Mühlen Cordon Bleu VEGAN

„Hallo, ich heiße Jacqueline und ernähr mich vegan.“

-ich vor 6 Jahren, bevor ich aufm Bisatreffen zu Mecces bin für ‘nen Whopper


OK, Freunde, ich habe an dieser Stelle endlich meine vier Familienpackungen Klopapier aufgegessen und GOTT, bin ich froh, dass ich jetzt endlich wieder was anderes essen kann. Es ist so lange her, dass ich überhaupt einen Gedanken an alternative Ernährungsoptionen verschwendet habe, dass ich beim Besuch im Supermarkt schier überwältigt war, als ich – nun, da die zur Hygieneabteilung weisenden Scheuklappen weg waren – mich mit der übertrieben tiefen Produktpalette konfrontiert sah. Ich wandte mich sogleich an die eine Quelle, der ich immer vertrauen kann: das BisaBoard. Und HOLY CRAP. Wenn ich hier so drüberlese, dann hab ich at best noch 5 Jahre, bevor mich Diabetes, Darmkrebs und andere Alliterationen ins Grab zerren (vgl. Feliciá 2020). I mean, habt ihr euch mal informiert, was so ein Grab jährlich kostet? Schlimm sowas.


Zum Glück aber hat mich das BisaBoard an der Stelle nicht dumm sterben lassen, sondern mir sogleich Alternativen aufgezeigt. Shoutout an Arrior, der hier lebensrettende Alternativen offeriert. Ein Cordon Bleu vegetarischer Art (vgl. Button 2020), nur original von der Rügenwalder Mühle (sponsored, not sorry). ABER HALT! Wisst ihr, was in Cordon Bleu außer Fleisch noch drin ist? Ja, genau: Käse. Da ich mich mittlerweile geschlagene 18 Jahre im Bildungswesen befinde, hab ich natürlich jeden Wikipedia-Artikel gelesen und weiß daher auch, dass Käse aus Milch hergestellt wird. Und diese stammt im Regelfall von Kühen – oder in abenteuerlichen Fällen halt von Schafen, Ziegen oder Mutti. Männliche Kühe werden jetzt sehr gerne mal random abgeschlachtet, weil deren Milch...nun ja, ein Nischenprodukt ist (vgl. Kolbe 2018: 472). Also ich hab gehört, dass viele Veggie People das nicht so geil finden, wenn Tiere für unseren Foodgasm draufgehen. Außerdem scheißen mehr Kühe auch mehr und machen damit die Umwelt kaputt, also „raus mit die Viecher“ (Ritter 2016).


tl;dr: Wir brauchen was ohne Käse, und das sahen die Guys, die ich unten nochmal in Großaufnahme eingeblendet hab, wohl auch so. Also gibt’s jetzt Mühlen-Cordon-Bleu in Vegan und nicht nur in Vegetarisch, IHR PLEBS. Und genau das hab ich mir beim Einkaufen nach der Spazierfahrt, die mich fast das Leben gekostet hätte, dann gekauft. Ich hoffe, ihr wisst meinen Einsatz zu würdigen.


Alright, mal gucken, was auf der Verpackung steht: auf Basis von Soja. Ah. Wird bestimmt so ähnlich wie Sojasoße schmecken dann. Damit kann ich leben! Oh, Methylcellulose a.k.a. E-Stoff 461 ist auch drin. Das freut mich, denn das zählt definitiv zu meinen liebsten Tapetenkleistern. Noch kurz angucken, wie man das zubereiten kann, und dann sollte dem Speisegenuss eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Wie man seitlich sehen kann, habe ich natürlich die Verpackung intakt gelassen, denn wenn diese vorzeitig entfernt wird, können wichtige Aromen entweichen. Das Plastik legt sich hierbei beim Erhitzen schützend um das Cordon Bleu, sodass dieses außen knusprig werden und innen saftig bleiben kann. Die molekulare Küche ist schon ziemlich nicenstein.


Es brutzelt, es zischt. Nach 6 Minuten seh ich jetzt noch nichts von der versprochenen goldbraunen Farbe, aber dafür macht sich ein seltsames Odeur in der Küche breit. Irgendwie riecht das…falsch. Leichte Note von Sterilität mit ein wenig Salatdressing. Bestimmt sind das die Botenstoffe im „veganen Erzeugnis nach Art des Schnitzels“, die mir suggerieren sollen, dass die Chemie zwischen uns stimmt. Skeptisch, aber nicht abgeneigt, gebe ich dem frittierten Fladen weitere 6 Minuten, bis das Aroma soweit an ein gebratenes Schnitzel erinnert, sodass ich auch der AfD geglaubt hätte, dass das Resultat meiner kulinarischen Eskapaden als essbar zu titulieren wäre.


Angerichtet wird das Ganze natürlich in meinem Fall mit ein paar Rosmarinkartoffeln aus der Heißluftfritteuse. Ursprünglich war ich am überlegen, das Cordon Bleu ebenfalls in den Apparat zu werfen, doch will man sich ja genauestens ans Rezept halten, weil ich bei der Zutatenliste ohne Grund schon Sorge trage: An Platz 2 steht da nämlich glutenhaltiges Getreidemehl, und ihr wisst ja: Davon fällt bekanntlich der Schwanz ab, was ich mir als Furry natürlich so gar nicht geben kann.


tl;dr again, ich hab tatsächlich ‘nen wissenschaftlichen Artikel gelesen und somit mehr für diesen Blog als für meine Bachelorarbeit geleistet. Weiter im Text:


Essen liegt jetzt auf dem Teller und sieht durchaus verzehrfähig aus. Das präsente Aroma riecht ungefähr wie alles Frittierte – in dieser Beziehung macht die Anzahl der erlegten Tiere also keinen Unterschied. Ich setze das Messer an und schneide- und ich hab direkt richtig Spaß, weil die Panierung an der Stelle bereits nicht crispy und kross (Meisinger 2019) und dünn wie bei einem guten Schnitzel ist (muss ich als Österreicherin natürlich perfekt wissen), sondern thicc wie Drawings auf DeviantArt, was jetzt zur ersten Ernüchterung führt. Insgesamt ist das Produkt aber nach wie vor schneidbar und vor allem lässt es sich mit den Zähnen gut durchtrennen, was bereits vorwegnimmt, was ich als nächstes mit diesem Nichtfleisch getan habe: Ich hab es mir genüsslich zwischen die Lippen gesteckt, während ich laszive Stöhngeräusche von mir gab, oder wie auch immer man mein Kauen und Schmatzen deuten will. GESCHMACKSTEST STARTET IN 3, 2, 1


Hm. Konsistenz des Fleischersatzes ist in etwa vergleichbar mit Hühnerschnitzel, wenn man es im Supermarkt aus der Warmhaltetheke bekommt, oder bei TK-Hühnernuggets. Also keine Filetqualität, sondern eher sehr feines Hack. Geschmacklich durchaus nicht unähnlich, wenngleich hier bereits ein fataler Fauxpas geschah, auf den Van Deckel in seinem Werk „Chatnachricht 3587148“ aufmerksam macht: „Junge, wie willst du Veganes ohne Würze essen?“ (van Deckel 2020). An diesem Exemplar kann ich einen deutlichen Natriumchloridmangel feststellen, wofür James Isaac Neutron sich im Grab umdrehen würde. Naja, es hilft ja nichts, but wait, there’s more: Ich hab weder „Schinken“ noch „Käse“ in diesem Bissen erwischt! Ein weiteres Scheibchen muss folglich vom Kolossos heruntergesäbelt werden. Der Käse läuft beim Druck auf den Schnitzelrücken bereits fröhlich aus dem warmen, weichen Inneren und erinnert an, äh, aber das vertiefen wir jetzt mal nicht, weil das immer noch ein Kinderforum ist. Auch dieser Happen wird meinem Mund zugeführt und WASSOLLDAS. Ich kriege gerade ungelogen einen Lachkick, als ich in das Ding reinbeiße. Soundfile gibt’s auf onlyfans, damit ihr euch da besser reinfühlen könnt. Im ersten Moment denke ich mir, dass das einfach richtig nach Kokos schmeckt. Die Experience erinnert mich deutlich an Kokosnusseiscreme oder vielleicht auch weiße Schokolade mit Kokos. Schnitzel Colada, Kinder! Das ist next level Pizza Hawaii, hier habt ihr’s zuerst gehört. Da ich die Zutatenliste dann aber nochmal prüfe, stelle ich fest, dass dem nicht so sein kann, also sinniere ich weiter und komme darauf, dass das einfach dieser klassische Sojamilchgeschmack ist. Also vermutlich ist der Käse auch einfach Sojamilch mit diesem Tapetenkleister (oder einfach Speisestärke) verdickt. Irgendwie besteht das den Vibe Check jetzt nicht so wirklich.


Am Ende des Tages bin ich dankbar für die Rosmarinkartoffeln, weil das Cordon Bleu allein mich jetzt nicht satt gemacht hätte (hab die veganen Fischstäbchen diesmal nicht mitgebraten, weil es zu solchen ja bereits hier ein Review gab). Geschmacklich war das Fleisch in Ordnung, den Schinken hab ich nicht geschmeckt, und der Käse war jetzt nicht ekelhaft, hat nur überhaupt nicht in meine Erwartungshaltung gepasst und hat mit Käse überhaupt nichts mehr gemein gehabt, außer dem Aussehen halt. Natürliches Aroma steht in der Zutatenliste noch vor Gewürzen und so schmeckt’s halt leider auch. Gourmetmeinung: ganz einfach 5/10 Punkten. Eine Bewertung, so fade und mittelmäßig wie das Gericht selbst. Hoffentlich ist die vegetarische Version besser, weil ansonsten gute Nacht.


Ahja, hier nochmal Bild mit Katze:



Quellen:

Button, Arrior

2020 „Fleisch hat keinen Eigengeschmack“, Illuminatus (Hg): Fleischesser, Vegetarier, Veganer, Frutaner. Siershahn: R.R.A. Publishing, #2679.

Fleischesser, Vegetarier, Veganer, Frutaner (letzter Zugriff: 13. Nov. 2020)


Feliciá, C.

2020 „Rant am Samstag“, Illuminatus (Hg): Fleischesser, Vegetarier, Veganer, Frutaner. Siershahn: R.R.A. Publishing, #2686.

Fleischesser, Vegetarier, Veganer, Frutaner (letzter Zugriff: 13. Nov. 2020)


Kolbe, Karin

2018 „Why Milk Consumption is the Bigger Problem: Ethical Implications and Deaths per Calorie Created of Milk Compared to Meat Production”, Franck Meijboom (Hg.): Journal of Agricultural and Environmental Ethics, Band 31. Online: Springer Science, 472.


Meisinger, Sebastian (Hg.)

2019 „WIENER SCHNITZEL”, Traphouse Kitchen, Staffel 3, Episode 3. Montecarlo und Chicago: Glo Up Dinero.

https://www.youtube.com/watch?v=vYpWgclKXWg (letzter Zugriff: 13. Nov. 2020)


Ritter, Karin

2017 „Meinungen zur Flüchtlingspolitik“, stern TV (Hg.): Familie Ritter: Ein Leben in der Obdachlosenunterkunft. Köthen und Köln: RTL.


van Deckel, Gully

2020 „Chatnachricht 3587148“, TimWolla (Hg.): BisaChat. Siershahn: R.R.A. Publishing.

https://bisachat.bisafans.de/i…ens-maskenpflicht/3587148 (letzter Zugriff: 13. Nov. 2020)

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