Klopapier

„Auf dem Donnerbalken saßen zwei Gestalten, und sie schrien nach Klopapier (KLOPAPIER!).“

-altes Volkslied



Jeder von uns kennt das: Man geht in den Supermarkt und findet kein Klopapier vor. Der durchschnittliche Alman verbraucht laut Statistik 134 Rollen Klopapier im Jahr.[1] Dies bedeutet, dass man durchschnittlich alle 2,72 Tage eine Rolle Klopapier pro Kopf benötigt. Bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von ziemlich genau 2 Personen pro Haushalt[2] und der überraschend hohen Durchschnittszahl von 210 Einkäufen pro Jahr und Haushalt[3] bedeutet dies, dass im Schnitt bei jedem fünften bis sechsten Einkäufer ein Päckchen Klopapier im Einkaufswagen liegen sollte. In Wahrheit hat aktuell allerdings jeder Hurensohn mindestens zwei Familienpackungen von dem Zeug dabei. Wohin also mit dem Zeug? Gibt es eine europaweite Dünnschiss-Epidemie? Ich, Jacqueline C. Mühling, die Journalistin eures Vertrauens, bin der Sache auf den Grund gegangen.


Die Antwort ist so ungewöhnlich und doch so denkbar einfach. Die Erklärung findet sich bei der Restaurantkritikerin Maria Amjad, bekannt durch die Qualitätsserie „Mitten im Leben“ des deutschen Traditionssenders RTL. Diese hat bereits 2011 festgestellt, dass Klopapier ein ausgesprochen erlesenes Genussmittel sein kann, vor allem, wenn man dieses mit Kakao kombiniert.[4] Durch seine Mehrlagigkeit gilt Klopapier bei Kennern auch als der Blätterteig des kleinen Mannes. Und beginnend mit Februar dieses Jahrs schlug das 1- bis 4-lagige Hygieneprodukt in den Fusionsküchen von hippen Jugendzentren, wie Berlin-Kreuzberg oder am Prenzlauer Berg, Wellen. Wir von „Zeug fressen“ haben uns von der unorthodoxen Delikatesse nicht abschrecken lassen und selbst Hand angelegt.


Heute im Test haben wir die Hausmarke eines ostmarkischen Kettensupermarkts der REWE-Gruppe. Das Produkt weist eine deutlich sichtbare Porung, 3 dünne Papierschichten sowie ein simples Blumenmuster im Relief auf. Bei der Farbe handelt es sich um Elfenbein und beim Aroma um „Natur“. Dies bedeutet, dass keine Parfümstoffe zum Einsatz kamen, was dem Klopapier seinen milden, sauberen und klaren Geruch von Kartonage und Knäckebrot verleiht. Bei der Verkostung konnte ebenfalls eine leichte Süße vernommen werden, welche ich als Vanille definieren konnte. Erlesen! Durch diese Geschmackskomponente sowie das Aroma von Knäckebrot bietet es sich besonders für die Kombination mit süßen Brotaufstrichen an. Der Geschmackstest: Harmoniert tatsächlich gut mit Nutella.


Die Kehrseite ist allerdings das Mundgefühl. Während Knäckebrot durch Knusprigkeit, Körnigkeit und Ballaststoffe besticht, weist Klopapier de facto keinen Nährwert auf und fühlt sich im Mund wie ein alter, labbriger Kaugummi an. Das Kauen ist definitiv kein Vergnügen, und auch insgesamt muss man leider sagen, dass die Textur gegenüber herkömmlichen Brotsorten definitiv unterliegt. Der Geschmack diverser Beläge gewinnt aufgrund der dünnen Fertigung schnell die Überhand, allerdings ist es auch keine Alternative, einfach mehrere Schichten Klopapier zu kombinieren, da so schnell die Feuchtigkeit fehlt, um das Produkt verzehrfähig zu machen. #zimtchallenge Durch die geringe Dicke und seine Saugkraft eignet es sich nicht einmal als Yufka-Ersatz, um etwa einen Klopapierdürüm zu kredenzen. Schwach, ausgesprochen schwach.


Alles in allem kann man sagen, dass diese ausgeflippte Idee zwar ihren Charme besitzt, als tatsächliches Lebensmittel jedoch weit abgeschlagen hinter trocken Brot liegt. Ich vergebe 2.2/10 Punkte als Gourmetmeinung und finde, dass Leute mal aufhören sollen, 500 kg Klopapier zu kaufen und so zu tun, als würd‘ übermorgen der Krieg ausbrechen. Man kann sich den Hintern immerhin auch mit der Hand und klarem Wasser abspülen – oder alternativ die Methode mit dem Mittelfinger und der Ecke anwenden. Danke.



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[1] Brandt, Mathias

2018 Und sie schrien nach Klopapier. Statista.com. Website.


[2] Umweltbundesamt

2018 Bevölkerungsentwicklung und Struktur privater Haushalte. Umweltbundesamt.de. Website.


[3] Heinrich, Philipp

2020 Anzahl der jährlichen Kaufgänge pro Haushalt im FMCG-Segment in Deutschland in den Jahren 2013 bis 2018. Statista.com. Website.


[4] Amjad, Maria

2011 „Kulinarik im Wandel der Zeit“, RTL (Hrsg.): Mitten im Leben. Rundfunkmedium.

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