Met ansetzen | Homebrew Talk #001

Salut, meine Freunde, salut~


heute widmen wir uns etwas besonders Feinem: der Herstellung von Alkohol! Wenn ihr also u18 seid, dann geb ich euch hiermit die Anleitung, wie ihr euren mittelprozentigen Alkohol ganz einfach daheim machen könnt, ohne im Supermarkt an der Kasse peinlich berührt "I-ich hab meinen Ausweis vergessen" stammeln zu müssen... (wenn ihr das mit u18 macht, dann komm ich btw persönlich zu euch und verprügel euch. Keine Macht den Drogen, amk).


"Aber, werte Sternenprinzessin Jacqueline V.C.N.C., was ist denn Met überhaupt?"

Gut, dass ihr fragt. Bei Met handelt es sich um nichts Geringeres als Honigwein. Wer in Chemie aufgepasst hat, der weiß, dass Hefekulturen Zucker "veratmen" und im Zuge dessen im Wesentlichen zu Alkohol (Ethanol) und Kohlenstoffdioxid (CO2) umwandeln. Bei normalem Wein nimmt man eben Traubensaft und lässt die Hefe vom Fruchtzucker naschen - bei Met verwendet man halt einfach Honigwasser. Ziemlich straight forward eigentlich.


Ich bin ja mittlerweile ein Großmeister auf diesem Gebiet, habe ich doch bereits im Mai dieses Jahres einen herrlichen Metansatz mit der hervorragenden und äußerst renommierten Turbo-Hefe unternommen. Das Resultat hat nur ziemlich scheiße geschmeckt und hatte >20 % Alkohol (normaler Wein hat irgendwie 10 - 12 %), also will ich's diesmal nochmal wie ein zivilisierter Mensch machen. So zivilisiert, wie man eben ist, wenn man in der Küche seiner Oma seinen eigenen Wein herstellen will. Bin dann mit diesem Panpan 50 km in die Provinz gefahren (natürlich mit dem Zug, weil #klimawandel) und haben im Homebrew-Store des Vertrauens alles Nötige besorgt. Wenn ihr hier play-along spielen wollt, dann hier einmal die Zutaten (im Spoiler, weil ziemlich lang):



So ein Met ist eigentlich ziemlich schnell angesetzt, aber davor muss man noch mal das Gear desinfizieren - wenn man das nämlich nicht macht, dann hat man nachher ziemlich viel Scheiße, d.h. Dreck und kA was für räudige Bakterien und Keime im Met - und da man den jetzt eigentlich ein paar Monate lang rumstehen lassen will, bevor man ihn trinkt, sollte man vielleicht doch ein paar Vorkehrungen treffen, dass das Resultat nicht etwa so'n Hochgenuss, wie z.B. Ranzige Salami , wird. Was das auf Deutsch heißt? Essig. Weil wir keinen Essig, sondern bekömmlichen, deliziösen Honigwein wollen, desinfizieren wir gründlich. Dazu könnt ihr jetzt 'nen fetten Bottich mit kochendem Wasser vorbereiten, eure Behälter damit auswaschen oder einfach warmes Wasser + lebensmitteltauglichen Industriereiniger verwenden. Die Anzahl der Keime in unserem Gear sollte danach ungefähr mit den Geschlechtsteilen abzählbar sein. Die Wurstfinger also bitte auch waschen - UND NICHT DAMIT VOM HONIG NASCHEN, SONST GIBT'S ESSIG.


Nachdem alles sauber ist, hat man eigentlich auch schon alles geschafft, das irgendwie einer Erklärung bedarf. Man nimmt 4 l Wasser, ca. 1 bis 1,5 kg Honig, 'ne Messerspitze Nährsalze und wirft das in den Gärbehälter. Dann schüttelt man den anständig, damit sich der Inhalt auch vermischt (Profis erhitzen das Ganze vorher auf so 35 °C, was ich - ÄHÄM - natürlich gemacht hab und sich der Honig jetzt nicht am Boden absetzt). Parallel dazu setzt man in 30 °C warmem Wasser (ca. 'n Maul voll) 'nen halben Teelöffel Hefe an. Da wir eine Trockenhefe verwenden, muss diese nämlich rehydriert werden, bevor wir komische Sachen damit machen! Nachdem das Zeug nach ~10-20 Minuten dann halbwegs nach Hefepampe aussieht und auch nach solcher riecht, kippt man sie lieblos zum Honigwasser in den Gärbehälter. Gummistopfen und einen zur Hälfte mit Wasser gefüllten Gärspund drauf. Und jetzt darf man so 151325 Jahre warten und hoffen, dass was passiert. Und vor allem, dass es kein Essig wird.


Ihr seht hier an der Seite schon mal meinen tollen Ansatz. Da hat sich, weil ich Larry das natürlich nicht anständig temperiert hab, der Honig unten abgesetzt. Erfahrungsgemäß ist das aber scheißegal, solang das Wasser selbst schon nach Durchfall aussieht, weil das bedeutet, dass genug Zucker enthalten ist, sodass die Hefe arbeiten kann. Man SOLLTE das Zeug jeden Tag einmal schütteln/schwenken/umrühren (letzteres ist nicht zu empfehlen, weil Essig), damit immer genügend Zucker für die Vergärung freiliegt. Bei meinen bisherigen Experimenten war die Hefe aber intelligent genug, um sich den Zucker einfach von der Wasser-Honig-Grenze hochzuholen.


"Aber, holde Sternenprinzessin: Wieso kann ich das nicht einfach in 'ne normale Flasche oder so tun, ohne diesen dummen Gummidreck da oben drauf?"

Tja, Jimmy, es gibt da ein Sprichwort: ALLAHU AKBAR. In diesem Gärbehälter bildet sich jetzt nämlich ziemlich viel CO2. Und das würde recht gern aus der Flasche raus. Wenn du jetzt also einfach 'nen Korken reinhaust, dann fliegt dir im besten Fall der Korken davon und im schlimmsten Fall fliegt dir die Flasche um die Ohren - und dann hast du halbvergorenes Honigwasser in deiner Wohnung. Willst du das, hm? WILLST DU DAS? JA? OK, DANN MACH DAS SO. Wird vermutlich außerdem zu Essig. Will ich jedenfalls nicht, also nehm ich den Gummistopfen mit 'nem Loch drin, wo ich den Gärspund reinsteck, der zur Hälfte mit Wasser voll ist. Das hat nämlich 'nen tollen Effekt: Wenn der Druck im Gefäß steigt, dann will das CO2 oben entweichen, geht dann in den Gärspund hoch und drückt sich als Bläschen durch das darin befindliche Wasser - von außen kann jedoch keine Luft hinein, weil Druck und so. Toll, hm? Ist außerdem recht praktisch, weil so dumme Drosophilidae (Fruchtfliegen), die gerne Essig aus unserem Wein machen würden, immer aus dem Nichts auftauchen, sobald ich beschließe, dass ich Met machen will. Musste drei davon erschlagen, hab mir danach panisch die Hände gewaschen und gebetet, dass keine Essigbakterien in meinen Honig gelangt sind. Wenn der Gärspund sitzt, ist eigentlich alles getan. Hab den Behälter jetzt an 'nen 24-°C-warmen Ort gestellt für die ersten paar Tage. Dauert jetzt nämlich ein bisschen, bis die Hefe sich in ihrem neuen Heim eingelebt hat und mit der Vergärung beginnt.


Nun gut, das ist ja eig immer noch ein Foodblog, also kurze Review vom Honig: DER IST GEIL. Das ist so schöner kandisfarbener Waldhonig. Intensiver, vollmundiger Geschmack, würzig mit einer leichtherben Note im Bouquet. Normaler Honig ist ja schon brutal süß, aber bei dem kommt die Süße durch diesen kräftigen Geschmack noch einmal besonders deutlich hervor, ohne unangenehm zu sein. Also schon so'n stabiler 8.1/10 Honig.


Etwa 30 Minuten, nachdem ich den Ansatz an seinen Platz gestellt hab, konnte man bereits folgendes Naturphänomen beobachten:


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Kommentare 4

  • Mir gefällt die Einleitung sehr. Und insgesamt 1 sehr guter Blog-Beitrag.

    • Lieber Gully,


      vielen Dank für Deinen Kommentar. Deine Meinung liegt uns sehr am Herzen und darum freut es uns umso mehr, dass du unseren Content als so positiv empfindest.


      Einen guten Tag wünscht Dir

      Dein Zeug Fressen Team!

    • Hab jetzt sogar ein funktionierendes Abo, mit BENACHRICHTIGUNG!!! :D

  • Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich dieses Qualitätsjournal, das da auf dem Tisch betrachtbar ist, nicht gelesen habe - würde ich btw auch niemandem empfehlen, der gerne längerfristig in einwandfreier geistiger Verfassung bleiben möchte.