macht mir ja mal richtig Unlust auf die anstehende Verkostung. Ich folge also der Tugend „hau weg die Scheiße“ und hau die Scheiße weg. POAH. Würd ich dafür eine Formel schreiben müssen, dann wäre diese:


DirTea = x * Fruchtiger + x * Wasser + 1 Hustenbonbon + 300 Zucker


Die Heidelbeere kann ich nur deshalb als Heidelbeere einordnen, weil das Zeug wie die abgestandene Version von so ‘nem 40-Cent-Clever-Energy mit Blaubeergeschmack schmeckt. Fun Fact: Dieser Energydrink hat als Geschmacksträger Schwarzkarottenextrakt, also nix mit Blueberry an der Stelle. Ich mach noch ‘nen Schluck von dem Gesöff und werd eindeutig nicht glücklicher. Schuld und Scham überkommen mich, da Shirin David dank mir gerade wahrscheinlich 40 Cent verdient hat. Das entspricht etwa 125 Spotify-Streams. Zum Vergleich: Ich nutze Spotify seit 3,5 Jahren und in der Zeit habe ich exakt 29 Artists mehr als diese 125 Streams zukommen lassen. 29 von insgesamt 3.636 verschiedenen. Der Kauf dieser Dose-Eistee würde also bedeuten, dass ich Shirin David finanziell in etwa so sehr unterstütze wie das oberste Perzentil der von mir gehörten Musiker:innen, die ich im Gegensatz zu ihr auch tatsächlich gut finde.


Mir wird an der Stelle schlecht, Leute. Bei der Gourmet-Meinung muss ich nicht lange fackeln und gebe 2.6/10 Punkte für trinkbares Zuckerwasser, mit dem ich in keinsterweise Spaß hatte. Ich entschuldige mich bei meiner Freundin, dass sie mich auf diesem Leidensweg begleiten musste, und bei euch, die ihr auch Teil dieser Erfahrung geworden seid. Hätte lieber gezuckertes Gangeswasser gesoffen. Hätte eindeutig interessanter geschmeckt.



xoxo

Kommentare 4

  • Ich bin so froh, dass ich keinen Eistee trinke, sonst hätte ich dieses Gesöff wahrscheinlich auch schon probiert. Danke, dass du das jetzt für mich erledigt hast, bei 2.6 Punkten spare ich das Geld lieber für meine Monster Energy Obsession auf, HAH.

  • Hast du es denn auch geschüttelt? Angeblich soll es danach so viel besser schmecken.

  • Ich fühle mich für die Markierung geehrt, schon konnte ich dich von Candy-Shop-Zukerwattenpupsdingens überzeugen, oder eben nicht! :D


    Wieder einmal ein herrlicher Artikel mit sehr viel Witz und Humor, auch wenn ich normalerweise einen etwas anderen Humor besitze, schaffst du es doch immer wieder, mich zum Schmunzreln zu bringen, dafür bin ich dir dankbar, weiter so!

    Danke 1